Von Jens Schneider

Schon Grundschüler sollen künftig über den Nationalsozialismus aufgeklärt werden. So wollen es die sozialdemokratischen Bildungsminister.

Die sozialdemokratischen Bildungsminister wollen, dass an deutschen Schulen künftig wesentlich früher als bisher die Grundprinzipien der Demokratie und die Gefahren von Diktaturen vermittelt werden. Damit soll auf die starken Wissensdefizite von Schülern über den Nationalsozialismus und die DDR reagiert und das Bewusstsein für den Wert der Demokratie gefördert werden.

Schüler, dpa

Schulunterricht: In den fünften und sechsten Klassen sollen Schüler fundierte Kenntnisse vor über die beiden deutschen Diktaturen erwerben. (© Foto: dpa)

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Bereits in der Grundschule sollen Kinder künftig die Unterschiede zwischen Demokratie und Diktatur erlernen. In den fünften und sechsten Klassen könnten Schüler dann auch fundierte Kenntnisse der jüngeren deutschen Geschichte, vor allem über die beiden deutschen Diktaturen, erwerben. Die Bildungsminister von Brandenburg, Bremen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Berlin haben jetzt einen entsprechenden Antrag an die Kultusministerkonferenz vorgelegt. Ihr Ziel ist ein bundesweit verbindliches Konzept aller Länder zur "Stärkung der Demokratieerziehung".

Fundierte Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus

Es soll für das Jahr 2009 zum 60. Jahrestag des Grundgesetzes und zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR entwickelt werden. "Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Demokratie beschädigt oder ausgehöhlt wird", heißt es im Antrag der SPD-Minister.

Sie verweisen ausdrücklich auf die hohe Zahl rechtsextremistisch motivierter Straftaten in Deutschland. "Kinder und Jugendliche sollen bereits in jungen Jahren erkennen können, dass demokratische Grundwerte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität niemals zur Disposition stehen dürfen." Schon in der Grundschule soll eine fundierte Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Gewalt und Intoleranz gefördert werden.

Recht auf Mitwirkung

Der Antrag ist auf Initiative von Brandenburg entstanden und schlägt auch vor, dass der Umgang mit der Geschichte der SED-Diktatur stärker in die Aus- und Fortbildung von Lehrern einbezogen wird. Zuletzt wurde, auch von früheren DDR-Bürgerrechtlern, kritisiert, dass die Beschäftigung mit der DDR-Geschichte vernachlässigt werde. Stärker als bisher sollen Gedenkstätten, Museen und Orte, an denen an Menschenrechtsverletzungen und staatliche Gewaltverbrechen erinnert wird, für den Unterricht genutzt werden.

Die Kultusministerkonferenz soll zudem durch Initiativen Kinder und Jugendliche zur Übernahme von Verantwortung in der Schule ermutigen. Dazu müsse das Recht auf Mitwirkung in den Schulen ausgeweitet und besonderes Engagement ausgezeichnet sowie "in Zeugnissen erwähnt" werden.

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(SZ vom 2.12.2008/bön)