Sie sind zu jung oder zu alt, zu motiviert oder zu unmotiviert: Warum Praktikanten so gut wie nie übernommen werden - und wie sie ihre Chancen erhöhen könnten.
Es ist Zeit für eine Beichte. Ich bin ein Ausbeuter. Ich habe unserem Praktikanten abends, nach 18 Uhr, nach Ende seiner 40-Plus-Stunden-Woche, zusätzliche Arbeit aufgedrückt, statt sie selbst zu erledigen.
(© Foto: iStockphoto.com)
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Ich war müde und überhaupt: Der Praktikant war selber schuld. "Kann ich noch was tun?", hat er gefragt. Ja, konnte er.
Das war mein erstes Mal. Aber es wird nicht mehr lange dauern, vielleicht noch fünf oder sechs weitere Praktikanten, und ich werde aufhören, mir jeden Namen zu merken.
Ich werde auch aufhören, mich an mein eigenes Praktikanten-Dasein zu erinnern. Dafür werde ich anfangen, den Praktikanten als das zu sehen, was er ist: eine billige Arbeitskraft, die viel gibt und wenig bekommt.
Nein, Praktikant zu sein ist im Regelfall kein Spaß. Vor allem ist es ein Zustand ohne Hoffnung. Wer tatsächlich übernommen werden will, muss die richtige Mischung aus Engagement und Unterhaltungswert einbringen - und dazu viel Glück haben.
Denn die Stammbelegschaft, die einen Praktikanten nach dem anderen kommen und gehen sieht, unterscheidet häufig nur noch nach Typen. Und alle, aber auch wirklich alle, machen es irgendwie falsch:
Der Übermotivierte trägt nicht nur am ersten Tag Schlips zum Anzug und ist somit auffallend besser gekleidet als der Rest im Raum. Er hat die unangenehme Aura von unbeschäftigten Motivationstrainern und benutzt mit Vorliebe veraltete Höflichkeitsformen ("Aber sehr gerne mache ich das. Prima").
Noch an seinem letzten Arbeitstag beginnt er sein nächstes Praktikum, zu dem er nur eben schnell noch 700 Kilometer Autobahn fahren muss. Auf der Fahrt fragt er sich, warum ihm nie wenigstens eine freie Mitarbeit angeboten wird.
Der Unmotivierte kennt bereits am zweiten Praktikumstag bessere Clubs, Restaurants und Schuhgeschäfte als langjährige Mitarbeiter, die in dieser Stadt geboren wurden. Er hat Humor, immer Zeit für eine Zigarette und er ist außer Harry Potter und dem Nibelungen-Held Siegfried der einzige Mensch der Welt mit einer Tarnkappe. Zumindest ist er zwischen 9 und 12 Uhr, sowie 14 und 18 Uhr unsichtbar. Aber bei einem Stundenlohn von zwei Euro fünfzig (bei 400 Euro Lohn für eine 40 Stundenwoche) kann man ihm dafür wirklich keinen Vorwurf machen.
Der lustige Ausländer kommt aus Österreich oder der Schweiz. Er kann also perfekt Deutsch, benutzt aber komische Ausdrucksformen ("dös is leiwand"). Man fragt sich, warum er in Deutschland sitzt, statt bei sich daheim, in einem Land mit halb so hoher Arbeitslosigkeit und Bergen auf denen tatsächlich noch Schnee liegt.
Der lustige Ausländer muss nie alleine Essen gehen und wenn er zum Abschied eine Mozartkugel-Torte mitbringt, sind tatsächlich alle traurig, dass er gehen muss. Er hingegen ist ganz froh, weil er heim darf, wo Schnee liegt und er nicht den ganzen Tag Österreicher-Witze hören muss.
Der unverständliche Ausländer kommt aus Italien, Estland oder Weißrussland. Alle sind ganz begeistert, dass er so gut Deutsch spricht, dabei versteht man nur jedes dritte Wort. Sein Praktikum verdankt er einer Hilfsorganisation oder Austauschprogrammen, die nicht auf gute Sprachkenntnisse bestehen.
