Jeder zweite Führungsposten ist falsch besetzt. Die Leidtragenden sind die Mitarbeiter - und die Unternehmen.
Wenn Christine Mau über ihren Job erzählt, schüttelt sie den Kopf. Ständig werden ihr neue Aufgaben zugeteilt. Dazu kommt: Viele, zu viele, Entscheidungen muss sie absprechen. Die Folge: Ständig schiebt sie Unfertiges vor sich her, weil sie mit ihren Nachfragen irgendwo in den Hierarchien stecken bleibt. Die PR-Beraterin weiß vor Arbeit nicht ein und aus.
Wer führt wen? Sozialpsychologe Dieter Frey würde auch Mitarbeiter schulen, wie sie ihre Chefs richtig führen. (© Foto: iStockphoto)
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Auch Werner Rudolf hat seinen Arbeitsalltag so richtig satt. Auf den IT-Experten prasseln ständig Anforderungen aus den verschiedensten Abteilungen, Projekttermine werden viel zu kurzfristig gesetzt und sein Vorgesetzter, seiner Ansicht nach eine fachliche Niete, ist ihm eher Hindernis als Unterstützung.
Wenn Mitarbeiter über ihre Chefs klagen, nehmen sie kein Blatt vor den Mund. Christine Mau und Werner Rudolf tragen daher in Wirklichkeit auch einen anderen Namen, doch ihre Verzweiflung ist echt. Sie arbeiten eigentlich gern - und sind trotzdem frustriert. Aber die Situation, glauben sie, können sie nicht ändern. Es sei denn, sie wechseln den Job - aber wer weiß, wer dann den Ton angibt?
Die Chance, wieder eine Niete als Chef zu erwischen, ist groß: 57 Prozent der deutschen Beschäftigten werden von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt. 40 Prozent bescheinigen ihrem Boss mangelhafte Konfliktlösungskompetenz, schlechte Arbeitsplanung und kaum Engagement im Bereich Mitarbeiterentwicklung. Das zeigt eine Umfrage unter 5400 Deutschen, im Auftrag von Inqa, einer "Initiative für neue Qualität in der Arbeit". Außerdem berichtet demnach jeder zweite über Unklarheiten und Widersprüchlichkeiten zwischen den Führungskräften "Der eine will dies, der andere genau das Gegenteil", sagt die Soziologin Tatjana Fuchs, die die Umfrage ausgewertet hat.
Der Sozialpsychologe Dieter Frey von der Ludwig-Maximilians-Universität in München geht davon aus, dass jede zweite Führungsposition schlecht oder falsch besetzt ist. "Deutsche Führungskräfte kennen oft die Sehnsüchte oder Ängste der Mitarbeiter nicht. Damit wird viel Potenzial vergeudet", sagt Frey.
Denn am Ende leidet immer die Arbeit. Schlechte Chefs frustrieren ihre Mitarbeiter statt sie zu motivieren. Das kann bis zur inneren Kündigung und sogar dem Burnout führen, falls zu sehr mit Druck gearbeitet wird.
Jochen Menges vom Institut für Führung und Personalmanagement an der Uni Sankt Gallen sagt , dass viele Chefs zu einem "Laisser-faire-Führungsstil" neigen. "Sie geben den Mitarbeitern wenig Orientierung zu langfristigen Zielen des Unternehmens und bemühen sich kaum, die Mitarbeiter zu motivieren", sagt Menges. Der ideale Führungsstil sei dagegen sowohl "zielorientiert" als auch "inspirierend".
Fünf Fähigkeiten zeichnen einen "inspirierenden" Chef Menges zufolge aus: Er kann anregen, neu über Situationen nachzudenken. Er hat die Fähigkeit, die Gruppenziele in den Vordergrund zu stellen und die Mitarbeiter dazu zu bringen, dass sie ihre eigenen Ziele hintenan stellen. Er stellt eine hohe Leistungserwartung an die Mitarbeiter. Er wendet sich Mitarbeitern unmittelbar zu. Und er tritt als Rollenmodell oder Vorbild auf.
