In Hessen kippt die SPD die Studiengebühren auch für Langzeitstudenten - sozial ist dieses Vorhaben nicht. Ohne wirksame Alternativen wird die Gebührenfreiheit zur Plage.
Der Studentenstatus bietet manche Vorteile. Zumindest eine Zeitlang ist man lästige Fragen der Eltern nach der beruflichen Zukunft los. Es gibt Rabatte auf Bahntickets oder Handytarife. Und wer einen robusten Magen hat, kann günstig in der Mensa speisen.
Monatelang protestierten Studenten in Hessen gegen Studiengebühren - sozial ist die Gebührenbefreiung auch für Langzeitstudenten allerdings nicht. (© Foto: ddp)
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Der Hauptgrund, lange an der Uni eingeschrieben zu bleiben, ist bei vielen Langzeitstudenten ein anderer: In der Regel sind sie von der Sozialversicherungspflicht befreit oder zahlen geringere Beiträge (solange sie bestimmte Arbeitszeiten nicht überschreiten). Auf dass sich Studenten und Arbeitgeber nicht zu Unrecht vor Sozialbeiträgen drücken, haben die meisten Bundesländer Gebühren für Langzeitstudenten eingeführt.
Die Abschaffung der Studiengebühren in Hessen hilft zwar sozial benachteiligten Studenten. Dass aber sogar die Semesterbeiträge für Langzeitstudenten und die für ein Zweitstudium fallen, ist ein zweifelhaftes Signal.
Abschreckung statt Dauerstudium
Um sich als Studenten-Partei zu inszenieren, zahlt die SPD in Hessen einen hohen Preis. Sie ist auf die Stimmen der Linken angewiesen, weil es ohne sie keine Mehrheit gibt. Selbst auf den Gesetzes-Passus der Zwangsexmatrikulation, wenn Studierende keine Scheine machen, musste die Hessen-SPD wegen der Linken verzichten.
So vertritt sie im Vergleich zu anderen Landesverbänden ein extrem radikales Gratis-Studienmodell. Gebühren für Langzeitstudenten sind aber ein sinnvolles Mittel, gerade jene, die sich nur auf den Privilegien des Studentenlebens ausruhen wollen, abzuschrecken.
In Baden-Württemberg, dem ersten Land, das Endlos-Studenten in den 90er Jahren strikte Grenzen aufzeigte, ist die Anzahl der Langzeitstudenten nach der Einführung einer Gebühr um 40 Prozent zurückgegangen, gleichzeitig erhöhte sich aber auch die Zahl der Studienabbrecher. Die meisten SPD-Regierungen setzen deshalb auf ein flexibleres Studienkontenmodell, das zwar ebenfalls Gebühren für Dauerstudenten vorsieht, aber auf starre Semestergrenzen verzichtet.
Das heißt: Das Erststudium bleibt bis zum Masterabschluss in der Regelstudienzeit und - je nach individueller Leistung des Studenten - einige weitere Semester gebührenfrei. Danach werden Strafgebühren fällig, die oft sogar deutlich höher liegen als 500 Euro. In Rheinland-Pfalz müssen Langzeitstudenten beispielsweise 650 Euro entrichten.
Die SPD und Grünen in Hessen argumentieren nun, dass vor allem Studenten, die nicht auf die finanzielle Unterstützung der Eltern bauen können, länger studieren. Denn ihr Studium werde durch eine Fülle von Nebenjobs in die Länge gezogen. Tatsächlich müssen sich einige Studenten schon für die Miete kräftig abstrampeln. Diese Hochschüler allerdings dadurch zu entlasten, dass sie nun länger kostenfrei studieren dürfen, ist nicht sozial.
Es ist jedenfalls unverständlich, was sozial daran sein soll, wenn man die Steuerzahler, in ihrer Mehrheit lauter kleine Leute, dazu verpflichtet, anderen ein Dauerstudium oder noch eine zusätzliche zweite akademische Ausbildung zu bezahlen. Wenn es denn richtig ist, dass ein Studium Schutz bietet gegen Arbeitslosigkeit, sollte es als sozial gelten, allen Studenten ein Studium in gebührender Zeit zu ermöglichen. Schließlich verursachen lange Studienzeiten nicht nur hohe Kosten für den Staat, sondern sie verschlechtern auch die Aussichten der Studenten auf eine gute Anstellung.
Sozial benachteiligte Studenten brauchen deshalb mehr Unterstützung während ihrer Regelstudienzeit - nicht erst hinterher. Die SPD in Hessen muss jetzt beweisen, dass sie nicht nur den Universitäten den Verlust der Studiengebühren ausgleichen, sondern darüber hinaus den Studenten bessere Studienbedingungen, mehr Beratung und vor allem Stipendienprogramme bieten kann. Sonst wird der neue Wohlstand durch die Gebührenfreiheit bald zur Plage.
- Hessen kippt die Studiengebühren Kommando zurück! 03.06.2008
- Stipendien Studieren und kassieren 02.06.2008
- Studiengebühren Schritt für Schritt in alte Schlachten 03.06.2008
(SZ vom 04.06.2008/cag)
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Wie wärs statt Studiengebühren während der Studienzeit mit nachträglichen regelmäßigen Zahlungen in Höhe eines bestimmten Gehaltanteils? Dann könnten Kinder ärmerer Schichten studieren, die Studierenden müssten für die Gebühren nicht ihr Studium wegen paralleler Zusatzjobs verlängern, und wenn jemand später gut verdient, verdankt er schließlich auch der Hochschule was.
Einige scheinen das zu glauben. Rechnen wir doch einfach mal nach.
