Ist Hausfrau überhaupt ein Beruf? Und wenn ja: Warum verdienen sie dann nichts?
Im Begriff Hausarbeit steckt das Wort "Arbeit" schon drin, und doch sagen Mütter im Erziehungsurlaub häufig: "Ich arbeite gerade nicht". Dabei tun sie als Hausfrauen nichts anderes. Sie haben wohl nur selbst verinnerlicht, dass die Familienarbeit anders wahrgenommen wird als etwa ein Job im Büro. Warum eigentlich?
Mütter, die ganztags zu Hause sind, kommen täglich auf mehr als sieben Stunden im Haushalt - das hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. (© Foto: photodisc)
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Vielleicht liegt es ja auch daran, dass die Aufstiegsmöglichkeiten fehlen. "Wann macht eine Familienfrau Karriere? Ab fünf Kindern?", fragt Helga Vetter vom Verband der Familienfrauen und -männer (dhg). Sie glaubt, dass sich das Ansehen der Familienarbeit verbessert hat. "Der Beruf hat nicht mehr diese negative Image wie vor zwanzig Jahren", sagt Vetter.
Aber Vorurteile über "Hausfrauen" gibt es noch genug. Antworten auf vier Klischees
Hausfrau ist gar kein Beruf "Ergebnis der Suche nach Hausfrau: 0". Fast 6000 Jobbeschreibungen stehen beim Berufenet der Bundesagentur für Arbeit im Netz. Die Hausfrau ist nicht dabei. Dabei hat das Bundessozialgericht schon 1970 die Tätigkeit der Hausfrau und Mutter zu den hauswirtschaftlichen Berufen gezählt, wie der dhg betont. Der Verband spricht lieber von Familien- als Hausarbeit, um den Aspekt der Erziehung, Betreuung und Pflege von Angehörigen zu betonen.
Hausfrauen verdienen nichts Wie das Statistische Bundesamt in der jüngsten Zeitbudgetstudie berechnet hat, erbringen die Deutschen pro Jahr unbezahlte Arbeit für Haushalt und Familie in Höhe von 684 Milliarden Euro. Die Statistiker sind dabei von einem Nettostundenlohn von sieben Euro für Hauswirtschafterinnen ausgegangen. Das Ergebnis spiegelt laut der Studie jedoch eher "eine Untergrenze des Wertes der Arbeit" wider: "Würden die Haushalte tatsächlich eine Person einstellen, so fielen mit Sozialversicherungsbeiträgen, Steuern und bezahlten Urlaubs- und Krankheitstagen mehr als doppelt so hohe Lohnkosten an."
Der Verband der Familienfrauen- und männer fordert schon lange, dass Familienarbeit entlohnt wird. Als monatliches Gehalt schlägt er 1600 bis 1800 Euro monatlich vor. "Das muss der Staat, die Gesellschaft aufbringen", sagt Helga Vetter vom dhg. "Diejenigen, die den Nutzen von der Erziehungsarbeit haben, das sind zur Zeit nicht die Eltern."
Momentan gibt's vom Staat für frisch gebackene Väter oder Mütter, die für die Kindererziehung zu Hause bleiben, Erziehungsgeld von maximal 300 Euro monatlich für einen Zeitraum von längstens zwei Jahren (bzw. 450 Euro, wenn nur ein Jahr beantragt wird). Obwohl das Erziehungsgeld einkommensabhängig gewährt wird, erhalten nach Angaben des Bundesfamilienministeriums rund 93 Prozent der Eltern in den ersten Lebensmonaten des Kindes die Unterstützung.
Hausfrauen haben viel Zeit Mit der Zeitbudgetstudie des Statistischen Bundesamts haben es die Deutschen schwarz auf weiß: Sie leisten mehr unbezahlte als bezahlte Arbeit. Auf den Durchschnittsbürger umgerechnet stehen pro Woche 25 Stunden unbezahlter 17 Stunden bezahlter Arbeit gegenüber.
Die Statistiker haben sich auch die Arbeitsaufteilung in Familien genauer angeschaut: Mütter, die ganztags zu Hause sind, kommen täglich auf mehr als sieben Stunden im Haushalt.
Während beim Durchschnitts-Deutschen die meiste Zeit für Haus, Garten und Einkaufen drauf geht, beansprucht bei Paaren mit Kindern unter sechs Jahren die Kinderbetreuung mehr als ein Drittel der gesamten unbezahlten Arbeit. In Wirklichkeit liegt der Zeitaufwand aber höher, weil hier etwa das Einkaufen mit den Kindern und andere parallele Tätigkeiten nicht berücksichtig sind. "Doch die ganze Belastung zeigt sich erst, wenn darüber hinaus der Bereitschaftsdienst - 'die Verfügbarkeit rund um die Uhr' - mitbedacht wird", schreiben die Statistiker.
Der Verband der Familienfrauen und -männer geht davon aus, das eine Mutter mit zwei oder drei kleinen Kindern eine 72-Stunden-Woche hat.
Hausfrauen sterben aus An der traditionellen Aufteilung, wonach der Vater verdient und die Mutter beruflich zurücksteckt, hat sich kaum etwas geändert. Für Männer scheint die Familienarbeit noch immer keine Alternative zum Beruf zu sein. Weniger als zwei Prozent der Väter nimmt Erziehungsurlaub. Dagegen geben viele Frauen ihren Beruf vorübergehend auf, wenn Kinder kommen.
Der Anteil der erwerbstätigen Mütter ist in den vergangenen Jahren zwar gestiegen und liegt nun bei 61 Prozent. Zugenommen hat aber vor allem die Teilzeittätigkeit. "Offensichtlich dient die zunehmend auf Teilzeit ausgerichtete Frauenerwerbstätigkeit im Hinblick auf den Lebensunterhalt immer häufiger nur dazu, das Familieneinkommen aufzubessern", schreibt das Statistische Bundesamt im Mikrozensus 2003. "Dafür spricht, dass der Anteil der vorwiegend auf den Unterhalt durch Angehörige (z.B. Ehepartner) angewiesenen erwerbstätigen Frauen im Zeitraum 1991 bis 2003 von sieben auf elf Prozent gestiegen ist."
Die Hausfrau lebt also weiter, nur hat sie heute oft noch einen Teilzeitjob zusätzlich zu ihrer Arbeit zu Hause.
(sueddeutsche.de)
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