Wer rastet, rostet? Nein: Der Mensch braucht Zeit, um sich zu erholen. Vor allem, wenn er am Bildschirm arbeitet.
Wenn viel zu tun ist, vergeht ein Arbeitstag wie im Flug. Wer ein hohes Pensum hat und sich unter Zeitdruck fühlt, opfert da schnell mal seine Mittagspause. Kommt er mit seiner Arbeit dennoch nicht hin, heißt die Lösung häufig: Überstunden. Aus arbeitswissenschaftlicher Sicht ist beides grundfalsch.
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"Die Anforderungen an den Einzelnen sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Wer dazu noch Überstunden macht, gefährdet seine Gesundheit", sagt die Soziologin Tatjana Fuchs. Damit die Arbeit nicht krank macht, muss man sich innerhalb von 24 Stunden wieder von ihr erholen können. Das heißt für Unternehmen wie Beschäftigte: Sie müssen die Arbeitszeit so gestalten, dass eine Regeneration bis zum nächsten Tag möglich ist.
Ein wichtiger Faktor dafür ist die Planbarkeit der Arbeitszeit. Nicht nur die klassische Schichtarbeit führt zu gesundheitlichen Belastungen. Auch unterschiedlich lange Arbeitszeiten, kurzfristige Überstunden und Bereitschaften auf Abruf stressen den Körper. Von flexiblen Arbeitszeitmodellen, bei denen phasenweise sehr viel und anschließend weniger gearbeitet wird, raten Arbeitswissenschaftler daher ab.
Auch Überstunden kommen bei ihnen ganz schlecht an. "Man kann nicht länger als acht Stunden konzentriert arbeiten", sagt Tatjana Fuchs. Wer sich abends dennoch nicht von seinem Schreibtisch trennen mag, tut sich damit nichts Gutes: Die Zeit, die ihm bis zum nächsten Arbeitstag bleibt, reicht nicht mehr aus um sich zu regenerieren. Stattdessen schleppt er ein Erholungsdefizit in den nächsten Tag. Und das geht dann nicht mehr nur zu Lasten der Effektivität, sondern auch auf Kosten der Gesundheit. Wer sich dauerhaft nicht regenerieren kann, wird am Ende zu müde sein, um schlafen zu können. Damit ist er dann auf dem besten Weg in den Burnout.
Wer innerhalb seiner regulären Arbeitszeit partout nicht hinkommt, etwa weil ein Projekt dringend fertiggestellt werden muss, sollte lieber samstags arbeiten als unter der Woche länger zu bleiben. Auch die Strategie, in den Arbeitswochen richtig zu klotzen, und sich dafür einen langen Urlaub zu gönnen, geht nicht auf. "Wenn ich erst einmal ein Erholungsdefizit vor mir her schiebe, reichen womöglich selbst sechs Wochen Ferien nicht mehr aus, um das auszugleichen", sagt Fuchs.
Damit der Job nicht zur Belastung wird, muss es auch während der Arbeitszeit Phasen geben, in denen man sich erholen kann. Als ideal gilt es, alle zwei Stunden eine Kurzpause von fünf bis zehn Minuten zu machen. Das reicht völlig aus, da die größte Erholungswirkung am Anfang der Pause ist. Vier Pausen à 15 Minuten über den Tag verteilt sind daher viel erholsamer als eine einzelne einstündige Pause.
Nach der EU-weit gültigen Richtlinie für Bildschirmarbeitsplätze haben Beschäftigte sogar einen rechtlichen Anspruch auf eine Kurzpause pro Stunde. Dort heißt es: "Der Arbeitgeber hat die Tätigkeit der Beschäftigten so zu organisieren, dass die tägliche Arbeit an Bildschirmgeräten regelmäßig durch andere Tätigkeiten oder durch Pausen unterbrochen wird, die jeweils die Belastung durch die Arbeit am Bildschirmgerät verringern."
Wer meint, keine Zeit für Pausen zu haben, zahlt dafür selber die Rechnung: Er braucht dann nach der Arbeit um ein Vielfaches länger um sich wieder zu erholen. Für notorisch Gestresste hat die Soziologin Tatjana Fuchs einen Rat parat: "Ideal ist es, seine Arbeitstage so zu gestalten, dass sie lebenswert sind. Jeder einzelne Arbeitstag sollte zur Lebensqualität beitragen und nicht von ihr abgezogen werden müssen."
