Immer mehr Bachelor-Absolventen drängen auf den Arbeitsmarkt. Doch die Chancen der neuen Kurzzeit-Studenten sind nicht besonders gut. Viele Unternehmen sind noch skeptisch.
Neun Jahre ist es her, dass in Deutschland die ersten Bachelor- und Master-Studiengänge als Pilotprojekte eingeführt worden sind. Aber noch immer ist die wichtigste Frage zum Bologna-Prozess nicht beantwortet: Wie stehen die Chancen der neuen Kurzzeit-Studenten auf dem Arbeitsmarkt? Der Bachelor-Abschluss soll als Einstieg in verschiedene berufliche Tätigkeiten taugen und zugleich die Basis für weiterführende Master-Studiengänge sein. Das schnelle, entschlackte Studium, verspricht die neue Image-Broschüre der Hochschulrektorenkonferenz, hat Kompetenzen statt verstaubtem Wissen im Blick und orientiert sich an den zukünftigen Aufgaben in der Berufswelt. Sowohl Studenten als auch Arbeitgeber betrachten diese Botschaft bisher jedoch mit Skepsis.
Bachelor-Absolventen: Eine Employability-Studie ergab, dass kleiner und mittlere Unternehmer nicht wissen, wie sie sind. (© Foto: ap)
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Ohne Zweifel haben sich die neuen Abschlüsse an den Hochschulen durchgesetzt. 67 Prozent aller Studiengänge an deutschen Universitäten und Fachhochschulen schließen inzwischen mit dem Bachelor oder Master ab, 48 Prozent der Studienanfänger haben sich im Wintersemester 2006/07 dafür eingeschrieben. Nach der letzten Absolventenbefragung der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) in Hannover sind sie mit Lehrangebot, Ausstattung und Betreuung auch zufrieden. Allerdings wagen sie nur selten den frühen Absprung. Je nach Studiengang liegen die Übergangsquoten ins Master-Programm zwischen 30 und 100 Prozent. "In den meisten Köpfen ist das Vollstudium noch fest verankert", sagt HIS-Forscher Karl-Heinz Minks. "Die jungen Leute wollen sich möglichst hochwertig qualifizieren."
Mittelständler sind unwissend
Diese Vorsicht ist berechtigt. Eine Employability-Studie der Universität Freiburg ergab, dass Bachelor-Absolventen tatsächlich benachteiligt sind. Zwar haben Großunternehmen wie die Deutsche Bahn AG, BASF oder die Allianz den neuen Abschlüssen mit der "Bachelor Welcome"-Initiative ihr Vertrauen ausgesprochen. Bei den kleineren und mittleren Unternehmen, die zwei Drittel aller Arbeitsplätze in Deutschland stellen, sieht das Bild jedoch anders aus.
Als die Freiburger Forscher Vertreter von 3000 Firmen zu ihren Erwartungen an den Bachelor befragen wollten, stießen sie zuerst auf breites Unwissen. "Manche Personalverantwortliche waren der Meinung, der Bachelor entspräche dem Abschluss der Berufsakademie oder dauere zehn Semester", sagt Rouven Sperling vom Projekt "Berufsfeldorientierte Kompetenzen". "Da mussten wir erst mal Aufklärungsarbeit leisten."
Forschung will promovierte Absolventen
Nachdem diese Unklarheiten ausgeräumt waren, äußerten sich die Befragten sehr unterschiedlich. Das verschulte Studium kommt gut an, bemängelt wird hingegen, dass Praxisphasen aus den Diplom-Studiengängen wegfallen. Die Kürze des Studiums sehen nicht alle als Pluspunkt. Unternehmen, die sich mit Grundlagenforschung befassen, erteilten dem Bachelor in der Freiburger Studie eine Absage. "Für unsere Forschung und Entwicklung liegt der Fokus weiterhin auf Absolventen mit Promotion", sagt Birgit Huber, zuständig für Personalrecruiting und -marketing beim internationalen Pharmaunternehmen Sanofi-Aventis. Bachelor-Studenten seien als Praktikanten und Werkstudenten bereits voll integriert, im technischen Bereich sei auch ein Einsatz denkbar, der dem von Fachhochschul-Ingenieuren gleicht. "Die Leitungspositionen werden jedoch den Master-Absolventen vorbehalten bleiben."
Weniger kritisch wird die Verkürzung im Bereich Controlling, Marketing oder Personal gesehen, aber auch hier könnten Probleme auftreten, meint Ingo Kowalczyk, Leiter der Personalentwicklung der WAZ-Mediengruppe. Bei Einstellungen im Bereich Finanz- und Rechnungswesen hat er die Erfahrung gemacht, dass den Bachelor-Absolventen in Fachdiskussionen schnell die Luft ausgehe. Oberhalb der Sachbearbeiter-Ebene würde er deshalb für diese Kandidaten nur Einstiegsjobs als Trainees empfehlen.
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Abholzungen im Amazonas-Gebiet
" Der Zusammenschluss von 43 deutschen Unternehmen erstellte in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Hochschulentwicklung(CHE) in Gütersloh eine eigene Studie zur Beschäftigungsfähigkeit von Absolventen."
