Und wer könnte das besser verstehen als ein echter Mann? Zur Seite stehen dem "kleinen Helden in Not", wie ein Klassiker der Jungenratgeber titelt, hingegen nur die "Mädchenmuttis" und "Grundschullehrer-Tanten". "So bemühe ich mich, meinem Sohn ein Dolmetscher zu sein und ihm die Sprache einer Frau, seiner Mutter, so zu übersetzen, dass er sie verstehen kann".
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Den Luxus eines Frau-Deutsch-Übersetzers haben die Knaben im Hause Beuster den meisten ihrer Altersgenossen voraus: Vaterlos (woran die Frauen mit ihrer Scheidungsfreudigkeit "bedeutenden Anteil" tragen) müssen sie die "wichtigen Lektionen für die männliche Identität: Durchhalten, Aushalten, Zusammenhalten" in feindlicher Abgrenzung zu ihrer weiblichen Umwelt erlernen.
Geschlecht, als soziale Kategorie wie die Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit verstanden, funktioniert bisher im ausschließlichen Gegensatzpaar Frau-Mann. Wenn Mädchen strebsam, leistungsstark und aufmerksam sind, kann das nicht gleichzeitig auch für die Buben gelten. Und spätestens die eigenen Geschlechtsgenossen erinnern das Männchen daran, die Trennlinie des geschlechtlich Gebotenen nicht zu überschreiten: "Angst vor Verweichlichung und Homosexualität" prägen laut Beuster immer noch die väterlichen Erziehungsmaßnahmen. Aber auch die Vorbilder aus Fibel und Fernsehen demonstrieren strotzende Virilität. Die Männlichkeitsattribute der Stärke und Unabhängigkeit bergen in ihrer ungefilterten Aufnahme und Reproduktion bedenkliches (Gewalt-)Potential.
Die reaktionäre Rhetorik der unterwanderten Männlichkeit ist erstaunlich: Genau die Mädchen, so wird suggeriert, die bis vor zwanzig Jahren als Sorgenkinder gelten mussten, in ihrer wenig fordernden, wenig durchsetzungsfähigen "Weiblichkeit", werden nun zur unliebsamen Konkurrentin. Ihre so natürliche Fühligkeit (emotionale Intelligenz), Unterordnung (Flexibilität) und Schwatzhaftigkeit (Kommunikativität) werden sprachlich aufgemotzt und als berufsbefähigende soft skills geadelt.
Doch nur einige Jahre weiter sehen die Lebenswirklichkeiten von Frauen und Männern anders aus. Frauen verdienen für gleiche Arbeit immer noch durchschnittlich bis zu 30 Prozent weniger und in den Führungspositionen bleiben sie exotische Farbtupfer. In den Chefetagen der Großbetriebe finden sich nicht einmal fünf Prozent Frauen. Ähnlich geht"s auch bei den Akademikern zu: Je höher die Gehaltsstufe, umso weniger Frauen. Unter den Hochschulabsolventen stellen Frauen noch die Hälfte, bei den C4-Professuren sind es nur noch 9,7 Prozent.
Dass das gut und irgendwie natürlich ist, kolportiert auch Jungenergründer und Frauenversteher Beuster: Frauen verlören durch die Doppelbelastung aus Familie und Beruf "einen Teil ihres Mutterseins". Wie wäre es damit, die Frau bei der Hausarbeit zu unterstützen, gar die männlichen Kinder mit heranzuziehen? Auch im Hause Beuster wurde die Gleichberechtigung geprobt. Doch der durch die Aufforderung zur Hausarbeit traumatisierte Junge kann seiner Mutter einfach nicht helfen, da "er spürt, dass er sie in ihren Domänen auch nicht übertrumpfen oder kopieren kann."
Diese Rollenstarrheit findet sich heute, kaum überraschend, auf Seiten der Männer. Der Macho ist nicht mehr gelitten, der Frauenversteher der Lächerlichkeit preisgegeben. Die jetzige Diskussion um die armen Jungs bietet die seltene Chance, die scherenschnittartigen Geschlechterstereotype zu verwerfen.
Die Bestürzung über den neuen Sorgenkindtypus, die männliche Verlierergeneration, die da heranzuwachsen droht, begnügt sich bislang mit der Anprangerung der sozialen Folgen, die wir aus dieser Entwicklung zu tragen haben werden. Sie blendet aber die tatsächlichen und nicht ideologischen Ursachen weitestgehend aus. Das zeigt allein das Bemühen, auch mit dem Urmythos eines unhintergehbaren Rohmaterials namens Geschlecht Meinung zu machen. Das männliche Sehnen richtet sich auf ein Retro-Utopia, dahin zurück, als Männer noch Geschichte machten, "ohne dass Frauen in nennenswerter Weise daran beteiligt wurden", wie Frank Beuster schwelgt.
