Handschrift Eine Sauklaue schadet dem Ansehen

Für viele Menschen gehört zum repäsentativen Amt auch eine ansehnliche Handschrift. Die kostet jedoch viel Übung - und in professionellen Coachings auch eine Menge Geld.

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Schönschreiben in der Schule war ihnen nicht so wichtig: Immer mehr Manager suchen Hilfe bei Handschrifttrainern.

Von Martin Scheele

Alexander Müller arbeitet für einen Computerkonzern in Frankfurt - und schreibt am liebsten mit der Hand. Für Hewlett Packard vertreibt der 48-Jährige Produkte in Deutschland. Nahezu jeden Tag umgarnt er Kunden, immer korrekt gekleidet: schwarze Schuhe, Anzug, Hemd, Krawatte. Das Benehmen: tadellos. Aber dann diese Handschrift! Wie ein Erstklässler auf Speed. "Meine Handschrift passte nicht zu meinem Äußeren", sagt Müller freimütig. "Ich habe mich oft dafür geschämt."

So ähnlich empfand das auch Thomas Buchhammer. Der 28-Jährige ist geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Firma. Das Unternehmen exportiert und importiert Baumaschinen, von Lübeck in die ganze Welt. "Mein Vater hat eine sehr imposante Unterschrift", sagt Buchhammer. "Wenn ich wichtige Dokumente wie etwa Verträge unterzeichne, soll das nicht gekrickelt aussehen."

Tastatur schlägt Stift - oder umgekehrt?

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Hier der Großkonzern-Angestellte, dort der Familienunternehmer. Hier die Softwarebranche, dort der Maschinenbau. Hier der Großstädter, dort der Kleinstädter. Doch Müller und Buchhammer bedrückte dieselbe Frage: Gehört zur idealen Außendarstellung nicht auch eine gute Handschrift? Oder ist das in Zeiten von E-Mail-Korrespondenz und Videokonferenzen ein antiquierter Wunsch?

Kaum einer kennt heute noch die Handschrift seines Vorgesetzten oder seiner Kollegen. Die längsten Sätze, die der durchschnittliche Büroarbeiter schreibt, passen auf Post-it-Zettel. Trotzdem gibt es Handschriften-Trainer wie die Hamburgerin Susanne Dorendorff, die von regem Zulauf berichten. Dorendorff sagt: "Viele Führungskräfte schreiben auf dem Niveau von Drittklässlern." Doch eine kindliche Handschrift sei im Beruf ein hochsensibles Thema. Dorendorff weiß von Fällen zu berichten, in denen die Ehefrau zu Weihnachten dem Gemahl einen Füller schenkte - mit dem unausgesprochen Wunsch, doch an der Handschrift zu feilen.

Zu Dorendorff kommen nicht nur Geschäftsleute, sie übt auch mit Kindern, die sich mit dem Schreiben schwertun. Nach einer Umfrage des Deutschen Lehrerverbands von 2015 attestieren 83 Prozent der Grundschullehrer ihren Schülern Probleme mit der Handschrift. Den Kindern fehle es an Ausdauer, ihre Hand verkrampfe sich, sie hielten den Stift falsch. Handschriften-Coach Dorendorff kennt das aus ihrer Praxis. So mancher Klient habe sogar bereits eine Schreibphobie entwickelt.

Die Gräben zwischen den Praktiken von Dorendorff und Co. und den Schulbehörden vieler Länder werden tiefer. Die meisten US-Staaten haben die verbundene Schrift längst abgeschafft. In Finnland wird die Schreibschrift seit vergangenem Herbst gar nicht mehr unterrichtet. Dafür üben sie neben der Blockschrift gleich auch das Schreiben auf der Tastatur.