Von Hermann Unterstöger

Wer hat mehr zu sagen: der Global Director Commerce oder der Global Head of Market Access? Und wie spricht man eigentlich CEO aus? Ein Blick in die Managerseele.

Am Rande der Frankfurter "Euro Finance Week" konnte man kürzlich ein eigenartiges Gespräch mithören. Zwei Männer mittleren Alters saßen in einem Café und hatten eine Doppelseite aus der FAZ vor sich, die auf edlem Grau die Köpfe von 120 Teilnehmern zeigte, samt deren Namen und den vollständigen Titeln.

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Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender, also CEO, der Deutschen Bank. Oder doch Zeo? (© Foto: dpa)

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Lange studierten sie die Galerie, dann seufzte der eine von ihnen auf. "Chairman hätte man werden sollen!" Der andere nickte zustimmend und griff den Faden auf: "Chairman, ja, das wär's." Nach einer kleinen Pause: "Chairman, du meine Güte! Sag mal, ist nicht der Theo, du erinnerst dich doch an ihn, ist der nicht Chairman oder so was geworden?" Sie schauten auf die Doppelseite, als könnte sie über ihren alten Kommilitonen Auskunft geben.

"Nö", sagte der eine schließlich, "der Theo ist kein Chairman, sondern Member, und zwar, wenn ich mich nicht täusche, Member of the Board bei der Dings, bei der - na, wird mir schon noch einfallen, jedenfalls hat man ihn dort zum Member of the..." - "Kann ich mir nicht vorstellen", warf der andere ein, "wieso sollte man einen wie ihn zum Member of the Board machen? Der Theo ist doch eher der Typ Member of the Management Committee oder aber, wenn es schon Member of the Board sein muss, dann lieber gleich Member of the Board of Managing Directors."

Sie ließen sich noch zwei Caffè latte kommen. "Du, sag mal", fragte der eine, "wer, glaubst du, hat mehr zu sagen, der Global Director Commerce oder der Global Head of Market Access?" - "Da würde ich die Hand nicht umdrehen", sagte der andere. "Mir hat mal jemand erzählt, dass es in entscheidenden Situationen auf diese zwei gar nicht so ankommt, da hört man viel mehr auf den Head of Internal Market and Services, wobei nie auszuschließen ist, dass dann letztlich der Head of Risk Management Practice die Sache an sich zieht und..." - "Dass ich nicht lache", unterbrach der Erste, "der Hartmut ist, wie du weißt, Head of Risk Management Practice, und nun frage ich dich: Hast du je gehört, dass der irgendwas an sich gezogen hätte, von der Kellnerin im Babalu mal abgesehen?"

Rang und Physiognomie

Wieder betrachteten sie die 120 Köpfe auf der Doppelseite. "Ob es wohl", sinnierte der eine, "einen Zusammenhang gibt zwischen Rang und Physiognomie?" - "Du meinst, ob ein Executive Vice President so oder so aussieht und ein Chief Executive Director wieder anders, ob also der eine typischerweise ein kantiges Kinn hat und der andere eher ein weiches?" - "Genau. Es muss ja nicht das Kinn sein, das kommt ja nicht erst mit dem Job. Aber dass ein Chief Risk Officer anders in die Welt schaut als ein Chief Operating Officer oder gar ein Group Chief Executive Officer, das lass' ich mir nicht nehmen."

Der andere dachte eine Weile nach. "Nach deiner Theorie könnten sich dann aber auch der Chief Executive Director for Banking Supervision und der Head of Global Transaction Banking zum Verwechseln ähnlich sehen, oder bringe ich da gerade was durcheinander?"

Versandetes Gespräch

Das Gespräch versandete. Dann setzte der eine neu an: "Wie spricht sich eigentlich der CEO aus? Zio? Sio? Si-i-ou? Oder sagt man Ssiou, so wie sie Telly Savalas in "Kojak - Einsatz in Manhattan" immer gerufen haben?" Der andere seufzte: "Keine Ahnung, aber wenn unser Freund Theo ein CEO geworden wäre, böte sich die deutsche Aussprache an: Theo, der Zeo."

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(SZ vom 07.12.2009/holz)