Tausende Studierende demonstrieren gegen die Sparpläne von Ministerpräsident Roland Koch: Auf Langzeitstudenten könnten in Hessen bald Gebühren von 900 Euro pro Semester zukommen.

Mit zahlreichen Protestaktionen haben am Dienstag Tausende Studenten in Hessen gegen die Sparpläne der Landesregierung mobil gemacht. Die Pläne von Ministerpräsident Roland Koch sehen unter anderem vor, dass ab 2004 Langzeitstudenten bis zu 900 Euro Studiengebühren pro Semester bezahlen müssen. Tjark Sauer von der Landeskonferenz der Studentenausschüsse kritisierte, viele Studenten hätten dann kein Geld mehr, um ihren Abschluss zu machen. Er kündigte Klagen gegen das geplante Gesetz an.

Demo

In Frankfurt trafen sich rund 6000 Studenten zur Demo (© Foto: dpa)

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Die Landesregierung reagierte mit Unverständnis auf die Proteste. Die Demonstranten sollten sich vor Augen führen, dass die Sparmaßnahmen für die Zukunftssicherung ihrer Kinder und Enkel zwingend erforderlich seien, erklärte Regierungssprecher Dirk Metz. Wenn Langzeitstudenten zum Teil 25 und mehr Semester staatliche Leistungen in Anspruch nehmen, sei es mehr als gerecht, dafür eine Semester-Gebühr zu nehmen.

In Marburg machten mehrere hundert Studenten mit Aktionen wie Theateraufführungen auf ihre Situation aufmerksam. Mit einer Zeltsiedlung wiesen sie auf Wohnungsknappheit und die drohenden Folgen der Studiengebühren hin. Mit Schildern wie "Suche Sponsor für mein Studium" gingen Studierende betteln und informierten über ihre finanziellen Probleme.

Man sei darauf eingestellt, bis Jahresende mit den Protestaktionen fortzufahren, sagte Thomas Schmitt vom Allgemeinen Studentenausschuss (Asta) der Universität Gießen. In Gießen und Frankfurt am Main machen die Studenten am Dienstag auch in Demonstrationen ihrem Ärger Luft. In Kassel war für nächste Woche eine Kundgebung vorgesehen. Für den 18. November planen die Studenten eine landesweite Demonstration in Wiesbaden.

David Profit vom Frankfurter Asta kritisierte, mit der geplanten Gebühr werde "die ganze Lebensplanung innerhalb von zwei Monaten zunichte gemacht". Den klassischen Bummelstudenten gebe es in Hessen so gut wie nicht. Vielmehr müsse ein Großteil der Studenten nebenbei arbeiten, um sich ihr Studium zu finanzieren. Außerdem führen laut Profit die desolaten Studienbedingungen zu längeren Studienzeiten. "Wir warten teilweise zwei Semester auf einen Prüfungstermin", sagte er. Sollten die Proteste nicht fruchten, kündigte Schmitt an, dass die für jedes Semester fälligen Universitäts-Verwaltungsgebühren auf ein Sperrkonto überwiesen würden.

Studentenwerk gegen Studiengebühren

Schützenhilfe erhielten die Studenten vom Deutschen Studentenwerk. Die Einführung von Studiengebühren könnten dazu führen, dass nur Kinder reicher Familien studieren, erklärte Studentenwerks-Präsident Hans-Dieter Rinkens. Schon jetzt würden nur acht von 100 Kindern aus Familien mit geringem Einkommen und Bildungsstand ein Studium aufnehmen, bei Kindern mit hohem Bildungsstand und Einkommen seien es dagegen 72 Prozent.

Fehlende Investitionen im Bildungsbereich und eine geringe Studierquote seien mit für die negative wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland verantwortlich, sagte Rinkens.

(sueddeutsche.de/AP)

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