Von der Linksfraktion bis zur Müllabfuhr: Alle sind "gut aufgestellt". Warum finden Manager nicht den Mut, Floskeln durch überraschende Aussagen zu ersetzen?
Fragt man einen Manager, ob er persönliche Konsequenzen aus dem Milliardenverlust seines Unternehmens ziehen wird, lautet die Antwort meist etwa so: "Der Verlust ist natürlich bedauerlich, aber wir haben uns jetzt restrukturiert und sind für die Zukunft gut aufgestellt, deshalb sehe ich keinen Anlass, persönliche Konsequenzen zu ziehen." Manager können noch so tief im Morast stecken, das Wasser kann ihnen bis zum Hals stehen, aber eines werden sie dabei immer sein: gut aufgestellt.
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Gut aufgestellt sind sie alle. Aber was genau soll das eigentlich heißen? (© Foto: dpa)
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Die Floskel, gelegentlich noch gesteigert durch ein "sehr gut aufgestellt" oder ein "hervorragend aufgestellt", ist eines der größten Übel in der modernen Wirtschaftswelt. Wer allein die Meldungen der letzten Woche durchgeht, findet sie in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft.
Das Modehaus Appelrath-Cüpper hat sich mit zahlreichen Maßnahmen gut für die Zukunft aufgestellt. Der agrarpolitische Sprecher der Linksfraktion im Brandenburger Landtag sagte, märkische Produkte seien im Agrarbereich gut aufgestellt, deshalb brauchten ihre Stände auf der Grünen Woche eine bessere Platzierung (um nicht zu sagen: Aufstellung, die Red.). Energie Cottbus fühlt sich auch ohne Innenverteidiger Igor Mitreski, der den Verein verlassen hat, auf dieser Position gut aufgestellt. Der Lebensmittelriese Kraft erklärte, gut aufgestellt zu sein, ebenso die französische Bank Société Générale. Baden-Württembergs scheidender Ministerpräsident Günther Oettinger fühlt sich "in jeder Hinsicht und für jedes Amt in der EU gut aufgestellt".
Fehlt nur noch die Trauerhilfe
Analysten sehen den Versicherer Swiss Life "vor allem im Bereich Leben gut aufgestellt". Es fehlte nur eine Mitteilung der Trauerhilfe Denk, sie sehe sich im Bereich Tod gut aufgestellt. Dafür gab es einen Hinweis von Barbara Schleihagen vom Deutschen Bibliotheksverband, in Baden-Württemberg seien die Bibliotheken noch vergleichsweise gut aufgestellt, was hoffentlich auch für die darin befindlichen Regale gilt.
Niemand hätte es bisher für möglich gehalten, aber auch die Berliner Müllabfuhr ist "gut aufgestellt, trotz aller Probleme, durch den mehligen Matsch an die Abstellplätze zu kommen", wie sie angesichts des Wintereinbruchs verbreitete. Ob eine gut aufgestellte Müllabfuhr wirklich so eine gute Idee ist, sei dahingestellt. Schließlich soll sie ja fahren und nicht gut aufgestellt herumstehen. Das ist überhaupt das Grundproblem des Ausdrucks: "Aufgestellt" signalisiert etwas sehr Statisches, man hat da jetzt etwas hingestellt und dort bleibt es auch. Dabei braucht man in unseren turboschnellen Zeiten doch Dynamik, Flexibilität, anpassungsfähige Strukturen.
Das stellt es einem die Nackenhaare auf
Die Floskel ist zudem so nichtssagend und verbraucht, dass es einem die Nackenhaare aufstellt, wenn man sie hört. Wie wohltuend wäre es, eine Führungskraft zu hören, die das Gegenteil sagt. Aber der einzige bekannte Manager, der sein Team absichtlich schlecht aufgestellt hat, war Sepp Herberger im Vorrundenspiel der WM 1954 gegen Ungarn, als er schon qualifiziert war und die eigene Elf mit der zweiten Garnitur auflaufen ließ, was auch wunderbar klappte: Die Ungarn gewannen 8:3, unterschätzten danach die Deutschen und verloren das Finale mit 2:3. Solche Manager müsste es öfter geben, dann hätte man auch wieder mehr Lust, ihnen zuzuhören. "Leider habe ich mein Unternehmen schlecht aufgestellt, deshalb hat man mich jetzt freigestellt."
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(SZ vom 18.01.2010/holz)
Konsequenz der Loveparade-Katastrophe
Solche Floskeln kommen erstaunlicherweise immer von "Managern", niemals von echten Unternehmern.
Da Manager in der Regel nicht mal genau wissen, welche Produkte und Dienstleistungen in Ihrer Firma angeboten werden, greift man gerne auf nichtssagende Floskeln zurück, das ist halt unverfänglich.
Interessant ist auch, dass sich die Märkte und Kunden jedes Jahr in völlig unvorhergesehener Weise verändern, sodass man sich dann "wieder neu aufstellen" muss. Natürlich ist man danach besser aufgestellt als je zuvor, wie auch unserer Wäsche jedes Jahr weisser wird.
Aber nachbabbeln war schon immer einfacher als selbst ausdenken.
Worthülsen und Floskeln werden doch eben darum gesagt, um inhaltlich nichts zu sagen.
Das ganze Leben ist ein Kampf, in dem man sich mit guten Bataillonen durchsetzen muss.
In der Floskel "gut aufgestellt" spiegelt sich daher die Kampfbereitschaft bzw. Kampfeslust des Managers oder Politikers unserer Zeit. So wie ein militärisches Heer oder eine Sportmannschaft zum Kampf gegen den Gegner aufgestellt wird, so rüsten auch Manager und Politiker ständig zum Kampf gegen den Gegner.
Wer so durchs Leben geht, befindet sich in einer ständigen Abwehr- bzw. Agressionshaltung gegenüber seiner Umwelt.
Es sind fast ausschließlch materialistisch geprägte Menschen, denen Begriffe wie Freundschaft, Solidarität und vor allem Liebe völlig abhanden gekommen sind. Dazu gehört auch, dass sie z.B. auch jeglichen Glauben an einen Herrgott verloren haben, da sie gegen ein derartig "unsichtbares Wesen" nicht kämpfen können. Arme Menschen sind das im Grunde genommen.
Es ist daher nicht verwunderlich, wenn in fast allen Lebenszweigen das Misstrauen und die Ellbogengesellschaft Oberhand gewinnt.
Christus ist am Kreuz für diese Menschheit gestorben. Selber schuld würden dazu wohl die heutigen Manager und Politiker sagen - hätte er sich doch "besser aufgestellt".
... um nicht mit Floskeln um sich zu werfen, müsste man erst einmal was Substantielles zu sagen haben. Und zuallererst natürlich einen berichtenswerten Gedanken...
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