Nun klingt das so, als ob nur die Geisteswissenschaften Probleme mit den Methoden der Bibliometrie hätten. Kürzlich aber erstellte die International Mathematic Union eine geharnischte Studie zum Sinn und Unsinn bibliometrischer Erfassung, in der die Verwendung von Einzelzahlen für Urteile über Forschungsqualität als "atemberaubend naiv" bezeichnet wird. Und auch bei den Münchner Informatikern, die man ja eher zu den beinharten quantitativen Wissenschaftlern gezählt hätte, rauft man sich die Haare: Martin Wirsing, Senatsmitglied an der LMU, sagt, die Bibliometrie greife "schlichtweg nicht" in seinem Fach, weil das Entscheidende für die Informatiker nicht die Publikation in Journalen sei, sondern die Erlaubnis, auf großen Konferenzen vorzutragen.
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Verschleierter Steuerung der Hochschulpolitik
Wenn dem aber so ist, geht es dann in Wahrheit um Kontrolle, um hochschulpolitische Steuerung, die durch scheinbar objektive Evaluation verschleiert wird? Da sei was dran, sagt Winterhager, "die Politiker wollen mit solchen Indikatoren steuern. Unsere Evaluationen müssen oft dafür herhalten, politische Entscheidungen zu legitimieren." Er verstehe die diesbezügliche Wut vieler Professoren, vor allem aber wundere er sich über "die Accounting-Mentalität der Controllingabteilungen an den Universitäten selber": Wenn er den Auftrag bekomme, die Forschungsleistungen einer Universität zu messen, plädiere er immer dafür, einen möglichst großen Zeitraum zu durchleuchten. Unter zwei Jahren sei alles Kaffeesatzleserei, eigentlich müsse man immer die Publikationen aus mindestens fünf Jahren überschauen. Irritierenderweise machten ihm aber in solchen Momenten die Universitäten selbst oft Druck. "Die Planer in den Universitäten antworten dann, mich interessiert nicht, was vor fünf Jahren war, ich muss dem Exzellenzgremium bis zum Frühjahr aktuelle Zahlen liefern."
Die Verwaltung der LMU wolltesich nach Wochen des Schweigens kurz vor Erscheinen dieses Artikels dann doch noch dringend äußern: Christoph Mülke von der Stabsstelle Strategie und Controlling erklärt, man sei sich der Schwächen der bibliometrischen Methode vollauf bewusst, weshalb man die Ergebnisse "auf keinen Fall für Ressourcenentscheidungen benützen kann". Vielmehr werde man nur intern die Ergebnisse diskutieren und "mit den Fakultäten überlegen, wie man die Leistungen angemessen darstellen könnte."
Aber wozu dann das alles? Warum müssen alle Lehrstuhlmitarbeiter Tage damit zubringen, die Bielefelder Listen zu ergänzen und zu korrigieren, wenn sogar die Verwaltung weiß, dass all die Ergebnisse nur äußerst bedingt aussagekräftig sind? Mülke zuckt die Achseln: Zu einer ordentlichen Exzellenz-Bewerbung gehöre inzwischen nun mal als "Selbstdarstellungsinstrument eine Publikationsanalyse."
Reformen brechen herein wie Naturkatastrophen
Schon seltsam, am Ende hat man den Eindruck, ob Bologna, Exzellenzinitiative oder Bachelor/Master - die ganzen Reformen kommen über die Universitäten wie Naturkatastrophen, ausnahmslos alle finden es schrecklich oder absurd, keiner kann was dafür. Winterhager antwortet auf die Frage, ob sich denn irgendeine Universität dem Evaluationszirkus verweigere, davon habe er bisher noch nichts gehört.
Merkwürdigerweise sagten Matthias Winterhager und Martin Hose beim Abschied exakt denselben Satz: "Die bibliometrische Erfassung ist ein gefährliches Instrument." Winterhager fügte hinzu: "Damit kann man Institutionen zerstören." Hose war heiterer: "Ich habe den Eindruck in einer Satire zu leben."- "Hatten Sie den immer schon?" - "Die Indizien haben sich in letzter Zeit stark vermehrt."
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(SZ vom 29.01.2009/tess)
65. Filmfestspiele Cannes
... in Anlehneung an Bush's "missunderestimated":
Die Leistung der Wissenschaft sollte auch beurteilt werden nach dem tatsaechlichen
und nicht nur schriftlichen Beitrag bei der Loesung von Problemen, die die Menschheit-
betriffen! Beispiel:
Wenn die chemischen Institute der TU Muenchen in Garching mit Industriezuschuessen
gebaut wurden unter dem Deal, dass die dortigen TU-Doktoranden industrieverwertbare
Katalysatoren bzw. allgemein fuer die Industrie nuetzliche Produkte entwickeln, dann
sollten wissenschaftliche Leistungen erbracht werden zunaechst auf Gebieten, die
von Vorang sind, also z.B. Entwicklung von Verfahren, mit denen CO2, eines der
laestigsten Probleme unserer Zeit, in welcher Form auch immer als Problemstoff
aus der Energiewelt verschwindet.
Das Argument der ausschlieslich freien Forschung finde ich zu kurz gedacht, da ich
glaube, dass man nachdenken sollte, ob und wann man sich die Einstellung: "wir forschen,
weil man nie weiss was herauskommt" ueberhaupt leisten kann.
Schon als Kind und Jugendlicher merkte ich - und merkt wohl jedes Kind in jeder Zeit - dass in der Welt einiges falsch läuft, dass meine Umwelt in manchen Dingen verlogen ist und manches falsch organisiert ist. In den Schulen sowieso, und anzunehmen war: wohl auch auf den Unis. Überall wird gelogen und getrickst.
