Extralang am Abend, Sonderschichten am Wochenende, Einsatz von zu Hause: Wer so arbeitet, arbeitet sich kaputt. Den Schaden hat der Arbeitgeber.
Arbeitswissenschaftler mögen keine Überstunden. Der Grund ist einfach: Überstunden belasten den Körper. Daher sind sie auch aus arbeitsorganisatorischer Sicht wenig sinnvoll. Wer lange arbeitet, arbeitet ineffizient. Schon ab der siebten Stunde fällt die Leistungsfähigkeit ab, die Fehleranfälligkeit nimmt zu. Bei der Wochenarbeitszeit ist nach 35 bis 38 Stunden Ende der Fahnenstange.
(© Foto: iStockphoto)
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Wer dauerhaft mehr arbeitet, macht das auf Kosten seiner Gesundheit. Und das spürbar: Wie viele Untersuchungen zeigen, steigen die Beschwerden mit der Wochenarbeitszeit an. Rücken- und Magenschmerzen, Schlafstörungen und Herzprobleme nehmen zu. Die Leistungsfähigkeit leidet. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter dazu anhalten, möglichst lange zu arbeiten, schaden sich damit selber. Sie könnten mehr aus ihnen herausholen, wenn sie sie frühzeitig nach Hause schicken würden.
In der Realität nützen die Erkenntnisse der Arbeitswissenschaft leider wenig. In vielen Büros gilt "je länger, desto besser".
Wie eine Umfrage des Hans-Böckler-Instituts zeigt, ändern sich die Arbeitszeiten in Deutschland dramatisch auf Kosten der Beschäftigten. Nur noch 13 Prozent haben einen Beruf, in dem die klassische Normalarbeitszeit von Montag bis Freitag gilt. Seit 1989 hat sich diese Quote halbiert. Stattdessen wird heute "flexibel" gearbeitet. 29 Prozent der Beschäftigten haben "überlange Wochenarbeitszeiten" von mehr als 42 Stunden. Bei 15 Prozent schwankt die Arbeitszeit um 20 Stunden und mehr die Woche. Sechs Prozent haben Schicht und Nachtdienste.
Friedhelm Nachreiner, Arbeitspsychologe an der Uni Oldenburg, hält diese Entwicklung für "sehr problematisch".
Natürlich sind flexible Arbeitszeiten nicht per se schlecht. Viele Beschäftigte wünschen sie sich sogar, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Doch selbst wenn sie ihre Arbeitszeit frei wählen können, bekommt ihnen genau das unter Umständen schlecht.
Zum einen besteht die Gefahr der Selbstausbeutung: Manche finden einfach kein Ende, vor allem wenn sie die Arbeit auch mit nach Hause nehmen. Zum anderen verträgt der Mensch es schlecht, mal sehr viel, mal wenig zu arbeiten. Wenn man über einen langen Zeitraum zu viel arbeitet, lässt sich das nicht einfach wieder mit etwas Freizeit ausgleichen. "Man ist dann schon zu ermüdet, um sich rasch wieder erholen zu können", sagt Nachreiner.
Ein unregelmäßiger Arbeitsrhythmus führt zu gesundheitlichen Beschwerden. Das gilt umso mehr, wenn er nicht selbst gewählt ist, sondern von außen vorgegeben wird. Wenn die Arbeitszeiten nicht mit dem sozialen Rhythmus übereinstimmen, werden sie vollends zur Belastung.
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Urteil am Bundesverfassungsgericht
... dass somit Arbeitsplätze blockiert bzw. kaputtgemacht werden!
Bei meinem Arbeitgeber könnten z.B. rund 230 Mitarbeiter neu eingestellt werden für die Monat für Monat beantragten und auch genehmigten überstunden!
Also... wir sollten uns nicht unnötig der Karriere wegen Stress machen, lieber die gewonnene Freizeit mit der Familie, mit Freunden geniessen und somit vielleicht unserem arbeitslosen Nachbarn zu einer neuen Anstellung verhelfen.
@ A Salbei
Das könnte natürlich sein! Daran hatte ich gar nicht gedacht. Vielen Dank für den Hinweis.
@ellini
Sie schrieben in Ihrem Kommentar, dass die durchschnittlich höhere Lebenserwartung von Japanern etwas mit dem höheren Fischverzehr zu tun haben könnte.
