"Gebührenkompass"-Studie Zahl der Studiengebühren-Gegner steigt

Es herrscht große Unzufriedenheit unter deutschen Studenten. Die meisten sprechen sich für eine Abschaffung der Studiengebühren nach hessischem Vorbild aus.

Die Mehrheit der deutschen Studenten ist laut einer Umfrage für eine Abschaffung der Studiengebühren nach dem Vorbild Hessens.

Proteste gegen Studiengebühren; ddp

Die meisten Studenten - wie hier in Düsseldorf - sind gegen Studiengebühren.

(Foto: Foto: ddp)

Trotz der sogennannten Campus-Maut sehen drei Viertel der davon betroffenen Studenten keine Verbesserung der Situation an den deutschen Hochschulen. Dies geht aus einer bundesweiten Erhebung der Universität Hohenheim hervor. Mehr als 6100 Studenten wurden an 54 Universitäten in Bundesländern mit Studiengebühren befragt.

63 Prozent der betroffenen Studenten wollen keine Gebühren mehr zahlen, auch weil sie unzufrieden mit der Information über die Verwendung der Gelder seien. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Gegner damit um 3 Prozent gestiegen.

Auf einer Notenskala von 1 bis 6 beurteilen sie die Ausgabenpolitik ihrer Hochschule im Schnitt mit 4,55. "In der Schule wäre das gerade noch 'ausreichend' bis 'mangelhaft'", sagt der Leiter der Gebührenkompass-Studie, der Hohenheimer Marketingprofessor Markus Voeth.

Am geringsten sei die Unzufriedenheit noch an den Universitäten in Bayreuth, Clausthal-Zellerfeld, Konstanz, Bamberg und Aachen. Unter den Ländern schneiden Bayern und Baden-Württemberg noch am besten ab.

Laut Studie ist offenbar die schlechte Informationspolitik vieler Hochschulen mitverantwortlich für die ablehnende Haltung der Studenten. Insgesamt fühlten sich 85 Prozent der Studierenden nicht ausreichend informiert. Sobald diese sich besser informiert fühlen, steige auch ihre Zufriedenheit mit der Gebührenverwendung deutlich, betont Voeth.

Die Studenten müssten zudem die Verbesserungen am eigenen Leib spüren, ergänzt der Hochschulexperte Ulrich Müller vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). "Für Studenten ist schwer einsichtig, warum sie für die Infrastruktur aufkommen sollen ... Aber sobald die Hochschulen anfangen, mit dem Geld zusätzliches Lehrpersonal einzustellen, wird der Nutzen für die Studenten greifbarer, dann nimmt auch ihre Zustimmung zu."

Auffallend sei, dass die Unzufriedenheit derzeit noch flächendeckend sei. Bundesweit habe es keine Universität geschafft, eine Bewertung zu erhalten, die überdurchschnittlich sei und damit oberhalb des Skalen-Mittelwerts von 3,5 liege.

Für Studiengebühren sprachen sich nur 17 Prozent der Gebührenzahler aus (Vorjahr: 15). Hochburgen der Gebührengegner seien die Universität Hildesheim (86 Prozent) sowie die Braunschweiger Hochschule für bildende Künste (86 Prozent) und die Universitäten Vechta (81 Prozent), Darmstadt (79 Prozent) und Gießen (78 Prozent).

Extrem stark sei der Wunsch nach Abschaffung der Gebühren in Hessen gewesen: Dort sprachen sich rund 85 Prozent der Studierenden für die Abschaffung aus, die vor kurzem tatsächlich beschlossen wurde.

In rund 6.150 Einzelinterviews hatten Studenten des Hohenheimer Lehrstuhls für Marketing die Zufriedenheit der Studierenden an allen 54 Universitäten mit Studiengebühren im Mai 2008 abgefragt.