An den Haaren herbeigezogen

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Die Prozesse um Barbara E. und Mehmet G. sind jedoch keine Einzelfälle. Vielmehr reihen sie sich ein in eine Kette aufsehenerregender Kündigungen der jüngsten Zeit: Im März 2009 kündigt eine Bäckerei-Kette in Bergkamen zwei Mitarbeitern, die einen Brotaufstrich gestohlen haben sollen. Im Februar 2009 wird eine Bäckereiverkäuferin in Friedrichshafen am Bodensee wegen eines Fehlbetrags von 1,36 Euro in der Kasse fristlos entlassen. Im September 2008 muss eine Krankenhausmitarbeiterin aus Hohenlohe gehen, weil sie angeblich zwei Brötchen gestohlen hatte. Und jedes Mal fragt eine erstaunte Öffentlichkeit: Rechtfertigt solch eine Kleinigkeit eine so harsche Reaktion?

G.s Anwalt Thomas Karl hält den Vergleich mit dem Fall Barbara E. für an den Haaren herbeigezogen. Der Arbeitgeber sei ein Entsorgungs- und kein Müllverarbeitungsunternehmen. "Es ist also klar, dass die Firma das Kinderbett in keiner Form behalten wollte. Müll ist herrenlos - und kein Firmeneigentum. Also hat Herr G. auch keinen Diebstahl begangen. Und wo kein Vergehen, da auch keine Kündigung." Zudem sei die Reaktion des Vorgesetzten nicht verhältnismäßig. "Herr G. war neun Jahre im Unternehmen tätig, da hätte die Firma schlimmstenfalls eine Abmahnung aussprechen dürfen."

Die Gegenseite behauptet nun, eine Abmahnung hätte es zuvor bereits gegeben - wegen einer geklauten Rolle Toilettenpapier. Den Beweis dafür blieb sie vor Gericht jedoch schuldig.

Inzwischen ist der Fall so festgefahren, dass beide Seiten einen von der Richterin angeregten Vergleich ablehnten. Für Mehmet G., der immer noch arbeitssuchend ist, geht es um seinen guten Ruf. Er möchte nicht als Dieb dastehen.

Günstige Leiharbeiter

Worum es hingegen der Entsorgungsfirma geht, ist nicht so einfach zu erklären: Da in Mannheim noch mehrere Kündigungsprozesse gegen das Unternehmen laufen, beäugt man dessen Personalpolitik in der Stadt kritisch. Es wird gemunkelt, der Entsorger wolle die Festangestellten loswerden und durch günstigere Leiharbeiter ersetzen. Die Firma selbst will zu den Gerüchten - wie auch zum laufenden Verfahren - keine Stellungnahme abgeben.

Sollte das Arbeitsgericht Mehmet G.s Kündigung heute für rechtens erklären, ist der Streit wohl noch lange nicht beigelegt: "Wir ziehen durch alle Instanzen", sagt Anwalt Karl.

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  1. Wem gehört der Müll?
  2. Sie lesen jetzt "Müll ist herrenlos - kein Firmeneigentum"
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(sueddeutsche.de/tob)