Bafög fällt nach dem Ende der Regelstudienzeit weg. Da ist man noch gar kein Langzeitstudent. Angenommen, jemand bezieht Bafög und hat vorher den halben Höchstsatz erhalten. Ab Herbst sind das 321,50 Euro pro Monat. Hat man die nicht mehr, entspricht das einer Mehrbelastung von 1929 Euro pro Semester.
Viele Banken haben Altersgrenzen fürs gebührenfreie Konto: Mehrkosten von ca. 60 Euro pro Semester.
Ab 30 Jahren oder dem 14. Semester ist man nicht mehr zum günstigen Studententarif (ca. 58 Euro) kranken- und pflegeversichert: Die freiwillige Versicherung kostet ca. 130 Euro. Mehrbelastung ca. 420 Euro pro Semester.
Studenten ab 26 zahlen für die Bahncard den vollen Preis: Aufs Semester gerechnet 55 Euro mehr.
Die Liste ist nicht abgeschlossen, und schon addieren sich die "Langzeitgebühren" auf 2464 Euro.
Jetzt kommt die Hochschule und will auch noch einen "Beitrag". Ruckzuck sind wir bei 3000 Euro pro Semester. Unser Langzeitstudent im Beispiel darf also Monat für Monat 500 Euro zusätzlich aufbringen. Fünfhundert! Und jetzt kommt Frau Taffertshofer und sagt, dass Langzeitstudenten doch nur Sozialbeiträge sparen wollen. Super. Da hat ja jemand richtig mitgedacht.
Generationenvertrag ist das richtige Stichwort. Wer bezahlt denn diesen Staat?!? Ohne weitere Nachforschung vermute ich mal vorsichtig, dass der Staat zu über 80% durch ehemalige Hochschulbesucher mit und ohne Abschluss finanziert wird. Dieses blöde Gerede von der Mehrheit kleiner Leute, die da für die Minderheit der Oberschichten-Kinder die Unis bezahlen muss ist ja nicht zu ertragen. Da wird doch versucht, genau diese kleinen Leute übers Ohr zu hauen, auf dass sich deren Kinder ein kostenbelastetes Studium nicht mehr leisten können.
Sehr geehrte Redaktion,
das Studium einer Fachrichtung sollte gebührenfrei sein. Erst nach der Aufnahme eines
Zweitstudiums oder dem Wechsel der Fachrichtung sollten Gebühren anfallen.
Als Zahler von Studiengebühren (Vater einer Studentin) kann ich nichts erkennen,
was als Folge der zusätzlichen Einnahmen für die Studierenden verbessert worden wäre.
Was wird mit der Kohle gemacht ?
Wenn einerseits Studiengebühren verlangt werden, andererseits Prüfungen in den Semesterferien stattfinden, dann kann der Student in den Ferien kein Geld für sein
Studium verdienen.
Entweder das Studium wird so strukturiert, dass der Student in die Lage versetzt wird,
z. B. in den Semesterferien zu arbeiten, oder die Dauer des Studiums wird erhöht,
wenn während des Semesters gearbeitet werden muss, um die Studiengebühren zu
verdienen.
Für ein Studium sollte ein Festbetrag fällig sein, keine Gebühr pro Semester.
Die Universitäten sollten Anreize bekommen, ihre Studenten mit Abschluss und
in der geplanten Zeit durch das Studium zu bekommen und zwar finanzielle Anreize.
Ich bin auch der Ansicht: Langzeitstudenten schaden vor allem sich selbst, wenn sie ihren berufsqualifizierenden Abschluß erst in den mittleren dreißigern erreichen. Ich kenne einige "Langzeitstudenten" denen es immer wieder finanziell ziemlich dreckig geht, gerade hier in Hessen in den letzten Jahren. Die Leute sind aber in der Tat wenig an der Uni, weil sie arbeiten oder Hausarbeiten - Rückstau aufarbeiten müssen. "Belasten" also die Uni in der Tat nicht sehr. Bringen aber der Bahn mit ihrem im Semesterbeitrag enthaltenen Beitrag zum Semesterticket zusätzliches Geld. Es mag die "RMV - Studenten" gegeben haben, die sich nur wegen des evtl. billigeren Bahntickets eingeschrieben haben. Die gibt es jetzt wohl nicht mehr, und man hätte sich ihrer auch anders entledigen können, wenn man gewollt hätte. Es gibt aber auch die vielen anderen, die das Semesterticket nie oder so gut wie nie benutzen und dennoch in die Solidargemeinschaft einbezahlen. Von den anderen Empfängern, wie Studentenwerk, Asta u.a. einmal abgesehen.
Und was ist denn eigentlich mit dem "Verwaltungsbeitrag" von 50, der seit 2003 erhoben wird, ohne daß jemals Rechenschaft über dessen Verwendung gegeben wurde?
Und nach meinem Gefühl haben viele der "Langzeitstudenten", mit denen ich zu tun hatte, ihr Fach intensiver und oft mehr von idealistisch-perfektionistischem Standpunkt aus studiert, haben oft ein wesentlich breiteres Hintergrundwissen und sind - nebenbei bemerkt - schon von daher meist die besseren Gesprächspartner als die heute so gefragten smarten Jungchen, die das schnelle Scheinesammeln als eigentlichen Studieninhalt zu begreifen dressiert sind.
Nur sind sie beim Eintritt ins Berufsleben vielleicht schon etwas alt. Aber vor diesem Hintergrund: Wo sind denn dann die Chancen, und worin liegt der Nutzen
des zweiten Bildungsweges?
Kostendebatten an Bildungseinrichtungen heranzutragen, halte ich für verfehlt. Diese gehören zu den notwendigen Einrichtungen, die eine Gesellschaft sich leistet, weil sie sie braucht. Besonders wenn sie einen gewissen Anspruch an sich nicht aufzugeben bereit ist.
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