Nach dem Amoklauf von Winnenden fordert der Philologenverband eine Gefahrenzulage für Lehrer. Die GEW nennt den Vorstoß peinlich: Pädagogen bräuchten nicht mehr Geld, sondern mehr Zeit für ihre Schüler.

Der Vorsitzende des deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, hat nach dem Amoklauf von Winnenden eine Gefahrenzulage für Lehrer ins Gespräch gebracht. Meidinger sagte der Bild-Zeitung: "Der Amoklauf hat erneut gezeigt, dass Lehrer in ihrem Beruf immer öfter zum Hassobjekt werden. Man könnte jetzt über eine Art Gefahrenzulage nachdenken."

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Heinz-Peter Meidinger vom Philologenverband: Der Verbandschef will eine Gefahrenzulage für Lehrer. (© Foto: dpa)

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Zumindest müssten die Lehrer finanziell bessergestellt werden, sagte Meidinger. Damit würde gleichzeitig deutlich gemacht, wie schwierig und komplex der Lehrerberuf geworden sei.

Die Forderung stieß bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auf Unverständnis. "Für die Lehrer gibt es Wichtigeres als eine Gefahrenzulage - nämlich die Betroffenen vor Ort zu unterstützen, sowie Vorbereitung auf solche Gefahren und vor allem Vorbeugung", sagte der Sprecher des GEW-Landesverbands Baden-Württemberg, Matthias Schneider.

Zu viel Arbeits- und Leistungsdruck

Schneider forderte auch Angebote für Lehrer und Schüler, die jetzt mit Angst in die Schule kämen. "Wir können uns nicht hinter die Forderung der Philologen stellen, denn die Unterstützung der Lehrer muss nicht durch Geld geschehen."

Die Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule, Marianne Demmer, bezeichnete den Vorschlag als "peinlich". Der Philologenverband schlage einen falschen Weg vor, der "weder den tragischen Ereignissen noch den Bedürfnissen der Lehrkräfte gerecht wird". Notwendig seien eine Weiterentwicklung der Präventionsangebote und mehr Fortbildungen für Pädagogen zum Thema Gewalt in Schule und Gesellschaft. Zudem müsse der Arbeits- und Leistungsdruck gesenkt werden. "Lehrkräfte brauchen mehr Zeit für die Schülerinnen und Schüler", fügte sie hinzu.

"Absurde Forderung"

Auch der Realschullehrerverband sprach von einer "absurden" Forderung. "Lehrerin ist nicht ein Beruf, den ich mit Gefahrenzulagen in Verbindung bringe", sagte Landeschefin Rita Haller. "Es wird der Sache nicht gerecht, wenn man durch diese Forderung alle Jugendliche in die Ecke eines Bedrohungspotenzials stellt. Unsere Kinder und Jugendlichen sind nicht gefährlich, sondern liebenswerte Menschen, mit denen wir gerne arbeiten."

Der Amok-Täter von Winnenden habe sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden. Die Diskussion um Gefahrenzulagen schüre neue Ängste und stoße bei den Schülern auf Unverständnis. Das Kultusministerium verzichtete auf eine Stellungnahme

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(dpa/bön)