Wenn er oder sie nach drei Monaten geht, sagen alle: "Du musst uns unbedingt schreiben". Aber seine juri.ustikuova@unibratislava.sl-E-Mail kommt leider nicht am Spamfilter vorbei.
Der Konkurrent versteht schnell und macht kaum Fehler. Er hat gute Ideen, aus denen dann auch tatsächlich etwas wird. Er hat die besseren Pointen und sieht gut aus. Schade, dass man vergessen hat ihm zu sagen, dass gerade eine Stelle frei ist.
Der schon etwas zu alte Praktikant trägt Anzug ohne dabei overdressed zu wirken. Er fährt einen Kleinwagen mit Kindersitz. Er erhöht das Arbeitstempo der Stammbesatzung enorm. An seinem letzten Tag meldet sich der Chef überraschend krank.
Der noch etwas zu junge Praktikant macht ein Schnupperpraktikum, das ihm die Schule oder der Nachbar des Chefs verschafft hat. Er bekommt einen eigenen Computer ohne Netzwerkanschluss und darf um 14 Uhr "jetzt dann wirklich mal nach Hause gehen". Am letzten Arbeitstag besiegt er einen Computervirus und bekommt ein sehr gutes Zeugnis.
Der Schüchterne läuft bei jeder Wortmeldung rot im Gesicht an und muss auch noch nach vier Wochen erzählen, wie er heißt, woher er kommt, in welchem Büro er sitzt. Doch dann, eines Tages, taut er auf, die Angst fällt von ihm ab, er betritt selbstbewusst das Konferenzzimmer und sagt: "Hallo, ich habe zum Abschied einen Kuchen gebacken. Will jemand ein Stück?"
Ist also wirklich jedes Praktikum vertane Liebesmüh? Gibt es überhaupt keine Aussicht, irgendwie irgendwo mal hängen zu bleiben?
Doch: Es gibt ein paar Regeln, die die Chancen derjenigen, die sich strikt daran halten, erheblich verbessern. Zehn in der Praxis bewährte Tipps für perfekte Praktikanten:
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Gewalt in Syrien
In der Praktikanten-Typologie des Artikels sowie bei den 10 Regeln scheint es, als gebe es nur männliche Praktikanten. Weibliche können es wohl gleich so vergessen, dass man sie gar nicht erst zu erwähnen braucht. Welche Chance hat man schon als Praktikantin in der Firmen-Fußball-Mannschaft mitzuspielen, um dann im Fahrstuhl eine passende Bemerkung fallen zu lassen, oder gar die unnötige Scheu gegenüber dem Chef unter der Dusche? ;-) Wie wirkt man, wenn man als Praktikantin auf der Firmenfeier Bier trinkt, keines zu viel aber eben auch keines zu wenigl? Oder auch die Kleidung: Zieht man sich leger-normal an mit Jeans und so, fällt das bei Praktikantinnen oft schneller negativ auf, während es bei männlichen Praktikanten eher als normal angesehen wird. Dafür wirkt dann das weibliche äquivalent zu "Anzug und Schlips" auf manche als "aufgetakelt" . Ich würde mich über eine Ergänzung oder Fortsetzung des Artikels freuen.
...doch, doch, der Artikel ist schon recht originell. Weniger originell die Versuche einiger Kommentatoren, sich zwecks Eigenprofilierung daran hochzuziehen. Schlechter Stil sowas, vor allem, wenn´s dann auch noch biestig-persönlich wird.
Ja, manche Tipps muten schon etwas seltsam an:
Man darf also Abends ein Bier trinken gehen. Dann bin ich ja beruhigt. Werde nämlich bald selbst zur Generation Prekär gehören.
Aber nur an öffentlichen Plätzen und in Lokalen? Verstehe ich nicht ganz. Zuhause ist es wohl verboten? Was wollte der Autor damit sagen?
Zu Punkt 4 gibt es noch hinzuzufügen: Schieß den Chef nicht über den Haufen und foule deine Kollegen nicht so, dass einer ins Krankenhaus muss, es sei denn du bist scharf auf seinen Job...
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Hallo Herr Baumann,
selten habe ich beim Lesen der Süddeutschen so gelacht!
Gruß,
winterschlaefer
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