Ein Kommentar von Jürgen Schmieder

Es gibt keine Alternative zum akademischen Sponsoring. Wie Hochschule und Wirtschaft sich gegenseitig befruchen können, zeigt das Beispiel USA.

Aldi-Hörsaal. BMW-Fakultät. Jakobs-University. Jedem, der einst in einem ehrwürdigen Hans-Lindner-Hörsaal den Vorlesungen lauschte, lassen diese Begriffe die Unterarmhärchen aufstellen. Forschung und Lehre bezahlt von privaten Unternehmen? Nein, das darf nicht sein! Wirklich nicht?

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In den Vereinigten Staaten ist das Prinzip des akademischen Sponsoring nichts Neues. Unternehmen fördern Fakultäten, bezahlen modernste Computer, stellen Bücher zur Verfügung, unterstützen Forschungsprojekte. Natürlich geschieht das nicht aus reinem Altruismus, sondern hat einen pragmatischen Hintergrund: Elite-Studenten sollen bereits in jungen Jahren spezialisiert und an das Unternehmen gebunden werden.

Wir verbessern das Auto des Sponsors

So wird an der University of Michigan in der Nähe der Autostadt Detroit im Fach Maschinenbau die Spezialisierung auf Automobile angeboten. Die Firma Ford unterstützt die Fakultät und bietet Praktikumsplätze. Im Gegenzug ist der Name des Unterichtsgebäudes "Henry-Ford-Building". Einige Vorlesungen und Übungen befassen sich sogar explizit mit Ford: Wie funktioniert der Motor? Wie kann das Design verbessert werden?

In Deutschland wird dieses Prinzip inzwischen schrittweise übernommen: An der Uni Regensburg etwa fördert BMW den Studiengang "Produktions- und Automatisierungstechnik". Studenten bekommen Praktikumsplätze, werden ein halbes Jahr in das Werk im englischen Oxford eingeladen. Dafür vermitteln akadamische Veranstaltungen unternehmensspezifische Inhalte.

Das Ziel ist klar: Das Unternehmen möchte Studenten mit Potenzial früh an sich binden - und dafür sorgen, dass sie nicht nur den sehr allgemeinen Studiengang "Maschinenbau" absolvieren, sondern eine praxisorientierte Ausbildung erhalten. Der Student kann nach seinem Diplom sofort in medias res gehen. Nicht zwingend bei BMW - das Gelernte lässt sich auch auf andere Autobauer übertragen. Die Gefahr, dass nur finanzkräftige Unternehmen in den Genuss von Elite-Studenten kommen, ist so nicht gegeben. Das geschieht auch ohne Sponsoring.

Alte Träume

Ist die Freiheit und Objektivität der Wissenschaft in Gefahr, weil Unternehmen Universitäten sponsern, die den Studenten so bessere Bedingungen bieten können? Klar, man könnte die Forderung erneuern, dass der Staat mehr in Wissenschaft und Bildung investieren muss, um nicht auf Drittmittel angewiesen zu sein. Aber mal ehrlich: Wer glaubt daran?

Überspitzt gesagt: An vielen deutschen Unis pressen sich Studenten in überfüllte Hörsäle, haben keine Computerräume und keine Mittel, um Forschung zu betreiben - und müssen dafür auch noch Studiengebühren berappen. Akademisches Sponsoring kann diese Not lindern.

Freie Universitäten, die sich aus Staatsmitteln finanzieren und dennoch eine international angemessene Ausbildung bieten können: Das ist kein frommer Wunsch, sondern eine Utopie aus einer längst vergangenen Zeit.

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(sueddeutsche.de)