Hessen ist das erste Land, das die Gebühren wieder streicht - mit der linken Mehrheit gegen die CDU. Was bedeutet nun der Kurswechsel für die Universitätslandschaft in Deutschland? Schließlich haben andere Bundesländer nicht nur gute Erfahrungen mit Gebühren gemacht.
Sie sind mit diesem Versprechen in den Wahlkampf gezogen, sie haben es immer wieder erneuert, an Infoständen, in Turnhallen, in Interviews, auf Flugblättern: Sollten sie an die Regierung kommen, würden sie die Studiengebühren abschaffen, so lautete die Botschaft von SPD und Grünen - und auch die Linke warb vor der hessischen Landtagswahl mit diesem Versprechen um Stimmen.
Studiengebühren: Der politische Streit darum wurde auch zum politischen Symbol. (© Foto: dpa)
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An die Regierung sind sie alle zwar bislang nicht gekommen, doch etwas mehr als vier Monate nach dem Wahltag wird es in dieser Woche so weit sein: Der hessische Landtag wird aller Voraussicht nach mit den Stimmen von SPD, Grünen und der Linken die Studiengebühren abschaffen. Es ist die erste Entscheidung von solcher Tragweite, bei der die sogenannte linke Mehrheit im Parlament sich durchsetzen und der geschäftsführenden Regierung Koch ihren Willen aufzwingen wird.
Zäsur im Gebührenkampf
Es ist das erste der großen, emotional aufgeladenen Wahlversprechen von SPD und Grünen, das nun Wirklichkeit wird - obwohl Andrea Ypsilanti nicht hessische Ministerpräsidentin ist. Und es ist gleichzeitig eine Zäsur im Kampf gegen oder für die Gebühren. Bislang hat kein Bundesland sie eingeführt und wieder abgeschafft.
Schon die Vorgeschichte führte dazu, dass der politische Streit um die Gebühren auch zum Symbol wurde. In wohl keinem Bundesland war der Widerstand der Studenten so heftig und anhaltend wie in Hessen, bis die Gebühren in dem damals noch von der CDU allein regierten Bundesland 2006 beschlossen wurden.
Seit dem Wintersemester 2007 müssen Studenten an den hessischen Hochschulen 500 Euro pro Semester zahlen. An diesem Dienstag soll nun das "Gesetz zur Sicherstellung von Chancengleichheit an hessischen Hochschulen" in die zweite Lesung gehen. Wird keine dritte Lesung beantragt und passiert nichts Unvorhergesehenes, sind die Gebühren am Dienstagabend Geschichte. Sollte es doch eine dritte Lesung geben, wollen SPD, Grüne und Linke das Gesetz dann am Donnerstag im Landtag verabschieden.
Juristischer Streit und politische Debatte
Auch auf der rechtlichen Ebene gibt es seit langem Bedenken gegen die hessischen Gebühren: Nach Artikel 59 der Landesverfassung muss der Unterricht an den Hochschulen des Landes unentgeltlich sein. Gebühren können demnach nur verlangt werden, wenn die wirtschaftliche Lage des Hochschülers oder seiner Eltern dies erlaubt.
Die Landesanwältin beim hessischen Staatsgerichtshof hatte die Beiträge daher bereits im August 2007 in einer Stellungnahme als verfassungswidrig eingestuft. Sie erklärte dementsprechend eine von SPD und Grünen eingereichte Normenkontrollklage gegen das Gebührengesetz für "zulässig und begründet" - und beantragte, das Gesetz für nichtig zu erklären.
Der juristische Streit lief stets parallel zur politischen Debatte; in der nächsten Woche wird der Staatsgerichtshof darüber urteilen, ob die Gebühren verfassungswidrig sind. Auch deshalb ist es vor allem für SPD und Grüne wichtig, die Abschaffung jetzt zu beschließen - käme das Gericht ihnen zuvor und kippte die Gebühren, hätten sie es verpasst, ein wichtiges Signal zu setzen. Zwar zweifeln viele wegen der Besetzung des Staatsgerichtshofs, dass es so kommt - doch in der Verhandlung waren erhebliche Bedenken deutlich geworden.
Auf der nächsten Seite: Wie die Abschaffung der Gebühren gegenfinanziert werden soll.
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Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Ein Lehrling dagegen erhält von seinem ersten Lehr-Tag bereits ein Gehalt!!
In Bild der Wissenschaft wurde vor einigen Jahren ein anderer statistischer Wert angegeben: EIn Naturwissenschaftler (inkl. Techniker, Mathematiker, etc.) trägt ca. sieben Mal soviel zum Bruttosozialprodukt bei, wie der durchschnittliche Arbeitnehmer (Akademiker+Arbeiter). Das sollte doch Grund genug sein den künftigen Leistungsträgern (=fast alle Akademiker) nicht noch zusätzliche Steine in den Weg zu legen...
Und sollten doch einmal ein paar faule Säcke mitgeschleppt werden, dann können wir das doch wohl verkraften...
Erstmal möchte ich meinen Vorrednern ein Kompliment machen. Vor allem auf den ersten Seiten hat man selten so viele sinnvolle Kommentare zu einem Thema gelesen.
