Was Hochschul-Experten über die Idee der SPD denken, eine deutsche Elite-Universität aufzubauen.

Harvard und Yale sollen bald Konkurrenz in Deutschland bekommen. Denn die SPD strebt eine Elite-Universität nach US-Vorbild an. In der Goethe-Stadt Weimar, wo die Parteispitze am Montag zu einer Klausurtagung zusammenkam, sollte das Thema im Rahmen der geplanten Bildungsreformen behandelt werden. Bei Experten stößt der Vorschlag zwar auf grundsätzliches Wohlwollen, aber auch auf Skepsis. Sie mahnen unter anderem, dass sich eine Elite-Uni nur in Konkurrenz mit den übrigen Hochschulen entwickeln und nicht von der Politik bestimmt werden könne.

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"Deutschland braucht wissenschaftliche Elite, aber nicht unbedingt eine Elite-Universität", urteilt die Generalsekretärin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Christiane Ebel-Gabriel. Dass es die alles überragende Elite-Schmiede zwischen Alpen und Nordsee nicht gibt, stellt Ebel-Gabriel nicht in Frage. Doch sie sieht eine Stärke des deutschen Systems darin, dass es über das ganze Land hinweg Universitäten mit "erkennbaren Stärken" gibt - Hochschulen also, die in einzelnen Fachbereichen einen sehr guten Ruf genießen. Die HRK-Generalsekretärin mahnt zudem, dass sich eine Elite-Uni nur im Wettbewerb entwickeln könne. Es sei Skepsis angebracht, wenn die Politik dies steuern wolle.

Die Spitze fehlt

Auch für den Bildungsforscher Jens Naumann von der Universität Münster ist unter den deutschen Hochschulen derzeit kein deutsches Harvard in Sicht. Es gebe keine einzige deutsche Universität, die in ihrem Klima und ihren Arbeitsbedingungen mit den besten US-Unis zu vergleichen sei. Es gebe nur einzelne Forschungsbereiche, die zur Weltspitze gehörten. Naumann macht aber auch deutlich, dass das deutsche System im Durchschnitt nicht schlechter als das in den USA sei. "Das ist definitiv nicht der Fall." Aber es fehle "die Spitze der Pyramide".

Um eine solche Spitze aufzubauen, ist Geld vonnöten. Eine Universität wie Stanford verfüge über ein Stiftungskapital von rund acht Milliarden Dollar und einen jährlichen Haushalt von rund zweieinhalb Milliarden, ohne die Investititionen mitzurechnen, schreibt der Hochschulexperte Hans Weiler in der Wochenzeitung Die Zeit. Auf die Frage, ob deutsche Elitehochschulen mit amerikanischen Spitzenuniversitäten konkurrieren könnten, antwortet er daher mit einem "klaren Nein". Letztere verdankten ihre Existenz ganz besonderen historischen und wirtschaftlichen Konstellationen, die sich heute auch in den USA nicht wiederholen würden. Es sei auch "völlig unerfindlich", woher Mittel wie in Stanford in Deutschland kommen sollten, schreibt der Emeritus für Politik- und Erziehungswissenschaft an der Stanford University in dem Beitrag.

Doch nicht nur Geld fehlt, auch die Strukturen müssten sicher verändert werden. Die Politik müsse für eine Elite-Uni an einige "heilige Kühe" herangehen, sagt der Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), Detlef Müller-Böling. So muss es nach seiner Überzeugung etwa dazu kommen, dass sich die Universitäten ihre Studenten und diese sich ihre Hochschule aussuchen können.

Zudem sollte es an den Top-Unis ein anderes Größenverhältnis zwischen Studenten und Professoren geben: Während laut Müller-Böling an den Elite-Hochschulen auf einen Professor zehn bis 20 Studenten kommen, sind es in Deutschland 80 bis 200. Besonders unpopulär dürfte seine Forderung nach Studiengebühren sein: Wer in der Weltliga mitspielen wolle, müsse sich an deren Kriterien orientieren, sagt der CHE-Leiter mit Blick auf die teuren Top-Unis.

Noch ist unklar, welche Antworten die Politik darauf geben wird. Bislang besteht nicht viel mehr als der Wunsch, in Konkurrenz zu Harvard und Yale bestehen zu können. Müller-Böling mahnt daher, die SPD sei auf dem richtigen Weg, wenn sie "nicht nur A, sondern auch B sagt".

(sueddeutsche.de/AFP, von Carsten Hauptmeier )

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