Den Jungen kann geholfen werden, heißt es, gibt man ihnen nur die gute bipolare Ordnung der Geschlechter zurück. Und produziert damit, ganz nebenbei, das neue alte Sorgenkind: Das Mädchen.
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(SZ vom 6.2.2007)
Verfassungsrichter rügen Billig-Professuren
Einerseits wird (zu Recht) gejammert, dass es zu wenig männliche Pädagogen gibt.
Und andererseits wird uns aus der gleichen Ecke ständig "bewiesen", dass Männer qua Geburt dazu bestimmt sind, Autos einzuparken, Führungspositionen einzunehmen und in den Puff zu gehen, Emotionen nur beim Fussball zeigen können und deshalb zu niederen Duzi-duzi-Tätigkeiten nicht zu gebrauchen sind...
So kommen wir doch irgendwie nicht weiter. Die Natur gibt sicherlich ein paar Tendenzen vor, aber über den einzelnen Menschen sagt das doch recht wenig aus.
Ich verstehe zwar die Männer, die keine Lust auf "weibliche Qualitäten" haben - wer will schon gerne freiwillig "nachgiebig und emotional" sein, wenn er sich an die Rolle "dominant und vernünftig" gewöhnt hat.
Aber ein paar mehr Kindergärtner wären schon nett - auch für die Kleinen.
Tja..es wäre besser gewesen,wenn Gott oder wer auch immer,uns als eine WESENHEIT geschaffen hätte...
Ich finde es schön, dass Sie herzlich gelacht habe. Es ist immer gut, wenn man Menschen Freude bringen kann. Ich möchte Sie jedoch darauf hinweisen, dass nicht ich es war, der behauptet, es gäbe Firmen, die Überstunden bezahlen. Ich habe mich lediglich auf eine Statistik des statistischen Bundesamtes zu bezahlter Mehrarbeit bezogen und ich gehe sicherlich zu Recht davon aus, dass diese staatliche Stelle keine Statistik von etwas erstellen wird, das es gar nicht gibt. Zu den Überstunden gibt es allerdings noch einiges zu sagen. Zunächst einmal hat auch das statistische Bundesamt vor nicht allzu langer Zeit bestätigt, dass die Überstundenbezahlung von Jahr zu Jahr immer weiter abnimmt. Das dürfte den Westen (häufigere Überstundenbezahlung, weil Besitzstand) stärker betreffen als den Osten, wo nach der Wende häufig gar nicht erst damit begonnen wurde. Das sieht man auch recht schön an der Lohndifferenz die beim einige Jahre alten Frauendatenreport ohne Berücksichtigung von Überstunden bleibt: 2,5% im Osten und 7,7% im Westen. Zukünftig sollte also allein auf Grund der geringeren Zahl von Firmen, die Überstunden bezahlen, sowohl die Lohndiskriminierung abnehmen als auch der Unterschied zwischen West und Ost.
Wenn jedoch Überstunden bezahlt werden, geschieht das in aller Regel mit einem Überstundenzuschlag, der in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen geregelt ist. 25% ist ein durchaus gängiger Wert, den ich auch noch aus meinen Siemens-Zeiten bestätigen kann.
Unabhängig davon werden Sie sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass Sie beim Thema Lohndiskriminierung von Frauen einer gezielten Fehlinterpretation der Statistik aufgesessen sind. Dass es Unsinn ist davon zu sprechen, dass Frauen bei gleicher Arbeit 30% weniger Geld bekommen, ist mit einer simpler Logik und ganz ohne Statistiken zu durchschauen. Fragen Sie sich doch einmal, weshalb nach wie vor noch Männer eingestellt werden, wenn Unternehmen dieselbe Arbeit für 30% weniger Geld bekommen könnten? Oder - um es auf die Spitze zu treiben: Weshalb entlassen Unternehmen nicht einfach die Männer und stellen Frauen dafür ein, wenn sie so innerhalb kürzester Zeit ihre Lohn-Stück-Kosten um 30% senken können? Und das in Zeiten des Globalisierungsdrucks. :-)
Liebe Maja-Caroline,
irgendwo muss ich etwas nicht mitbekommen haben. Welche Ironie? Und was hat dieses Stilmittel, so die Verfasserin es denn eingesetzt hat, mit dem Inhalt des Artikels, mit den Fakten und Gegenargumenten zu tun? Ich schlage vor, dass wir hier eine Trennlinie ziehen und uns am sachlichen Gehalt der Aussagen (inklusive Ihrer) orientieren. Einverstanden?