Der Typ des "zielorientierten" Chefs setzt konkrete Ziele. Er begleitet Mitarbeiter, belohnt sie für positive Leistungen und weist sie für negative Leistungen zurecht. Und er sorgt dafür, dass die Anforderungen mit den Fähigkeiten der Mitarbeiter zusammenpassen.
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Umweltstiftung WWF in der Kritik
...sind m.E. in einer Vielzahl von Fällen eben nicht die im Artikel aufgezählten idealtypischen Eigenschaften in Dichte und Qualität, die jedem Sozialpädagogen zur Ehre genügen würden (was wahrscheinlich auch der Grund ist, warum solche Super-Exemplare sowohl unter Soziarbeitern als auch Chefs kaum zu finden sein dürften). Viel zu selten erwähnt ist, wie und warum die Chefs viel zu oft zu Chefs werden: Wegen Ellbogeneinsatz, Egodenken sowie Geklüngel & Zufall. Leistung & Befähigung bringen nichts, wenn nicht das entsprechende Ego dahintersteckt (traurig genug), aber zu oft läuft es dann halt auf ein reines 'meine ellenbogen sind mir am nächsten' hinaus.
Das nenne ich 'Feldbusch-Syndrom': kaum jemand kann sagen, was eigentlich ihr Talent ist, aber dafür hat sie es irgendwie nicht unweit gebracht: weil sie sich halt als ein Geschenk an die Welt hält, obwohl augenscheinlich bestimmte soziale Wahrnehmungsmechanismen fehlen oder unterdrückt werden (wie lt. Untersuchungen nachgewiesenermaßen auch vielen Chefs als Soziopathen eingestuft werden müssten).
Klar, ein Chef braucht eine gewisse Toughness & Abgebrühtheit; aber zu oft geht es nur darum, primär Chef zu sein, und nicht etwa Kant'schen Führungsstil in offener Abteilungskultur umzusetzen und zu leben.
Bin da ein gebranntes Kind: einer hat auf guten Kumpel gemacht, kaum bis nicht geführt, um nach oben hin nicht aufzufallen , die Firma beklaut, bei Einwänden rumgebrüllt, angesichta schlechter Zahlen ein neues Projekt angetäuscht, um dann nach der Urlaubsrückkehr die Kündigungen auszusprechen, OBWOHL WIRKLICH ER SCHULD WAR AM DEFIZIT durch sein Nicht-Handeln (alle ausser ihm wollten, aber durften nicht).
Komisch fand ich nur, dass dann am Ende ich vor dem Arbeitsgericht mühsam die Abfindung um ein paar Hunderter hochtreiben durfte und nicht er, denn ich hatte meine Arbeit eigentlich immer gemacht.
Deswegen langweilen auch die Sprüche von Leistungsgesellschaft angesichts des eklatanten Mangels an Möglichkeiten, auch objektiv wirklich schlechte Chefs korrigieren zu können. Ich finde die Aussagen im Artikel ganz toll & leider auch vollkommen unrealistisch.
Ihr Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Es ist wirklich erschreckend (und leidvoll für die betroffenen Mitarbeiter, die mit Consultants zusammenarbeiten müssen), wie leichtfertig unsere "Manager" jeden Sachverstand beiseite legen und Consultant-hörig werden.
ich hab einige Firmen kennengelernt, auch sehr gute. Aber nie habe ich einen fähigen Personaler getroffen. Ausser auswendig gelernten Standardfloskeln und -fragen (wie sehen Sie sich in 5 Jahren?.. gähhn) haben sie nichts drauf. Dazu kommt noch der Trend zum assessment center. Da sind noch mehr "spezialisten" die schauen ob die Kandidaten in ihr vorgefertigtes Raster passen. Passen sie rein, geht das Karussel mit den Nieten wieder los oder weiter.
