Interview: Christine Demmer

In der Krise waren Boni verpönt, jetzt ist die variable Vergütung wieder auf dem Vormarsch. Wer richtig verhandelt, kann einiges rausholen, sagt Thorsten Petry von der Wiesbaden Business School.

In der Finanzkrise gerieten Bonuszahlungen an Manager heftig unter Beschuss. Viele Unternehmen senkten daraufhin die Extra-Zahlungen. Zwei Jahre später ist davon nichts mehr zu hören. Im Gegenteil: Der Bonus ist wieder die gängige Variante der variablen Vergütung für das Führungspersonal. Das belegt eine von Hay Group und Bertelsmann-Stiftung initiierte Studie, die Professor Thorsten Petry von der Wiesbaden Business School betreut hat.

Berlin, Paris und London gemeinsam gegen Banker-Boni Bild vergrößern

Die Boni steigen wieder - einigen Arbeitnehmern könnte das höhere Gehälter bescheren. (© dpa)

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SZ: Wie verbreitet ist die variable Vergütung in Deutschland?

Petry: Fast alle Unternehmen spornen ihre Führungskräfte mit einem erfolgsabhängigen Extra-Einkommen an. In unserer Befragung haben 92 Prozent der teilnehmenden Firmen angegeben, ein entsprechendes System für mindestens eine Mitarbeitergruppe zu führen. Für das Top-Management und die leitenden Angestellten ist der Bonus die beliebteste Variante der variablen Vergütung. Er wird in 84 Prozent aller Unternehmen gewährt, häufig noch ergänzt durch langfristige Incentive-Systeme.

SZ: In welcher Größenordnung?

Petry: Die Zielhöhe der variablen Vergütung beträgt für das Top-Management bis zu 60 Prozent des Grundgehalts. Leitende Angestellte kommen im Schnitt auf 45 Prozent. Mitarbeiter des außertariflich vergüteten Bereichs können bis zu 20 Prozent erwarten, Tarif-Mitarbeiter zwischen sieben und zehn Prozent.

SZ: Der erfolgsabhängige Gehaltsanteil ist also bei Spitzenmanagern am höchsten?

Petry: Ja, nach der Krise wie vor der Krise. Überraschend ist, dass die während der Turbulenzen häufig gehörte Bekundung von Unternehmen, die variablen Gehaltsbestandteile verringern zu wollen, empirisch nicht erkennbar ist. Für die Zukunft rechnen die Teilnehmer allerdings nicht mit einem deutlichen Anstieg. Sie erwarten aber, dass die Führungskräfte noch stärker am Erreichen der langfristigen Ziele gemessen werden.

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