Ab dem Wintersemester bieten Bayerns Hochschulen für die besten Studenten zusätzliche Studienangebote an. Nur Passau und Bamberg bleiben außen vor.
Als erstes Bundesland fördert Bayern vom Wintersemester an 300 herausragende Studenten und junge Wissenschaftler. Die Staatsregierung gab gestern die ersten zehn Elite-Studiengänge und fünf Doktoranden-Kollegs bekannt. Anders als auf Bundesebene werden im Freistaat nicht einzelne Hochschulen, sondern Fachbereiche ausgewählt. Zuschläge gingen an alle bayerischen Universitäten mit Ausnahme von Bamberg und Passau. Am stärksten vertreten sind die Ludwig-Maximilians-Universität München, gefolgt von der TU München und der Universität Erlangen. "Wir reden nicht nur über Eliteförderung, sondern tun auch etwas dafür", sagte Ministerpräsident Edmund Stoiber.
Wissenschaftsminister Thomas Goppel, DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker, der Vorsitzende der bayerischen Rektorenkonferenz, Wolfgang Herrmann, und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (von links) in der Münchner Staatskanzlei. (© Foto: dpa)
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"Das Potenzial in Bayern ist groß", befand der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, und würdigte die vielen Vorschläge, die von den Universitäten in den vergangenen Monaten eingegangen waren. Unter seinem Vorsitz wählte eine internationale Expertenkommission aus 29 Anträgen die 15 besten aus. Sie entsprachen der Vorgabe, fach- und hochschulübergreifend zu sein. Unter den Gewinnern sind alle Disziplinen vertreten. Die Palette reicht vom Hochbegabten-Studiengang in Mathematik bis hin zum Doktoranden-Kolleg in philologischer Altertumskunde. Am stärksten kamen aber die Naturwissenschaften und die Biomedizin mit neun Projekten zum Zug.
Auf fünf Jahre befristet
Nahezu alle Landesuniversitäten werden im Winter etwas zur Elitenförderung anbieten können - nur nicht Passau und Bamberg. "Sie haben die Auflage nicht erfüllt", erklärte Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Er sei aber guten Mutes, dass sie bei der nächsten Runde dabei sein würden. Besonders häufig fiel dagegen die Wahl auf die zwei Münchner Universitäten, vor allem auf die Ludwig-Maximilians-Universität, die bei neun Projekten die Federführung übernimmt und als Sprecher-Universität fungiert. "An der LMU kommt man schon wegen ihrer Größe nicht vorbei", sagte Goppel.
Die Elite-Studiengänge und Graduiertenkollegs sind Teil des Elite-Netzwerkes Bayern, das die Staatsregierung vor knapp einem Jahr aus der Taufe gehoben hat. Es wird vorerst auf fünf Jahre befristet mit 14 Millionen Euro vom Staat und von der Wirtschaft finanziert. Außerdem stellt die Regierung 223 zusätzliche Stellen für Dozenten und Nachwuchswissenschaftler zur Verfügung. Sie wurden aus dem Wegfall des so genannten AZV-Tages (Arbeitstag zur besonderen Verwendung) für das Jahr 2002 gewonnen. Goppel sprach von einem "Opfer der Beamten zugunsten der Spitzenförderung".
Erst der Anfang
Die 15 ausgewählten Projekte bilden die erste Runde. Die Universitäten werden dafür nun Studenten und Wissenschaftler aussuchen, die ein hervorragendes Vordiplom oder Examen vorweisen und sich dann in Einzelgesprächen stellen müssen. Wer ausgewählt wird, den erwarten optimale Betreuungsverhältnisse. Im Sommer soll ein zweiter Durchlauf erfolgen, bei dem nochmals zehn Studiengänge und fünf Graduiertenkollegs verteilt werden. Die Staatsregierung überlegt, daran auch die Fachhochschulen teilnehmen zu lassen. Im Endausbau, sagte Stoiber, würde es im Freistaat 30 Angebote für 2000 hochbegabte Studenten und 120 herausragende Nachwuchswissenschaftler geben. "Damit liegen wir selbst international im Spitzenfeld, was mir wichtig ist."
Die Entscheidung wurde an den bayerischen Universitäten mit Spannung erwartet. "Die Eliteförderung ist ein konsequenter Schritt im Modernisierungsprozess der bayerischen Universitäten", sagte anschließend der Sprecher der Uni-Rektoren, TU-Präsident Wolfgang Herrmann. Damit werde man internationale Standards erreichen. DFG-Präsident Winnacker verspricht sich von der Förderung einen stärkeren Austausch mit dem Ausland. Studenten werden dort Praktika ablegen. Umgekehrt hofft er, dass die bayerischen Hochschulen durch die neuen Graduiertenkollegs attraktiver für Wissenschaftler aus England oder den USA werden.
Wichtig ist dem Auswahlgremium zudem die Förderung von mehr Eigenverantwortung bei deutschen Studenten. Sie sollen beispielsweise selbst Debattierclubs mit Forschern einrichten. Auch müssen sie beweglicher sein, wenn Seminare an mehreren Universitäten stattfinden. Generell lobte Winnacker das Vorhaben: "Das ist eine rundum gute Sache." Er hofft, dass sich eine Förderung einzelner Fachbereiche statt ganzer Universitäten auch im Bund durchsetzen wird, denn "selbst Spitzenuniversitäten wie Harvard sind nicht in allen Disziplinen exzellent".
Bedenken an dem Vorstoß äußerten die Grünen im Landtag. Vor dem Hintergrund aktueller Sparzwänge lasse sich das Vorhaben nicht rechtfertigen, hieß es. Stoiber versicherte jedoch, dass die Breitenförderung deshalb nicht zu kurz kommen werde. Doch gab er kein Signal dafür, dass die Hochschulen beim neuen Haushalt 2005/06 wieder mit einem Zuwachs rechnen können. "Das hängt von der wirtschaftlichen Lage ab." Das gilt übrigens auch für die Entscheidung, ob die Eliteförderung 2009 fortgesetzt wird.
(SZ vom 9.3.2004)
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