Heute haben "Controller" und "Profiler", haben McKinsey und Konsorten das Sagen, und was sie sagen und vorschlagen ist oft genau so schlimm, öfter einfach nur falsch oder gar dumm: sie produzieren mehr Arbeitslose, mehr Automaten die nicht richtig funktionieren, mehr Bürokratie, mehr Überwachung bei mehr Unsicherheit (zB wegen der nun "abgebauten" menschliche, quasi "natürlichen" Kontrolle bei Bahn und U- und S-Bahn). Aber zumindest sie, die Erbsenzähler, die Controller-, Profiler- und McKInseys, sie verdienen gut daran und wohl nur deshalb gibt es sie. Sie gehören mit in die Clique der hochbezahlten Nieten-in-Nadelstreifen und Heuschrecken.
Professoren müssen wohl mit dem im Artikel beschriebenen Quatsch in ihrem Milieu leben, oder dagegen kämpfen. Menschen in anderen Berufen haben auch ihre (und oft viel viel schwerere) Probleme.
Ein Beispiel für solchen Wissenstransfer ist die Schrottwelle. Schrotts Thesen waren die Weiterentwicklung einer Hausarbeit, die an der Universität des Saarlandes eingereicht wurde. Der Student hat dafür vom Dekan Hausverbot bekommen, damit er seine wissenschaftliche Arbeit nicht weiter ausarbeiten konnte. Ein anderes Beispiel ist die zur Zeit ablaufende kosmologische Revolution, die auf der Erforschung der schwarzen Materie beruht. Die Veröffentlichungen des Entdeckers, die auf theoretischen Überlegungen beruhen, werden abgelehnt und dafür treten viele kleine Gruppen von Wissenschaftlern vorwiegend aus dem angelsächsischen Raum an seine Stelle, die die theoretischen Überlegungen mit ihren Teleskopen überprüfen und dann als angeblich eigene Entdeckungen veröffentlichen.
Man kann sogar sagen, der in Deutschland immer weiter ausgebaute Überwachungsstaat dient vor allem der Wirtschafts und Wissenschaftsspionage. Diesen Makel soll der Titel Exzellenz überstrahlen. Daher der staatstragende Titel.
Exzellenz ist ein Titel, der von der Staatsmacht verliehen wird wie ein feudaler Titel. Er kommt auch aus dem Mittelalter. Langobarden und Franken haben ihn eingeführt und bis zum 14. Jhd. war es ein Titel der deutschen Kaiser. Der Titel hat sich bis heute bei hohen Staatsbeamten und Kirchenleute gehalten. Er kommt aus dem lateinischen, bedeutet ausgezeichnet, und wird von excellens abgeleitet. Die Silbe ex bedeutet außerhalb und deswegen tragen ihn auch die Botschafter ausländischer Staaten. Aus hat im Deutschen die Doppelbedeutung einer Richtungsangabe und der Bezeichnung eines Endes.
Es stellt sich nun die Frage: Wie kommt der Staat dazu, solche staatstragende Titel an Universitäten zu verleihen.
Es gibt eine Reihe von Universitäten in Norddeutschland, die haben eine Kooperationsstelle für Wirtschaft und Arbeitswelt errichtet. Aufgabe dieser Kooperationsstelle ist die Optimierung des Wissenstransfers, und zwar nicht nur von der Universität zur Wirtschaft, sondern auch umgekehrt von der Wirtschaft zur Universität. Zu diesem Zweck haben diese Kooperationsstellen Netzwerke errichtet, die bis in die Redaktionen der wissenschaftlichen Zeitungen reichen. Diese Netzwerke saugen Wissen von außerhalb auf und leiten es an Mitglieder der Netzwerke weiter. Diese werten das Wissen aus und integrieren es in den wissenschaftlichen Diskurs als eigene wissenschaftliche Leistung. Umgekehrt werden die Veröffentlichungen der eigentlichen Urheber der wissenschaftlichen Leistung abgelehnt, damit dieser Wissenstransfer nicht auffällt. Für diese ist es dann das Aus. Dies geschieht vor den Augen und mit Wissen der zuständigen Ministerien. Wenn man dieses Phänomen statistisch untersuchen würde, kann es sehr gut sein, dass ein Großteil der begünstigten Wissenschaftler aus Beamtenfamilien stammen.
Ein Beispiel für solchen Wissenstransfer ist die Schrottwelle. Schrotts Thesen waren die Weiterentwicklung einer Hausarbeit, die an der Universität des Saarlandes eingereicht wurde. Der Student hat dafür vom Dekan Hausverbot bekommen, damit er seine wissenschaftliche Arbeit nicht weiter ausarbeiten konnte. Ein anderes Beispiel ist die zur Zeit ablaufende kosmologische Revolution, die auf der Erforschung der schwarzen Materie beruht. Die Veröffentlichungen des Entdeckers, die auf theoretischen Überlegungen beruhen, werden abgelehnt und dafür treten viele kleine Gruppen von Wissenschaftlern vorwiegend aus dem angelsächsischen Raum an seine Stelle, die die theoretischen Überlegungen mit ihren Teleskopen überprüfen und dann als angeblich eigene Entdeckungen veröffentlichen.
Man kann sogar sagen, der in Deutschland immer weiter ausgebaute Überwachungsstaat dient vor allem der Wirtschafts und Wissenschaftsspionage. Diesen Makel soll der Titel Exzellenz überstrahlen. Daher der staatstragende Titel.
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