Von Birgit Taffertshofer

Bayern ist die letzte große Bastion der Hauptschule. Das Land hat seine Spitzenergebnisse, so haben die Pisa-Forscher ermittelt, vor allem den Hauptschülern zu verdanken.

Die kleine Hauptschule in Üchtelhausen ist eine Schule, wie sie sich wohl viele Eltern für ihr Kind wünschen würden. Die Schüler lernen in frisch renovierten Klassenzimmern, entdecken in Arbeitsgruppen ihre Talente und sammeln schon während der Schulzeit erste Erfahrungen in den Handwerksbetrieben rund um das Dorf im bayerischen Unterfranken. Die meisten Schulabgänger finden hier noch eine Lehrstelle. Freiwillig an der Hauptschule bleiben will trotzdem keiner mehr. "Sie ist für die Schüler zum Makel geworden", sagt Karin Speidel, Schulleiterin in Üchtelhausen. Sie musste bereits Konsequenzen aus dieser Entwicklung ziehen. In diesem Schuljahr konnte sie keine siebte Klasse mehr einrichten - zu wenige Anmeldungen.

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Bayern ist die letzte große Bastion der Hauptschule. Das Land hat seine Spitzenergebnisse, so haben die Pisa-Forscher ermittelt, vor allem den Hauptschülern zu verdanken. Oft konnten sie sogar mit den Leistungen der Gesamt- oder Realschüler in anderen Ländern mithalten. Doch auch der bayerischen Hauptschule gehen langsam die Schüler aus. Während vor fünf Jahren noch 44 Prozent der Kinder nach der vierten Klasse diese Schulform wählten, sind es heute 35 Prozent. Und nicht selten bleiben sie nur für kurze Zeit: Die einen schaffen nach der fünften Klasse doch noch den Sprung auf die Realschule oder das Gymnasium, die anderen wechseln später in die sogenannte Wirtschaftsschule, wo sie die Mittlere Reife erlangen können.

400 der 1000 Hauptschulen in Bayern gefährdet

Die bayerischen Hauptschulen sind je nach Region sehr unterschiedlich. Doch mehr oder weniger leiden sie alle unter demselben Trend: Die Zahl der Schüler sinkt, weil weniger Kinder geboren werden. Gleichzeitig wenden sich immer mehr Eltern von der Schulform ab. Sie haben den Glauben verloren, dass sie ihren Kindern eine sichere Zukunft bietet. Die Opposition im Landtag geht derzeit davon aus, dass 400 der 1000 Hauptschulen in Bayern gefährdet sind. Bürgermeister schicken bereits Petitionen nach München: Vom Erhalt der Schule hänge das Schicksal der Gemeinde ab.

Die CSU-Regierung will von einem Niedergang der Hauptschule aber nichts wissen, schon gar nicht jetzt, da im September die Landtagswahlen anstehen. Eine Fusion von Haupt- und Realschulen, wie sie die Opposition fordert, lehnt die CSU kategorisch ab.

Kein Erfolg der Rettungsaktionen

Sie will stattdessen das Image der Hauptschulen durch eine Reform wieder aufbessern. Bis 2012 sollen an mehr als der Hälfte von ihnen Ganztagsangebote entstehen. Die Schüler sollen künftig auch stärker individuell gefördert werden.

Karin Speidel glaubt nicht mehr an den Erfolg solcher Rettungsaktionen. Spätestens wenn sich der Geburtenrückgang an den Realschulen und Gymnasien bemerkbar mache, stünde die Hauptschule vor dem Aus, prophezeit sie. "Die nehmen uns schlichtweg die Kinder weg, um ihre eigenen Klassen zu füllen." Wenn sie in drei Jahren in Pension gehe, werde sie ihre eigene Hauptschule wohl ganz zusperren müssen.

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(SZ vom 7.7.2008/bön)