Bertelsmann lässt grüßen. Genau diejenigen die auf Bachelor/Masterstudiengänge mit aller gedrängt haben, und auf Studiengebühren, wagen es sich scheinheilig, im Nachhinein, noch eine "Studie" zur "Beschäftugungsfähigkeit" zu erstellen.Es wird wieder ein sinnloses Ranking und Evaluationsberechnungssystem produziert, dass besagt das der Bildungsmarkt noch freier werden müsse.(obwohl das mit der ursprünglichen Fragestellung nicht zu tun hat)... den Rest kann sich jeder normal informierte selbst denken.
Zitat AK871: "Fragen Sie mal einen FH-Studenten eines Ingeneiurstudienganges (!) im Praktikumssemester (5.?) nach der Lösung einer Integrationsaufgabe (unbestimmt), der Auflösung der Integrationskonstanten entsprechend der vorgegebenen Randbedingungen und der Interpretation der Ergebnisse: In nahezu allen Fällen werden Sie als Antwort: " ??? ""
Dieses Problem taucht erschreckenderweise auch an den Unis auf. Und massiv. In der Regel geht die Integration an sich bei einfachen Aufgaben noch mechanisch-auswendiggelernt vonstatten, soll das Ergebnis jedoch dann in einen Kontext (Interpretation - "was hat man da eigentlich gemacht") eingebettet werden, ist es in der Regel auch an der Uni aus. Und nicht nur bei den Studenten.
Die Leute werden mit schnell veraltendem Speizalwissen so vollgetrichtert, daß ein Bewußtsein, welche Lehrinhalte denn nun wirklich fundamental (etwa für einen Ingeneur), zeitlos und unabdingbar sind, sich nicht entwickeln kann. Das zieht sich mittlerweile bs weit in den akademischen Apparat hinein.
Die Rechnung dafür kommt selbstverständlich nach. Wie Sie sagen: Es hat schon immer ins Verderben geführt, statt auf Quälität auf Quantität zu setzen.
Interessant finde ich die immer lustig in den Medien weiterverbreiteten Aussagen, dass die Bachelor-/Master-Studiengänge gut angenommen werden. Wobei immer mit grossen Prozentzahlen argumentiert wird. Ganz vergessen wird dabei, dass die Studenten in vielen Fällen bereits gar keine Wahlmöglichkeit mehr haben zwischen Diplom bzw. Magister und Bachelor.
Stellt sich also die Frage, wie sich die Studenten denn wirklich entscheiden, wenn sie es noch können?
"Ansonsten sind 80% oder mehr Durchfallquote garantiert."
Es wird sich rumsprechen.
Quantität statt Qualität hat noch immer zum Desaster geführt.
Danke für die Erläuterung... jetzt weiß ich auch was Sie meinen. (Grün dafür)
Also das was Sie dort beschreiben, unterscheidet sich nicht einmal von FH zu FH, sondern schon von Prof zu Prof. Wir hatten z.B. gute Didakten, also Profs, die die perfekten Lehrer waren, mit pefekten Tafelbild, sehr guten Skript und guten Laboraufgaben. Bei denen musste man wirklich nichts mehr nebenher lernen. Wozu auch? Eigentlich bekam man alles gelehrt, was man brauch- Praxistauglich war es aber wirklich nur bedingt.
Dann gab es noch die Praktiker unter den Profs. Die waren gut darin einem das Wissen anhand von praktischen Dingen beizubringen. Also viele Beispiele, viele Übungen etc. (das geht sogar bei Mathematik), hier musste man aber wiederum einiges Nacharbeiten um auch noch den theoretischen Hintergrund mitzubekommen. Was einige Bibo-Besuche nach sich zog und etliche Stunden selbststudium.
Leider gab es auch noch ein paar andere. Das waren dann Profs die in meinen Augen leider weder Didaktisch noch Praktisch veranlagt waren. Das Skript war meist von irgendjemand anderem und wurde meist nur abgelesen. Praktische Aufgaben gab es meist auch nicht. Da es keine Anwesenheitspflicht in der VL gab, haben sich viele die VL gleich gespart und anhand des sehr dürftigen Skriptes (ein Ausdruck der mageren Powerpoint-Präsentation), gleich alles selbst er- und nachgearbeitet. So sollte dann ein Studium aber auch nicht sein.
Über die Art und Weise der Wissensvermittlung lässt sich mit sich mit Sicherheit Monatelang philosophieren. Es kommt auch immer darauf an welches Ziel der Student, der Prof. oder die FH/Uni verfolgt. Ich denke, meine FH war da so ein mittelding aus allem, mit einem leichten Hang zu einem Minderwertigkeitskomplex nur eine FH zu sein.
Und noch ein Wort zur Mathematik (ich bin Ingenieur)...
Das Problem, dass Ihnen jemand im 5. Semester keine Integrale ausrechnen kann ist nicht neu. Reden Sie mal mit einem Mathe-Prof mit was er schon am Anfang des Studiums zu kämpfen hat. Das Niveau der Leute die vom Gymnasium oder von der Fachoberschule kommt, sinkt seit Jahren. Während zu unserer Zeit noch vereinzelt Studenten in den Prüfungen unmögliche Fehler gemacht haben (z.b. Differenzen und Summen, kürzen nur die Dummen), ist sowas heute gang und gäbe. Der Prof muss im ersten Semester auch immer früher im Stoff anfangen bzw. Vorbereitungskurse geben. Ansonsten sind 80% oder mehr Durchfallquote garantiert.
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