Von Jutta Göricke

So mancher Bewerber wird in der dritten Vorstellungsrunde zum Abendessen ins Nobelrestaurant eingeladen. Wer dabei den Mund zu voll nimmt, kommt gar nicht gut an.

Essen tut der Mensch, weil er Hunger hat. Das stimmt nicht immer. Wer sich auf die Vertriebsleiterstelle beworben hat und in der dritten Vorstellungsrunde zum Abendessen ins Nobelrestaurant eingeladen wird, hat keinen Hunger. Er isst, weil er zeigen will, dass er gesellig ist - und zwar auf hohem Niveau. Dabei ist die gekonnte Nahrungsaufnahme nur ein Teil der Prüfung, die er zu bestehen hat. Genauso wichtig ist es, gekonnt mit den Tischnachbarn zu parlieren, ohne sich allzuviel Mut anzutrinken.

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Geschäftsessen: Eine Gabel ist nicht zum Rumfuchteln gedacht - schon gar nicht vor der Nase des Tischnachbarn. (© Foto: ddp)

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Mancher mag es nicht glauben. Aber es muss aus gegebenem Anlass gesagt werden: Schmatzen und Schlürfen wird nur in China gerne gehört, bei uns nicht. Beide Hände gehören auf den Tisch - aber nicht bis zum Ellbogen. Und das Jackett legt man allenfalls ab, nachdem der Gastgeber es vorgemacht oder dazu aufgefordert hat.

Wie die Weingläser am schönsten klingen

Soweit zum Grundsätzlichen. Die Feinheiten beginnen mit den obligatorischen Brötchen, die gerne vor dem Essen gereicht werden. Merke: Man schneidet sie nicht, sondern bricht sie. Das kleine Messer benutzt man nur für den Brotaufstrich. Selbstredend fängt man erst nach dem Gastgeber mit dem Essen an. Und damit die Weingläser beim Anstoßen schön klingen, fasst man sie am Stiel an. Das gilt auch ohne Anstoßen.

Schön, jetzt kann es losgehen. Doch Vorsicht: Messer und Gabel sind keine Badmintonschläger. Man hält sie leicht am unteren Griffende und vermeidet grelles Schaben auf dem Porzellan. Legt man Messer und Gabel gekreuzt auf dem Teller ab, wobei der Gabelrücken nach oben zeigt, kann man sicher sein, dass der Kellner einem noch nicht den Teller entreißt, weil er weiß, dass man nur mal kurz pausiert. Schließlich will man nicht wie ein Scheunendrescher wirken. Erst wenn das Mahl beendet ist, legt man das Besteck ab, parallel zueinander, das Messer mit der Schneide zur Gabel und die Gabel auf dem Rücken.

Auf Abstand bleiben

Es versteht sich von selbst, dass Gabeln nicht zum Rumfuchteln gedacht sind, etwa um vor der Nase des Nachbarn ein Argument zu bekräftigen. Überhaupt sollte man auf Abstand bleiben. Jeder Mensch hat eine Intimzone und empfindet es als unangenehm, wenn Unbefugte dort eindringen. Das gilt auch für freundlich gemeintes Schulterklopfen.

Lautes Reden kommt nicht gut an. Selbst wenn der entscheidende Personalverantwortliche am anderen Ende des Tisches sitzt und hochinteressiert an den Ausführungen des Kandidaten ist: Angebrüllt werden will er deshalb nicht. Außerdem ist es passend, hin und wieder zuzuhören. Das bietet sich besonders dann an, wenn man den Mund voll hat.

Auf der nächsten Seite: Von welchen Speisen man besser die Finger lassen sollte, weil sie nicht einfach zu essen sind.

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