Mich erschreckt immer wieder, wie sehr unserer nicht-studierender Bevölkerungsteil über die Studenten herzieht. In meinem Studienfach (eine Naturwissenschaft) ist es normal, dass man ca. 70 Stunden in der Woche arbeiten muss (während des Semesters und auch in den Semesterferien). Wenn man Glück hat, dann sind es mal nur 60 Stunden. Wer dann noch, wie ich selbst, sein Studium selbst finanzieren muss, kann dies nur noch machen wenn er die Studienzeit verlängert. Statt den vorgesehenen 10 Semestern hat man dann schnell mal 14-16 Semester studiert. Ja, dann ist man Langzeitstudent, soll also zusätzlich noch irgendwelche Strafgebühren zahlen. Warum eigentlich. Man hat ja auch keinen Schaden verursacht oder irgendwelche Zusatzkosten verursacht, nur weil man 14 statt 10 Semestern studiert. Egal wie lange man studiert, man besucht jede Veranstaltung (Vorlesung, Seminar, Proseminar, Übung, etc.) genau 1 Mal. Wenn man diese erfolgreich absolviert hat, kann man sie ja nicht mal ein zweites mal besuchen!! Es ist also egal wie lange man studiert, das Studium kostet den Staat genau das Gleiche. Insofern ist also auch nicht klar, warum man für eine größere Streckung mehr Geld bezahlen soll. Aber genau das ist ja das Problem: Studiengebühren stehen in keinem Zusammenhang mit der Ausbildung für die sie erhoben wird.
Eine evtl. Zahlung der Studiengebühren nach Beendigung des Studiums wäre natürlich sinnvoll, passt aber schon allein deshalb nicht ins Konzept, weil eben kein Zusammenhang zwischen Ausbildung/Ausbildungsangebot/Ausbildungsqualität etc. besteht. Studienförderungen gibt es natürlich immer noch nicht.
Einen weiteren Punkt möchte ich noch anfügen:
Bekanntlich finanzieren ca. 10% der besserverdienenden Bevölkerung rund 50% der Steuern. Als ich vor ca. einem Monat eine Verdienststatistik in einer Münchner Tageszeitung gelesen habe, habe ich Erstaunliches festgestellt: Summiert man diese 10% der Besserverdienenden, dann beginnt diese Gruppe schon ab 3200 Euro Bruttogehalt. Genau das verdient ein schlechtbezahlter Akademiker am Anfang seiner Karriere. Bei diesen Zahlen muss man akzeptieren, dass der Akademiker das Geld was ihm angeblich durch ein kostenloses Studium geschenkt werden würde um ein vielfaches an Steuern wieder zurückzahlt - und das bereits am Anfang seiner Karriere. Ein Lehrling dagegen er
...Man sollte viel eher von einer "Studentensteuer" sprechen.
@Studiengebühren sind nichts schlechtes... das sehe ich ganz anders... Im Grunde hat sich seit den Studiengebühren nur wenig geändert... viele Studentengelder fliessen nicht in die Lehre der Studeten sondern in die einzelnen Fachbereiche...
Ausserdem ist die Mehrbelastung Studium und Job nicht möglich, für einen Studiengang an dem man sowieso Vollzeit arbeitet... Das ist zumindest meine Erfahrung... Also muss ich zusätzlich die 500 erarbeiten und hab aber weniger Zeit mich aufs Studieren zu konzentrieren... Für jemand der sich deswegen einen Kredit nehmen muss kann ich nur sagen ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich nicht studieren können... Deswegen kann ich nur den Kurs von Rot Grün begrüßen und hier bekunden dass ich aus diesem Grund bei der nächsten Wahl nicht mehr CSU wähle !
@angelusmuc
"Ich finde die 500 Euro gut, da sich an meiner Uni wirklich viel verbessert hat: mehr Kurse, bessere Tutorien, neue Buecher, etc."
Ich wusste gar nicht, dass mit Studiengebühren aus Deutschland jetzt schon Studienplätze im Ausland unterstützt werden...
Sollten Sie mittlerweile wieder in Deutschland angekommen sein, gratuliere ich zur Prinzipienfestigkeit.
"09.06.2007 21:17:30
angelusmuc:
Als Student möchte ich folgendes anführen:
1. Als ich mich bei der Münchner Elite-Uni TU beworben habe, für Biologie und Biotechnologie, wurde ich abgelehnt, da ich zu wenig interdisziplinär sein (wohl gemerkt hat zu diesem Zeitpunkt schon eine kaufmännische Ausbildung und mehrere Jahre Arbeit im elterlichen Betrieb hintermir). Der Fehler war wohl, dass ich nicht bei Jugendforscht mitgemacht habe.
[...]
3. Ich habe meinen Studienplatz bekommen, aber im Ausland und ich muss sagen ich sehe eigentlich keinen Grund in Deutschland wieder zu arbeiten, immerhin war ich für dieses Land zu schlecht mit meinem Abi, obwohl ich jetzt zu den besten meines Jahrganges gehöre."
Paging