Lässt sich die Qualität eines Wissenschaftlers an der Zahl seiner Publikationen messen? Controller berechnen Renommee anhand von Zitaten und Fußnoten - und fördern oder zerstören so Karrieren.
Bielefeld im Winter: Fahles Zwielicht, die Häuser ducken sich unterm Rezessionswetter weg, am Horizont die graue Universität, ein Betonriegel, der von seligen Gründerzeiten zu träumen scheint. Anfang der siebziger Jahre ging der damalige NRW-Wissenschaftsminister Johannes Rau mit der Gießkanne durchs Land, "das kann man sich kaum noch vorstellen, da entstanden alleine in Nordrhein-Westfalen acht Hochschulen. Jetzt verschwinden sie wieder. Deshalb braucht man uns."
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Schöne neue Hochschulwelt: Die wichtigste Zauberformel ist die von der leistungsorientierten Mittelverteilung. (© Foto: dpa)
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Matthias Winterhager sitzt in seinem Büro im Seitenflügel U dieser Universität. Er arbeitet am "Institut für Wissenschaft- und Technikforschung" als IT-Beauftragter und beschäftigt sich hauptsächlich mit bibliometrischer Erfassung. Bibliometrische Erfassung ist ein Begriff aus der schönen neuen Hochschulwelt, deren Hauptstadt Bologna ist und in der viel von Innovationspotentialen, Exzellenzclustern und Drittmittelstatistiken die Rede ist und kaum noch von Bildung und Wissen. Die wichtigste Zauberformel in dieser Welt ist die von der leistungsorientierten Mittelverteilung.
Vermeintliche Objektivität
Wie aber beweist man akademische Leistung? Am besten mit Zahlen und deren vermeintlicher Objektivität. Weshalb mittlerweile jede Universität in ihrer Exzellenzbewerbung eine Publikationsliste nebst bibliometrisch erfasstem Zitationsindex anhängt. Auch die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität hat sich im vergangenen Jahr von dem renommierten Bielefelder Institut bibliometrisch erfassen lassen.
Die bibliometrische Erfassung geht davon aus, dass man die Leistungen eines Forschers bemessen kann, indem man die Anzahl seiner Publikationen zählt; das wäre erst mal die reine Quantität. Die Qualität der Publikationen soll dann analysiert werden, indem man zählt, wie oft die Artikel eines Wissenschaftlers in den zwei Jahren nach der Veröffentlichung zitiert werden. Außerdem schaut man auf den Impact Factor der Zeitschrift, der sich daraus errechnet, wie oft insgesamt aus dem Journal zitiert wird. Den höchsten Impact Factor haben weltweit Nature und Science.
Schutzzaun der Geisteswissenschaften
Matthias Winterhager hat nichts von einem glatten Zahlenmenschen, er ist nachdenklich, formuliert skrupulöse Sätze und betont, dass "bibliometrische Angaben keine qualitative Beurteilung ersetzen können". Er sagt, dass man mit diesem Instrument zwar die Naturwissenschaften durchleuchten könne - in der Medizin ist die Bibliometrie seit den Siebzigern gang und gäbe - , dass die Leistungen der Geisteswissenschaftler aber damit kaum zu greifen sind. Warum wurden dann aber im vergangenen Jahr alle Fakultäten der LMU bibliometrisch erfasst? Deren Controllingabteilung weigert sich wochenlang, Auskunft zu geben, man stecke gerade "mitten in der Durchführungsphase unseres diesbezüglichen Projekts" und könne deshalb nichts dazu sagen.
Winterhager meint, es gebe da "sicher Naturwissenschaftler mit Einfluss in der Hierarchie, die sagen: Wir sehen die Schwierigkeiten, aber wir probieren es trotzdem, damit die Geisteswissenschaften sich nicht auf ewig hinter einem Schutzzaun verbergen können." Also haben sie es "vorsichtig versucht", wie Winterhager das ausdrückt, und eine "ordentliche Bestandsaufnahme des Publikationsoutputs erstellt". Winterhager betont, sie hätten sich bemüht, alles aufzunehmen, was eine ISBN-Nummer hat, einschließlich Büchern und Beiträgen in Sammelbänden.
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... in Anlehneung an Bush's "missunderestimated":
Die Leistung der Wissenschaft sollte auch beurteilt werden nach dem tatsaechlichen
und nicht nur schriftlichen Beitrag bei der Loesung von Problemen, die die Menschheit-
betriffen! Beispiel:
Wenn die chemischen Institute der TU Muenchen in Garching mit Industriezuschuessen
gebaut wurden unter dem Deal, dass die dortigen TU-Doktoranden industrieverwertbare
Katalysatoren bzw. allgemein fuer die Industrie nuetzliche Produkte entwickeln, dann
sollten wissenschaftliche Leistungen erbracht werden zunaechst auf Gebieten, die
von Vorang sind, also z.B. Entwicklung von Verfahren, mit denen CO2, eines der
laestigsten Probleme unserer Zeit, in welcher Form auch immer als Problemstoff
aus der Energiewelt verschwindet.
Das Argument der ausschlieslich freien Forschung finde ich zu kurz gedacht, da ich
glaube, dass man nachdenken sollte, ob und wann man sich die Einstellung: "wir forschen,
weil man nie weiss was herauskommt" ueberhaupt leisten kann.
Schon als Kind und Jugendlicher merkte ich - und merkt wohl jedes Kind in jeder Zeit - dass in der Welt einiges falsch läuft, dass meine Umwelt in manchen Dingen verlogen ist und manches falsch organisiert ist. In den Schulen sowieso, und anzunehmen war: wohl auch auf den Unis. Überall wird gelogen und getrickst.