Als dritte Negativkomponente kommen noch die Heerscharen von Heissluft- Consultants dazu. Das ist die grösste Lachnummer überhaupt. Es ist wirklich verwunderlich, dass die eigentlichen Manager noch nicht begriffen haben, dass die Berater nur das kleine 1x1 teuer verkaufen. Sonst nichts. Oder wollen sie nur die Verantwortung weiterschieben? Da sind wir wieder beim Thema.
Fazit: Nicht nur Fachkenntnisse sonder die sog. softskills sind entscheidend für erfolgreiche Manager...und die bekommt man bekanntlich zu Hause viele Jahre zuvor...oder auch nicht!
Eine wichtige Aufgabe des Chefs ist es ein gutes Arbeitsklima in der Abteilung zu schaffen. Neben den Arbeitsbedingunen gehört auch dazu, die richtigen Leute zu finden. Arbeitswillige (und fähige) Mitarbeiter, die ihre Kollegen respektieren, hilfsbereit sind und es als ihre Aufgabe verstehen, die Sache voran zu bringen. Wenn schlechte Stimmung herrscht, weil es Mitarbeiter gibt, die sich fies verhalten, Ellenbogenmentalität haben, die Ideen anderer als ihre eigenen verkaufen, viel reden und wenig wissen oder sich beim Chef einschleimen, dann liegt es meist am Chef, der auf solche Menschen reinfällt oder über das Zwischenmenschliche in seiener Abteilung überhaupt nix mitkriegt. Solche Leute gehören schnellstmöglichst rausgeschmissen, weil sie schaden den Mitarbeitern und dem Unternehmen, weil die Produktivität sinkt und mittelfristig die besten Mitarbeiter das Weite suchen.
Möglich ist auch, dass der Chef einfach keine anständigen Mitarbeiter findet, weil es eine Personalabteilung gibt, die die Vorauslese vornimmt aber leider von Klima und Anforderungen in der Fachabteilung keinen Schimmer hat und nur die Leute in die engere Wahl nimmt, die am meisten Eindruck schinden. Ich arbeite in einer Firma die bei 150 Mitarbeitern keine Personalabteilung hat. Jeder Teamleiter sucht sich die Leute, die am besten in sein Team passen, selbst, und das offensichtlich mit guten Resultaten.
gebe dir IndianerJoe recht, auch dr. Goebbels hat nicht anderes getan. - jedoch sollte man sich auch die andere seite anschauen: was hab ich als chef für mitarbeiter? sind es nicht die mitarbeiter, die oft direkt darum bitten, geführt und gelenkt zu werden? und ist dies für die meisten mitarbeiter nicht auch so ganz besonders einfach? der chef ist immer und an allem schuld....egal wie es mir geht, was ich mach...der chef ist schuld. es lässt sich so leicht klagen, besonders hier in DTland.
so einfach ist es aber nicht. Ich habe von zeit zu zeit zwischen 5 und 40 "mitarbeiter" zu "beschäftigen".....sie müssen nach meinen Ideeen, nach meinen Vorstellungen arbeiten- sonst nützen sie mir und meinem geschäft -- von welchen ich (mit meiner familie und noch vier weitere familien) lebe,nicht. Das ist dann ganz einfach, wer mit macht ist dabei und erhält neben anerkennung auch einen finanziellen anteil.....es sind "mitarbeiter" im weitesten sinn, aber es ist meine idee die ich umsetze und dafür die richtigen leute zu finden, war und ist immer wieder eine spannende "arbeit", die aber auch viel freude macht- für alle, wohlgemerkt.
Ich bin davon überzeugt, das wir in vielen dingen umdenken müssen...lernen umzudenken um in einer sich schneller bewegenden geschichte von urache und folge. freiheit und schutz für neue ideeen und versuche...
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