In einer Petition beim Bundestag wird gefordert, Praktika in Jobs umzuwandeln. Es gibt schon mehr als 23.000 Unterschriften.
Die politische Reaktion kommt spät, fast zehn Jahre nachdem Pierre Bourdieu Alarm geschlagen hat. 1997 sagte der französische Soziologe in seiner Rede "Prekarität ist überall" einen Satz, dessen Brisanz sich heute voll offenbart: "Arbeitslose und Arbeitnehmer, die sich in einer prekären Lage befinden, lassen sich kaum mobilisieren, da sie in der Fähigkeit, Zukunftsprojekte zu entwerfen, beeinträchtigt sind."
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Wer ständig von einem Praktikum zum nächsten springe, stets befürchten müsse, für den nächsten befristeten Job umziehen zu müssen, dem sei "jede rationale Vorwegnahme der Zukunft verwehrt", vor allem aber "jenes Mindestmaß an Hoffnung und Glauben an die Zukunft, das für eine kollektive Auflehnung gegen eine unerträgliche Gegenwart notwendig ist."
Aufstand der Praktikanten
Und wirklich: Bisher sah es so aus, als ob selbst die Akademiker unter den prekär Beschäftigten kaum Forderungen stellten, geschweige denn für sie auf die Straße gingen. Das könnte sich nun ändern: Vielleicht schafft sich die Generation Praktikum bald selbst ab.
Bis Sonntagmittag zumindest waren 23.624 Menschen dafür. So viele Unterstützer hat eine öffentliche Petition beim Deutschen Bundestag bisher gefunden, welche die Ausbeutung von Akademikern mittels Praktika anprangert.
Ende der Geisterstunde
In der Petition mit der Nummer 142 heißt es: "Der Bundestag möge beschließen, dass Praktika von Hochschulabsolventen, die länger als drei Monate dauern und in dem Berufsbild abgeleistet werden, für das der Hochschulabsolvent ausgebildet wurde, in ein reguläres Arbeitsverhältnis umgewandelt werden."
Sollten die Abgeordneten den Text in ein Gesetz übernehmen, wäre das ein massiver Eingriff in den Arbeitsmarkt, aber auch der Gongschlag, der für das gesellschaftliche Gespenst namens "Generation Praktikum" das Ende der Geisterstunde bedeuten würde.
Online unterzeichnen
Noch bis zum 14. Juni kann das Ansinnen auf der Internetseite des Bundestags unterzeichnet werden (www.bundestag.de/petitionen).
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