. . . braucht man sich im Unternehmen ums Talentmanagement auch keinen Kopf mehr zu machen. Der Nachwuchs bewirbt sich ohnehin lieber woanders.
Der Aufreger dieser Tage ist zweifellos "Telekomgate", die desaströse Affäre bei der Deutschen Telekom, die über Jahre Gesprächsverbindungen zwischen Managern und Journalisten auskundschaften ließ. Dabei befindet sich der Platzhirsch unter den sogenannten Telekommunikationsdienstleistern in bester schlechter Gesellschaft angesichts der jüngsten Skandale in deutschen Unternehmen: Bordellbesuche auf Spesen bei VW, Mitarbeiterbespitzelungen bei Lidl, der weltumspannende Korruptionssumpf bei Siemens.
Handfester Firmenskandal bei der Telekom: Qualifizierte Mitarbeiter machen derzeit lieber einen Bogen um das Unternehmen. (© Foto: dpa)
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Die größte öffentliche Aufmerksamkeit findet nach der Aufdeckung von allerlei solch fragwürdigen Praktiken gewöhnlich deren juristische Aufarbeitung - besonders, wenn sie in spektakulären Gerichtsverhandlungen gegen die Hauptakteure münden. Aber die größte Strafe, die in Verruf geratene Unternehmen jenseits aller Urteile im Namen des Volkes ereilen kann, wird wohl weithin unterschätzt: der Ansehensverlust. Der kann mittelfristig viel teurer zu stehen kommen als millionenschwere Geldbußen oder der teure Aufbau einer Compliance-Abteilung.
Klarer Wettbewerbsvorteil
Alle Welt redet vom Kampf um die Talente, jenen so fabelhaft ausgebildeten und selbstbewussten wie zugleich stets fluchtbereiten Wesen, ohne deren Zugeneigtheit Unternehmen über kurz oder lang einpacken können. "Beim Kampf um Talente sind Kultur und Ruf wichtiger als die Höhe der Gehälter", schallte es unlängst aus der Wirtschaftswoche, die fein säuberlich die beim Nachwuchs beliebtesten Arbeitgeber auflistete.
Da braucht es gar keinen handfesten Firmenskandal, auch die schlechte Nachricht vom Abbau einiger tausend Arbeitsplätze wie etwa vor wenigen Monaten bei BMW reicht schon, um vielversprechende Studenten zu vergraulen. Oder nehmen wir die Unternehmensberatung Boston Consulting, die fast 5000 Führungskräfte rund um den Globus nach den ihrer Ansicht nach wichtigsten Herausforderungen fragte.
Aufgebrezelte Recruiting-Festivals
Ob in Argentinien oder Australien, Indien oder Südafrika, ob in London oder Ludwigshafen - auf Rang eins steht überall das Thema, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und langfristig ans Unternehmen zu binden. "Ob Kraftwerkstechniker oder der IT-Programmierer einer Bank: Es könnte bald schwieriger werden, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu halten, als über einen Börsengang Kapital zu beschaffen", fasst Boston-Consulting-Partner Rainer Strack das auf viele Firmen zurollende Hauptproblem zusammen. Wer in der Gunst der Mitarbeiter punkten kann, verschafft sich also einen klaren Wettbewerbsvorteil. Die schrumpfende Zahl junger Menschen in den westlichen Ländern und die steigende Nachfrage nach Mitarbeitern in den boomenden Schwellenländern machen die Suche nach Spitzenkräften in Zukunft keineswegs leichter.
Umso schwerer ist verständlich, warum sich Unternehmensmanager in nicht geringer Zahl so ungeniert verhalten wie ihre Vorläufer im Frühkapitalismus. Aber die Zeiten, da einem ungebildete, ohnmächtige, von Existenznöten geplagte Proletarier anstrengungslos zuströmten, sind lange vorbei. Nicht, dass diese abstrakte Erkenntnis nicht Niederschlag gefunden hätte in aufgebrezelten Recruiting-Festivals und Glanzbroschüren zum vortrefflichen "Human-Resources-Management", das einem so am Herzen liege. Umso rätselhafter, woher Manager den Mut zu talenteabschreckendem Gebaren nehmen.
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(SZ vom 2.6.2008/bön)
"Umso schwerer ist verständlich, warum sich Unternehmensmanager in nicht geringer Zahl so ungeniert verhalten wie ihre Vorläufer im Frühkapitalismus":
Das ist doch wirklich nicht schwer zu verstehen, das ist Hybris im Endstadium. Die wissen (unbewußt), daß es mit der Herrlichkeit bald vorbei ist, da nimmt jede Ratte noch mit, was sie kriegen kann, bevor die Blase platzt.
eigentlich gehörte der telekom aufgrund erwiesener unzuverlässigkeit die erlaubnis zum anbieten von kommunikationsdienstleitungen entzogen! ein privatmann, der in seinem job ähnliche verbrechen begeht und seine (vertrauens-)stellung mißbraucht, muss damit rechnen, dass ihm ein berufsverbot auferlegt wird. und das mit der telekom scheint kein minderschwerer fall zu sein.
Sagte der Personalvorstand und beschloss, fortan alle abgehenden Mitarbeiter ausschließlich durch Zeitarbeiter zu ersetzten.
Das ist genau so, wie die Unternehmensleitbilder die von Beratern geschrieben wurden und ISO-9000-Zertifikate, die ein von einem Diplomanden implementiertes QMS zertifizieren. Wenn die Wirtschaft nur halb so viel "Geiz-ist-geil-Mentalität" an den tag legen würde ginge es ihr in vielen Belangen besser.
Auf der anderen Seite kannn man den Verantwortlichen aucch nur bedingt einen Vorwurf machen. Wenn im Spannungsfeld kurzfristiger Renditeziele und persönlicher Karrierereplanung Ziele so vorgegeben werden, dass jedes langfristige Planen zum Karrierekiller wird, was kannn dann der Personaler dafür?
einer der wenigen, die das anscheinend begriffen haben ist Wendelin Wiedeking, der sich dem Unsinn der Quartalsberichte konsequent verschließt. Quartalsberichte gehören verboten!
"Umso schwerer ist verständlich, warum sich Unternehmensmanager in nicht geringer Zahl so ungeniert verhalten wie ihre Vorläufer im Frühkapitalismus"
... kommt davon wenn die Ziele heissen hohe Gewinnmaximierung in kurzer Zeit. Das ist die Messlatte. Nach relativ kurzer Zeit in denen sich eben durch Personaleinsparung sehr viel machen lässt gehen diese Herren und können vorweisen wie gut sie waren. Dass die Firma danach große Probleme bekommt wenn der Typ schon lange weg ist interessiert doch keinen mehr. Er hat gezeigt wie "gut" er im Sanieren ist.