(sueddeutsche.de)
DFB-Torhüter ter Stegen
Ich habe das Glück, in einer Firma zu arbeiten, wo ich meinem Vorgesetzten sagen kann, dass das Aufgabenvolumen nicht zu schaffen ist, weil ich halt nur eine Person bin. Die Vorgesetzten haben nämlich immerhin soviel Kontakt mit den Mitarbeitern, um zu wissen, dass einer nicht auf der faulen Haut liegt, im Gegenteil, die Leute am Rotieren sind. Gefeuert wird nur, wer wirklich faul ist und den Tag mit Surfen verbringt.
Wenn das Volumen mit 10% Extrastunden nicht zu schaffen ist, dann ist es halt zu hoch und entweder es wird noch jemand eingestellt oder es bleibt halt liegen. Wenn man eine Zeit lang nur noch dazu kommt, die schlimmsten Feuer zu löschen, und dadurch die geplante Weiterentwicklung/Verbesserung zu kurz kommt, dann reagiert das Management, denn die Situation ist schliesslich gefährlich, und zwar nicht mit Entlassungen, denn damit schneiden sie sich ja ins eigene Fleisch.
Wenn dann eine Sache länger dauert als geplant oder versprochen, dann ist das meist nicht so schlimm. Meist beruhen die Verzögerungen eh auf Gegenseitigkeit, denn auch die Kunden verzögern sich mit Antworten bzgl wichter Details oder mit der Lieferung der Spezifikationen. Klar wird versucht, alles in der vereinbarten Zeit zu schaffen. Bei Verzögerungen jedoch haben sich meist beide Seiten an der Nase zu zupfen und dann passt es schon. Mein Standort ist in Spanien und die Kunden sind aus ganz Europa und dem Rest der Welt, aber nicht aus Deutschland. Evtl stressen sie sich in Deutschland zu sehr mit Terminen, anstatt mit dem Kunden zu reden, weil am Ende alles viel flexibler ist als es scheint.
Auch wenn es viel zu tun gibt, gibt es nur sehr wenige Situationen, in denen ich mal gestresst bin, weil ich weiss, dass mein Arbeitgeber nicht erwartet, dass ich auf dem Zahnfleisch dahergekrochen komme. Und nochwas: Wenn Mittagspause ist, ist Mittagspause. Da wird in Ruhe gegessen, abgeschaltet und über alles mögliche geredet ausser über die aktuelle Arbeit. Und noch nie hat jemand Unverständnis dafür gezeigt.
Saludos.
Ich bin schon lange nicht mehr angestellt tätig. Als Freiberufler steh ich zwar auch permanent unter Termindruck, weil Kunden natürlich nicht einsehen, dass ein Einzelkämpfer nicht den Service eines mittelständischen Unternehmens bieten kann (obwohl es auf der Rechnung günstiger wird). Aber ich kann im Zweifel den Anrufbeantworter anstellen und mich samt Computer unter einen Baum setzen, oder mal zwischendurch einkaufen gehen. Oder den Kunden, der Freitagabend anruft, weil er bis Montagmorgen dringend etwas erledigt haben möchte, freundlich hinhalten ... Kurz: etwas an meine Kapazität angepasster arbeiten, und dadurch bessere Qualität liefern.
Was Daisan schildert, hab ich auch selbst erlebt. Nicht nur in einer Firma. Die Chefs reden sich mit der Selbstverantwortung des Angestellten raus, oft ohne zu wissen, mit wieviel Details ein Job verbunden ist, wenn ein Job vernünftig erledigt sein will. "Ach, machen Sie das doch eben schnell. Auch wenn es normalerweise eine Woche braucht, aber Sie haben eben nur zwei Tage. Muss ja nicht so gründlich sein. Wie, das schaffen Sie nicht? Sie haben von der Materie keine Ahnung und müssen sich einarbeiten? Ich hab's dem Kunden aber versprochen!"
Auch Versprechen hab ich viele gehört: "Für das durchgearbeitete Wochenende machen Sie dan mal einen Tag frei." Natürlich nur, wenn gerad nichts zu tun ist ... und einmal habe ich's gewagt, auf dieses Angebot zurückzukommen: "Montag mach ich mal frei, mein Haushalt braucht auch mal wieder eine Grundpflege." Die Blicke kamen einer Abmahnung gleich.
Und insbesondere, aber nicht nur DTP-Grafiker in der Werbe- und Medienbranche werden herzhaft lachen, wenn ihnen jemand die gängigen Arbeitsschutzregeln vorlegt. In dieser Branche wird die Verantwortung für die Organisation der Arbeit nämlich gern dem einzelnen Mitarbeiter übertragen. Und der darf alles, nur nicht nein sagen, Termine überziehen oder persönliche Überlastung eingestehen ...