Sie schreiben von "beleidigten und beleidigenden" Kommentaren. Sicher können Sie Beispiele nennen; Beleidigungen konnte ich persönlich bislang keine erkennen. Oder sind Kritik und abweichende Meinungen für Sie schon Beleidigungen? Oder gar Gewalt gegen Frauen?
Und warum soll jemand "beleidigt" sein, nur weil er hier herausarbeitet, dass er der Meinung der Frau Maja und der Frau Voss nicht zustimmt? Wer sich von der argumentativen gleich auf die emotional-persönliche Ebene herabbegibt, verdeutlicht meist nur Eines: dass es ihm an guten Argumenten mangelt.
Das ist bei Ihnen jedoch sicherlich nicht der Fall ?! Und "wenn es um die feststellung der tatsache geht, dass frauen nach wie vor diskriminiert werden, auch in deutschland" geht, hauen Sie mir sicherlich gleich jede Menge Fakten um die Ohren ?!
Sie sprechen von "bezifferbaren diskriminierungsbestände(n) (wie die lohnungleichheit, fehlende Aufstiegschancen usw.)", wobei mich natürlich das "usw." interessieren würde. Wie ich Frau Hellner bereits schrieb, gibt es meist erhebliche Probleme, dieses "usw." näher zu definieren und (weitere) belastbare Beweise für die schlimme Frauenunterdrückung zu liefern. Schon die beiden Lieblings-"Benachteiligungen" fußen auf sehr fragwürdigem Datenmaterial, wie ich bereits in einem früheren Beitrag ausführen durfte. So dass ich die Gänsefüßchen in diesem Falle für angebracht halte.
Und, Verzeihung, ich sehe in meinen (und anderen) Gegenargumenten auch keine "Bagatellisierung" und "Individualisierung", sondern eine Widerlegung. Das sollte erlaubt sein, sofern man die Aussagen von Frau Voss nicht für das Evangelium hält. Was sie sicherlich auch nicht sind (nun ja, für manche vielleicht schon...).
Sie sprechen schließlich von "durch Geschlecht reproduzierten" (hä??) und "verfestigten gesellschaftlichen Machtstrukturen." Die mag es geben, und tatsächlich sind die (wenigen) Machtpositionen hierzulande (noch) mehrheitlich in Männerhand.
Diese Sichtweise kriegen Sie aber nur hin, wenn Sie vor der Ohnmacht der Männer (95 % aller Strafgefangenen, 90% aller Obdachlosen, 70% aller Selbstmörder, die Mehrzahl der Arbeitslosen, Krebskranken, Schulabbrecher, Alkoholiker, Drogenabhängigen, Spielsüchtigen) die Augen fest verschließen.
Aber so was von fest...
halmackenreuter
Ich kenne diese Frau nicht und kann mit der Diskussion kaum noch etwas anfangen. Frau Voss scheint - nach meinen Recherchen - nicht zum Team der SZ zu gehören, sondern es handelt sich um eine kinderlose Quotenfrau im Öffentlichen Dienst in NRW.
Hat sie Kinder? Hat sie jemals mit türkischen oder arabischen Jugendlichen zusammengearbeitet, oder es wenigstens versucht? Hat sie Mädchen bei der Berufswahl unterstützt? Hat sie sich bei Chefs entschuldigt, wenn das Kind "schon wieder!!!!" - also zum zweiten mal dieses Jahr - krank ist? Hat sie die abstrusen Begründungen je zur Kenntnis genommen, mit denen die angeblich so beanchteiligten Ausländer nun gefördert werden sollen/müssen/können - mit Geld, was anderen weggenommen werden soll/muss?
Ich werde aus dem Wirrwarr zwischen erwachsenen Frauen (die für ihr Frau-sein nichts können) und arabischen Jugendlichen (die für Schuleschwänzen und Kriminalität sehr wohl etwas können) nicht so recht schlau.
Noch interessanter ist für mich die Lebenserfahrung von einem gewissen ds37 - eine Firma, in der Überstunden bezahlt werden - und dann auch noch mit 125%.
Habe sehr gelacht.
Wo befindet sich denn diese Firma?
Paging