Ich denke dagegen, dass eher ausschlaggebend sein könnte, dass Japaner (zumindest bisher) wesentlich weniger Schweinefleisch, Rindfleisch, Wurst, Milch und Milchprodukte als Europäer essen.
Fleisch erhöht der Risiko von:
Darmkrebs
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/254238.html
Magenkrebs
http://www.medizinauskunft.de/artikel/aktuell/2006/04_05_magenkrebs.php
Brustkrebs
http://www.onmeda.de/aktuelles/news/index.html?id=1974
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=26389
http://www.curado.de/krebs/brustkrebs/news/rotes-fleisch-steigert-brustkrebsrisiko-bei-jungen-frauen/
Milch erhöht das Risiko an Osteoporose zu erkranken:
http://www.aerztezeitung.de/docs/2006/11/08/200a0101.asp?cat=/medizin/gelenke_knochen
und wird von zwei Drittel aller Erwachsenen nicht vertragen:
http://www.welt.de/print-welt/article708340/Zwei_Drittel_aller_Erwachsenen_vertragen_Milch_nicht.html
Fisch dagegen enthält neben Quecksilber noch andere kritische Stoffe:
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/130025/
Vielleicht liegt die längere Lebenserwartung am hohen Grünteekonsum:
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/250329
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/269625.html
http://www.stiftung-warentest.de/online/essen_trinken/meldung/1262302/1262302.html
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich als ich noch Angestellter war, ein bis zwei Mal pro Jahr eine Erkältung bekam und regelmässig unter Kopfschmerzen litt. Seit ich Privatier bin - seit 3 1/2 Jahren - war ich nicht mehr krank und Kopfschmerzen sind für mich ein Fremdwort. Ich habe auch 8 Jahre lang nach der 40 Std. Woche zusätzlich 20 Std. im Nebenerwerb gearbeitet, was ich jedoch nicht als Belastung empfand, weil ganz andere Körperfunktionen beansprucht wurden. Soviel dazu.
Einer meiner Vorschreiber meinte, dass zwischen der höheren Lebenswartung der Japaner und deren Mehrarbeit ein Zusammenhang bestünde. Dazu muss ich sagen, dass die höhere Lebenserwartung vielleicht - oder sogar ziemlich sicher - eine ganz andere Ursache hat: Japaner ernähren sich deutlich gesünder als Deutsche, z.B. durch eine erheblich höheren Fischverzehr. Japaner sind auch deutlich weniger übergewichtig und trinken kaum Alkohol. Japan hat jedoch eine der höchsten Selbstmordraten unter den Industriestaaten. Wenn man der Logik des Vorschreibers folgen würde, müsste das an dem höheren Fischverzehr liegen - oder an dem geringen Alkoholkonsum. Das ist vielleicht auch die Ursache für die noch geringere Geburtenrate. - Auch sind Japaner überwiegend Buddhisten, woraus man wieder einen Zusammenhang mit Suizidgefahr und Religion schlussfolgern könnte. Dazu fällt mir jedoch eine andere Religion ein, bei denen Alkoholkonsum sogar verboten ist. Also, wenn nicht zwichen Suizidgefahr und Alkoholkonum kein Zusammenhang besteht ...
Als angestellter Architekt kann ich ein Lied davon singen, dass man ohne zusätzliche Vergütung überstunden ableistet z.B. am Wochenende und feiertags. Solange einem das sinnvoll und dem Ergebnis hilfreich erscheint, denke ich, dass diese überstunden nicht weniger effektiv sind, oder der eigenen Gesundheit schaden. Leider gibt es gelegentlich hausgemachten, firmeninternen Mehraufwand, warum auch immer, dann sieht es schon etwas anders aus. Am wichtigsten denke ich, ist auf jeden Fall die Arbeitsmotivation, dass man nicht den Eindruck hat, uninteressante und unnütze Dinge erledigen zu müssen und dann auch noch über die Normalarbeitszeit hinaus. Dazu müssen Mitarbeiter jedenfalls tws. deutlich besser eingebunden werden, von oben angeordnete überstunden sind wahrscheinlich ziemlich uneffektiv. Glücklicherweise arbeite ich in einem Umfeld, in dem nicht der am meisten zählt, der sich den A.... bis tief in die Nacht breitsitzt (was in so manchem Architekturbüro als schick gilt!), so dass mir auch noch genügend Zeit für die Familie bleibt.
Paging