Kurz: Solange die Meinungsmacher unserer Wirtschaft überzeugt sind, ein Unternehmen müsse in erster Linie Profit erwirtschaften, gibt es "Wohltaten" für die Menschen einschließlich der Angestellten nur, wenn es das Ziel fördert oder ihm nicht im Wege steht. Dass Wirtschaft ja eigentlich dem Menschen das Leben verbessern soll, hört ja doch recht selten als primären Anspruch eines Managers.
Und solange man Menschen mit 45 in Hartz IV verabschieden kann, spricht ja auch wirtschaftlich nichts dagegen, die Leute auszusaugen ... (Über die gesellschaftlichen Folgekosten wird dann natürlich wieder gejammert).
Den Artikel kann ich voll und ganz unterschreiben. Ich arbeite in "2-Stunden-Schichten". Ich arbeite als Softwareentwickler. Wenn bei mir eine Aufgabe ca. 2 Stunden lang nicht oder nur zäh voran kommt, mache ich ca. 15 min Pause. Ein Spaziergang ums Firmengelände herum hilft hervorragend, um abzuschalten. Danach finde ich meist schnell eine Lösung, die oft effektiver ist, als die, an der ich vorher gebrütet habe. Oder ein Gespräch beim Kaffee tut oft das gleiche.
Es gibt Arbeitsplätze, an denen man schon eine Abmahnung bekommt, wenn der Bildschirmschoner mal angeht: Dort findet man stets niedrige Qualität, geringe Effektivität, Stress und ein schlechtes Betriebsklima. Wer kennt das nicht?
ist die Wirklichkeit etwas brutaler: Nachfolgendes ist nur ein Beispiel, jedoch bereits gelebte
Wirklichkeit, die ich so in der Vergangenheit erlebt habe.
Oft verzichtet man mal auf die Pause, natürlich "freiwillig" (weil z. B. im Rahmen des Job Description enrichments am Ende der Arbeitszeit immer noch 20 Terminsachen übrig sind und man für zwei arbeitet - und das nur aus dem Grund weil das Unternehmen seine Kapitalrendite von z. B. 18% gewaltsam auf 22% heben will....etc...).
"offiziell" ist um 17:30 Feierabend, man sitzt jedoch um 18:40 immer noch und flucht beim Arbeiten vor sich hin.....offiziell werden keine Überstunden gemacht, denn Mehrarbeit wird vorausgesetzt, versteht sich - im übrigen hat derjenige der sich über excessive Überstunden beschwert beim nächsten Zielvereinbarungsgespräch ein Problem, denn wer sich nicht effektiv managt und es nicht schafft die Ziele zu erreichen, fliegt. Oder: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Klar, in jedem Fall ist der Arbeitnehmer schuld, er muss eben ranklotzen bis das Fleisch vom Knochen fällt. Mein Gott und die paar Telefonate und Emails
nebenbei (ca. 150 bis 190 x am Tag klingelt das Telefon, ca. 200 Mails in der Box, von denen im Schnitt ca. 30 bis 35 beantwortet werden wollen und keinen Aufschub dulden), ja
das macht natürlich Spass. Mist, ich habe während eines Telefonats ein weiteres Telefonat nicht angenommen (wieso soll ich eigentlich dem Anrufer erzählen, daß ich soeben telefoniere, wenn er das Besetztzeichen vernimmt?!?!?Was für ein idiotischer Schwachsinn!)
um darauf vom Vorgesetzen angehupt zu werden...
"Normal" ist bei mir die 50 bis 55 Arbeitsstundenwoche.
Konsequenz: Ich hab mir eine neue Stelle gesucht. Gottseidank gefunden.
Allen, denen es ähnlich geht, wünsche ich ein besseres Leben.
Grüsse
Daisan
Auch ich möchte nicht unhöflich sein, ABER:
soweit mir bekannt ist, schreibt man das Wort "erholen" immer noch ohne 2. "h" . *räusper*
Können Sie das noch korrigieren, mein Auge stolpert ja sofort darüber.
Zum Inhalt: Ich bin völlig einer Meinung mit den Fachleuten. Aber leider regieren die Fachleute nicht die Arbeitswelt.
Sicher wären wir produktiver, innovativer, kreativer, wenn sich Arbeitgeber diese frommen Wünschen und Rat- und Vorschläge zu Herzen nehmen würden.
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