Heckman:Wir haben das bei einigen Job-Trainings tatsächlich festgestellt: Arbeitslose Jugendliche, die an Qualifizierungsprogrammen teilnahmen, waren manchmal letztlich schlechter dran als solche, denen der Staat nicht half.
Anzeige
SZ:Wie das?
Heckman:Das ist einfach zu erklären. Diese Programme waren sehr oberflächlich. Die jungen Leute sollten mit veraltetem Material lernen - zum Beispiel mussten sie einen VW-Käfer-Motor montieren, obwohl in den USA in den achtziger Jahren längst kein VW-Käfer mehr auf den Markt kam. Vielleicht hätten sie dabei ja ein paar grundlegende Sachen über die Arbeitswelt lernen können. Aber: Es gab auch keine klare Regel, dass die jungen Leute zum Unterricht erscheinen mussten. Wenn sie nicht kamen, wurde das nicht sanktioniert; sie waren also nur sporadisch im Unterricht. Und nach ein paar Monaten gingen sie hinaus in die wirkliche Welt, waren weiterhin nicht motiviert und hatten nichts gelernt.
SZ:Sie würden sagen: Wenn der Staat solche Programme streicht, hilft er den jungen Leuten?
Heckman:Davon bin ich überzeugt. Die Leute aus der Vergleichsgruppe, denen der Staat nicht "geholfen" hat, mussten selbständig Jobs suchen und sich irgendwie mit der Arbeitswelt arrangieren. Auch ein banaler Job signalisierte diesen Menschen: "Du erscheinst hier an deinem Arbeitsplatz, oder du fliegst raus." Das war offenbar ein besseres Training. Denn als die Gruppen später verglichen wurden, war die Gruppe ohne Qualifizierungsmaßnahme im Schnitt erfolgreicher. Immerhin hat unsere Analyse auch dazu beigetragen, dass das sinnlose Programm gestoppt wurde...
SZ:Im US-Wahlkampf ist das Thema der frühen Bildung auch schon aufgetaucht: Hillary Clinton versprach Vorschule für alle.
Heckman:Ich gönne frühe Förderung wirklich jedem Kind. Aber ich denke, es muss nicht für alle kostenlos sein. Also: Gebühren für die wohlhabenden Familien! Sie dürfen ihre Kinder gerne teilnehmen lassen, aber sie zahlen etwas dafür - im Unterschied zu den armen Familien. Barack Obama hat solche Pläne. Er will die Programme stärker auf die Benachteiligten und auf die frühen Jahre konzentrieren. Hillary Clinton hat sich dem inzwischen angenähert.
SZ:Mittelschichts-Eltern werden von solchen Ideen nicht begeistert sein.
Heckman:Das stimmt.
SZ:Und sie sind leider die wichtigsten Wähler.
Heckman:Stimmt leider auch.
SZ:Wie wollen Sie die überzeugen?
Heckman:Wir legen die Fakten auf den Tisch: Wer sich einmal mit Studien wie "Perry Preschool" beschäftigt hat, weiß, wie der Staat sein Geld ausgeben sollte. Ich denke, dass die amerikanische Gesellschaft darauf stärker reagiert als die deutsche. Die Deutschen diskutieren über frühe Bildung eher philosophisch, die Amerikaner eher pragmatisch: "Zeig mir die Daten, zeig mir, was welchen Nutzen hat, und dann entscheiden wir." Vielleicht sind solche Programme deshalb in Amerika leichter durchzusetzen.
SZ:In Deutschland gibt es auch keine Studie, die mit "Perry Preschool" vergleichbar wäre.
Heckman:In den USA entstanden sogar noch ein paar andere, die alle recht ähnliche Ergebnisse haben. Sie entstanden oft in den sechziger Jahren; heute profitieren die Sozialwissenschaftler davon. Inzwischen haben andere Länder ähnliche Untersuchungen begonnen - in Irland werden gerade die Babys geboren, deren Bildungskarrieren wir in dreißig Jahren analysieren können.
SZ:Wenn Sie eine Milliarde Euro hätten, um das deutsche Bildungssystem zu verbessern: Was würden Sie tun?
Heckman:Ich würde sagen: Es funktioniert auch mit null Euro! Denn mir geht es um das, was wir Ökonomen Allokation nennen: Wir müssen das Geld so ausgeben, dass es die besten ökonomischen Ergebnisse bringt. Also würde ich deutlich weniger Geld in Qualifizierungsprogramme für Arbeitslose stecken, denn das ist häufig eine Verschwendung öffentlicher Mittel. Alles, was man dadurch spart, müsste in Programme gehen, mit denen benachteiligten Kindern möglichst früh geholfen wird.
SZ:Und die eine Milliarde würden Sie vom Staat gar nicht verlangen?
Heckman:Naja, die Milliarde würde ich schon nehmen - aber nur zusätzlich.
Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3
(SZaW vom 29.3.2008/bön)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
wenn wir allen Kindern die Möglichkeit auf eine gute Bildung geben würden, und zwar ganz allein zum Wohle des Kindes, auf daß es sich später freien Geistes entscheiden kann, wie es leben möchte, ob es sich als für die Wirtschaft "lohnend" verdingen möchte, oder einfach den lieben langen Tag lang musizieren möchte und den lieben Gott einen guten Mann sein läßt ???
Ich möchte mit meinen Steuern kein "Kanonenfutter" für die Wirtschaft fördern, sondern eigenständig denkende Menschen!
wenn derjenige dafür bezahlt, der den meisten Nutzen von gut Ausgebildeten und Motivierten hat: Die Wirtschaft.
Der Mittelstand wurde die letzten 15 Jahre übermäßig stark mit Gebühren und Steuern belastet.
Es kann nicht sein, daß sich die Wirtschaft nicht um Ausbildung kümmert und anschließend Arbeitskräftemangel beklagt.
So wie das bisher lief wird es nicht funktionieren.
Ab und an erschreckend wieviel hochwissenschaftliche Ergebnisse bedeutend guenstiger mit klarem Menschenverstand zu haben waeren.
Der Mittelstand soll zahlen. Ist das was neues???
So ein Quark die Mittelschicht zahlt genauso Steuern, deshalb haben sie auch einen
Anspruch auf die selben Staatlichen Leistungen und überhaupt welches Kind kann was dafür in welche Familie es hineingeboren wird?
Paging