Gesundheitsreport: Junge Arbeitnehmer Jung, unterfordert, krank

Ein Ergebnis, das Besorgnis auslöst: Dem Gesundheitsreport zufolge sind junge Arbeitnehmer häufiger krank als der Durchschnitt. Was sind die Gründe dafür?

Von Lena Jakat, Berlin

Junge Arbeitnehmer sind öfter krank als der Durchschnitt. Das geht aus dem jährlichen Bericht der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) über den Gesundheitszustand deutscher Angestellter hervor.

Junge Arbeitnehmer melden sich häufiger krank als der Durchschnitt.

(Foto: dpa)

Auf 100 junge Versicherte kamen im vergangenen Jahr 132 Krankheitsfälle. Bei den Arbeitnehmern insgesamt waren es nur 111. Junge Angestellte gehen zudem deutlich häufiger zum Arzt als Gleichaltrige, die noch nicht arbeiten. "Ein Student braucht keinen gelben Schein, sondern kann sich auch zu Hause auskurieren", sagt Hans-Dieter Nolting, Geschäftsführer des Berliner Iges-Instituts, das den Bericht im Auftrag der DAK erstellte. Das erkläre die Diskrepanz aber nicht völlig.

Bislang stand diese Altersgruppe in dieser Studie nicht im Fokus, sondern ging es eher um die Fehltage eines durchschnittlichen Angestellten (im vergangenen Jahr 12,5, genauso viele wie 2009) oder die Zahl der psychischen Erkrankungen (Steigerung 13,5 Prozent). Nun widmete sich der Bericht erstmals konkret den jungen Arbeitnehmern zwischen 18 und 29. "Über diese Gruppe ist bislang wenig bekannt", sagt Nolting. "Es ist aber eine wichtige Lebensphase, in der es um die Integration in die Arbeitswelt geht und darum, eine eigene Lebensführung zu finden."

Hinter den vielen Krankmeldungen verbergen sich vor allem Atemwegs- und Infektionskrankheiten, die bei den Jungen einen deutlich größeren Anteil als bei den Arbeitnehmern insgesamt ausmachen; ihre Fehlzeiten sind dafür aber auch vergleichsweise kürzer. Wenn es nicht um Husten, Schnupfen und Heiserkeit, sondern um psychische Beschwerden geht, sind die Jungen in etwa gleich stark betroffen wie der Durchschnitt. "Viele junge Arbeitnehmer erwartet ein unstetes Berufsleben in oftmals unsicheren Arbeitsverhältnissen", sagt der DAK-Vorstandsvorsitzende Herbert Rebscher. Diese Unsicherheit könne Auswirkungen auf soziale Beziehungen, aber auch auf die Gesundheit haben.

Was Rebschner nur andeutet, erklärt der Report im Schwerpunktkapitel genauer: 22,8 Prozent der jungen Arbeitnehmer sind in einem befristeten Beschäftigungsverhältnis, jeder vierte leistet Schichtarbeit. Doch wie belastend wird der Arbeitsalltag wahrgenommen? "Etwas" beziehungsweise "sehr belastend", antworteten 71,4 Prozent. Jeder Dritte fühlt sich obendrein von der Arbeit unterfordert - auch das kann Stress auslösen.

Plädoyers für einen Bewusstseinswandel

Dieser Stress kann krank machen: Wer nicht in seinem Wunschberuf arbeitet (laut Studie sind das rund ein Viertel), ist anfälliger für Krankheiten und wird häufiger krankgeschrieben. "Wenn man eine Tätigkeit als inhaltlich erfüllend und stimulierend empfindet, wirkt das präventiv", sagt Iges-Geschäftsführer Nolting.

Die Studie zeigt zudem, dass die Symptome, die sich zu Krankheiten ausweiten können, zunehmen. So könnten sich Kopfschmerzen, Erschöpfungserscheinungen und andere "stress related symptoms" in Richtung von Depressionen oder körperlicher Krankheiten entwickeln. Vorbeugend könnte nach Einschätzung der Krankenkassen-Experten schon ein Bewusstseinswandel wirken: "Es wäre schon gut, wenn man unsichere Berufsaussichten als Normalität der Zukunftserwartungen in Schule und Ausbildung transportieren könnte", sagt DAK-Chef Rebscher.

Ein anderes Ergebnis der Studie hingegen spricht für das seelische Wohlbefinden junger Arbeitnehmer: Die allermeisten sehen optimistisch den vielen vor ihnen liegenden Berufsjahren entgegen. Den Satz "Meine berufliche Zukunft sieht gut aus", bejahten fast 80 Prozent.