Heute haben "Controller" und "Profiler", haben McKinsey und Konsorten das Sagen, und was sie sagen und vorschlagen ist oft genau so schlimm, öfter einfach nur falsch oder gar dumm: sie produzieren mehr Arbeitslose, mehr Automaten die nicht richtig funktionieren, mehr Bürokratie, mehr Überwachung bei mehr Unsicherheit (zB wegen der nun "abgebauten" menschliche, quasi "natürlichen" Kontrolle bei Bahn und U- und S-Bahn). Aber zumindest sie, die Erbsenzähler, die Controller-, Profiler- und McKInseys, sie verdienen gut daran und wohl nur deshalb gibt es sie. Sie gehören mit in die Clique der hochbezahlten Nieten-in-Nadelstreifen und Heuschrecken.
Professoren müssen wohl mit dem im Artikel beschriebenen Quatsch in ihrem Milieu leben, oder dagegen kämpfen. Menschen in anderen Berufen haben auch ihre (und oft viel viel schwerere) Probleme.
Ein Beispiel für solchen Wissenstransfer ist die Schrottwelle. Schrotts Thesen waren die Weiterentwicklung einer Hausarbeit, die an der Universität des Saarlandes eingereicht wurde. Der Student hat dafür vom Dekan Hausverbot bekommen, damit er seine wissenschaftliche Arbeit nicht weiter ausarbeiten konnte. Ein anderes Beispiel ist die zur Zeit ablaufende kosmologische Revolution, die auf der Erforschung der schwarzen Materie beruht. Die Veröffentlichungen des Entdeckers, die auf theoretischen Überlegungen beruhen, werden abgelehnt und dafür treten viele kleine Gruppen von Wissenschaftlern vorwiegend aus dem angelsächsischen Raum an seine Stelle, die die theoretischen Überlegungen mit ihren Teleskopen überprüfen und dann als angeblich eigene Entdeckungen veröffentlichen.
Man kann sogar sagen, der in Deutschland immer weiter ausgebaute Überwachungsstaat dient vor allem der Wirtschafts und Wissenschaftsspionage. Diesen Makel soll der Titel Exzellenz überstrahlen. Daher der staatstragende Titel.
Exzellenz ist ein Titel, der von der Staatsmacht verliehen wird wie ein feudaler Titel. Er kommt auch aus dem Mittelalter. Langobarden und Franken haben ihn eingeführt und bis zum 14. Jhd. war es ein Titel der deutschen Kaiser. Der Titel hat sich bis heute bei hohen Staatsbeamten und Kirchenleute gehalten. Er kommt aus dem lateinischen, bedeutet ausgezeichnet, und wird von excellens abgeleitet. Die Silbe ex bedeutet außerhalb und deswegen tragen ihn auch die Botschafter ausländischer Staaten. Aus hat im Deutschen die Doppelbedeutung einer Richtungsangabe und der Bezeichnung eines Endes.
Es stellt sich nun die Frage: Wie kommt der Staat dazu, solche staatstragende Titel an Universitäten zu verleihen.
Es gibt eine Reihe von Universitäten in Norddeutschland, die haben eine Kooperationsstelle für Wirtschaft und Arbeitswelt errichtet. Aufgabe dieser Kooperationsstelle ist die Optimierung des Wissenstransfers, und zwar nicht nur von der Universität zur Wirtschaft, sondern auch umgekehrt von der Wirtschaft zur Universität. Zu diesem Zweck haben diese Kooperationsstellen Netzwerke errichtet, die bis in die Redaktionen der wissenschaftlichen Zeitungen reichen. Diese Netzwerke saugen Wissen von außerhalb auf und leiten es an Mitglieder der Netzwerke weiter. Diese werten das Wissen aus und integrieren es in den wissenschaftlichen Diskurs als eigene wissenschaftliche Leistung. Umgekehrt werden die Veröffentlichungen der eigentlichen Urheber der wissenschaftlichen Leistung abgelehnt, damit dieser Wissenstransfer nicht auffällt. Für diese ist es dann das Aus. Dies geschieht vor den Augen und mit Wissen der zuständigen Ministerien. Wenn man dieses Phänomen statistisch untersuchen würde, kann es sehr gut sein, dass ein Großteil der begünstigten Wissenschaftler aus Beamtenfamilien stammen.
Ein Beispiel für solchen Wissenstransfer ist die Schrottwelle. Schrotts Thesen waren die Weiterentwicklung einer Hausarbeit, die an der Universität des Saarlandes eingereicht wurde. Der Student hat dafür vom Dekan Hausverbot bekommen, damit er seine wissenschaftliche Arbeit nicht weiter ausarbeiten konnte. Ein anderes Beispiel ist die zur Zeit ablaufende kosmologische Revolution, die auf der Erforschung der schwarzen Materie beruht. Die Veröffentlichungen des Entdeckers, die auf theoretischen Überlegungen beruhen, werden abgelehnt und dafür treten viele kleine Gruppen von Wissenschaftlern vorwiegend aus dem angelsächsischen Raum an seine Stelle, die die theoretischen Überlegungen mit ihren Teleskopen überprüfen und dann als angeblich eigene Entdeckungen veröffentlichen.
Man kann sogar sagen, der in Deutschland immer weiter ausgebaute Überwachungsstaat dient vor allem der Wirtschafts und Wissenschaftsspionage. Diesen Makel soll der Titel Exzellenz überstrahlen. Daher der staatstragende Titel.
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