Gehalt Lehre, Meister, Studium: Bildung lohnt sich!

Je höher der Bildungsabschluss, desto höher auch das Einkommen.

(Foto: Sead Mujic)

Klar, der studierte Zahnarzt verdient mehr als der ungelernte Hilfsarbeiter. Aber ist ein Uniabschluss aus finanzieller Sicht immer die beste Wahl?

Gastbeitrag von Ludger Wößmann

Viele Menschen lassen sich bei ihrer Ausbildung vom Zeit- und Kostenaufwand einer höheren Qualifikation abschrecken. Wer sich überlegt, ob er einen höheren Bildungsabschluss machen soll, trifft letztlich eine Investitionsentscheidung. So verzichtet man während eines Studiums zunächst für mehrere Jahre auf Erwerbseinkommen. Zumeist besteht die Hoffnung, durch das Studium später ein höheres Einkommen erzielen zu können. Aber reichen die späteren Einkommenszuwächse aus, um die ursprünglichen Einbußen zu kompensieren?

Ganz ähnliche Überlegungen stellt jemand an, der eine Fortbildung vom Gesellen zum Techniker oder Meister in Erwägung zieht: Lohnt sich das unter dem Strich, wenn man die späteren Einkommenszuwächse den ursprünglichen Kosten und Einkommensausfällen gegenüberstellt? Auch schon bei der Lehre muss man sich überlegen, ob es sich lohnt, während der Lehrlingszeit Einkommenseinbußen im Vergleich zu einer ungelernten Tätigkeit in Kauf zu nehmen.

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In einer neuen Studie des ifo Zentrums für Bildungsökonomik im Auftrag von Union Investment bin ich zusammen mit Franziska Kugler und Marc Piopiunik genau diesen Fragen nachgegangen. Anhand der Daten des Mikrozensus, der amtlichen Repräsentativstatistik über die Bevölkerung in Deutschland, haben wir berechnet, wie hoch die Erträge verschiedener Bildungsabschlüsse im gesamten Lebensverlauf tatsächlich ausfallen. Der Mikrozensus liefert uns Informationen über das Nettoeinkommen von über einer Million Personen im erwerbsfähigen Alter. Da Erträge generell umso beliebter sind, je schneller sie anfallen, diskontieren unsere Berechnungen spätere Erträge ab, um sie in heutigen Geldwerten auszudrücken.

Das Ergebnis der Berechnungen ist eindeutig: Unter dem Strich bringt jeder höhere Bildungsabschluss über das gesamte Erwerbsleben zwischen 22 und 64 Prozent mehr Einkommen.

Als erstes betrachten wir das Monatseinkommen von Personen, die in Vollzeit arbeiten. Mit einer Lehrausbildung verdienen sie im Durchschnitt 15 Prozent mehr als ohne beruflichen Ausbildungsabschluss. Das sind monatlich 250 Euro netto. Eine Ausbildung zum Meister oder Techniker im Anschluss an eine Lehre erhöht das Einkommen jeden Monat zusätzlich um 490 Euro netto; ein Plus von 26 Prozent im Vergleich zur Lehre. Personen mit Fachhochschulabschluss verdienen monatlich 1 100 Euro mehr als Personen mit Lehrabschluss, Universitätsabsolventen sogar 1680 Euro.

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Darüber hinaus erhöht ein höherer Bildungsabschluss aber auch die Wahrscheinlichkeit, überhaupt eine Beschäftigung zu finden. Bei Personen mit Lehrabschluss liegt die Arbeitslosenquote bei sieben Prozent und damit mehr als zwölf Prozentpunkte niedriger als bei Personen ohne berufsbildenden Abschluss, die eine Arbeitslosenquote von über 19 Prozent aufweisen. Bei Personen mit Meister/Techniker-Abschluss und bei Hochschulabsolventen liegt die Arbeitslosenquote sogar unter drei Prozent.

Um zu beurteilen, ob sich ein Bildungsabschluss insgesamt lohnt, werden die Einkommensströme über den gesamten Lebenszyklus miteinander verglichen. Dabei werden die ursprünglichen Einkommensausfälle während der Ausbildungszeit den später höheren Einkommen, die durch den Bildungsabschluss entstehen, gegenübergestellt.

Über das gesamte Arbeitsleben betrachtet liegt das Einkommen von Personen mit einer Lehrausbildung um gut 140 000 Euro über dem Lebenseinkommen von Personen ohne beruflichen Ausbildungsabschluss. Bei Personen mit Meister/Techniker-Abschluss wiederum fällt das Lebenseinkommen knapp 130 000 Euro höher aus als bei Personen, deren höchster Abschluss eine Lehre ist. Das Lebenseinkommen von Fachhochschulabsolventen liegt 267 000 Euro höher als bei Personen mit einer abgeschlossenen Lehre. Bei Universitätsabsolventen beträgt dieser Einkommensvorteil sogar 387 000 Euro. Wenn das Studium auf dem zweiten Bildungsweg erworben wurde, also im Anschluss an eine Berufsausbildung, liegen die Erträge etwas niedriger, fallen mit 261 000 Euro für ein Fachhochschul- und 288 000 Euro für ein Universitätsstudium aber immer noch sehr hoch aus.