Nach Jahren des Überangebots machen manche Firmen derzeit eine ungewohnte Erfahrung: Es mangelt an qualifizierten Bewerbern. Deshalb suchen viele Unternehmen mit außergewöhnlichen Veranstaltungen neue Mitarbeiter. Für Job-Suchende eine billige Möglichkeit, mal wieder etwas Schönes zu erleben.
Für Bewerber werden ausgefallene Events und Reisen veranstaltet. Ein schwedisches IT-Unternehmen lädt zu einer Sportwagen-Rallye, die die Teilnehmer mal schnell durch mehrere Länder führt. Ein Düsseldorfer Mode-Unternehmen organisiert zum wiederholten Mal Golfturniere. Und eine Unternehmensberatung bietet einen Mozart-Workshop in Wien inklusive Walzer-Tanzkurs.
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Jahrelang stöhnten die Personalabteilungen, weil Waschkörbe voller Bewerbungen eingingen. Jetzt stöhnen sie, weil es für die gerade zu besetzenden Stellen nicht die Wunsch-Bewerber gibt. Seit Monaten ist allerorten vom Fachkräftemangel die Rede, "händeringend" würde nach Personal gesucht, heißt es bei Unternehmen und Personaldienstleistern. Bei dieser Wortwahl sieht man förmlich vor sich, wie deutschlandweit Personalverantwortliche, mit den "Händen ringend", in ihren Büros auf und ab schreiten und über Methoden nachsinnen, wie sie diesem ungewohnten Phänomen begegnen.
Event-Recruiting, also die Personalsuche mit Hilfe einer ausgefallenen Veranstaltung, scheint zur Zeit die beliebteste Antwort zu sein. Plötzlich setzen nicht nur Unternehmensberatungen auf Luxus-Vorstellungsgespräche. Auch andere Firmen greifen tief in die Ideenkiste, um für den Nachwuchs interessant zu sein. Aus dem Wettkampf um Talente scheint ein Wettkampf um die originellste Veranstaltung entbrannt zu sein.
Am Ende geht es um etwas Ernstes
Ein Bewerber-Tourismus könnte jedoch nur unter wenigen Ausgewählten ausbrechen. Denn die Arbeitgeber haben mit ihren Luxus-Angeboten nur die Crème de la Crème der Jobsuchenden im Sinn. Nur "die Besten" werden gesucht, und sie sollen wahlweise Engagement mitbringen, Geschick und Persönlichkeit oder gleich alles zusammen. Schließlich geht es am Ende der ganzen Spaßveranstaltung doch um etwas Ernstes: um ein Jobangebot.
Generell neigen Personalchefs dazu, sehr streng mit ihren Bewerbern zu sein. Wie kürzlich eine Kienbaum-Umfrage zeigte, fehlt es Jobsuchern angeblich unter anderem an sozialen Fähigkeiten, an Mobilität und an Berufserfahrung sowieso. (Eine Unternehmensberatung hat für dieses Problem gleich die passende Event-Lösung gefunden: Sie lädt "Talente" erst mal zum Bewerbungstraining ein, in schöner Alpenlandschaft, versteht sich.)
Das rächt sich jetzt
Umgekehrt kritisieren aber auch viele Bewerber das Auftreten der Unternehmen. Der Personaldienstleister DDI befragte Jobsuchende nach ihren Erfahrungen. Viele fühlten sich von potentiellen Arbeitgebern verprellt. Offenbar hat auch mancher Personalchef einen außergewöhnlichen Event nötig. Titel: Wie gehe ich mit potentiellen Talenten um?
Dass hier Nachhilfebedarf besteht, wissen leidgeprüfte Mitarbeiter. Jahrelang haben sie erlebt, dass auf dem Arbeitsmarkt viel gefordert, aber kaum gefördert wurde. Während dieser Zeit haben viele Arbeitgeber die Talente im eigenen Haus vernachlässigt, wenn nicht gar verheizt. Das rächt sich jetzt. Denn zufriedene und überzeugte Mitarbeiter wären die beste Werbung für potentielle Kandidaten. Ganz ohne Event.
- Führungsspitzen Der Preis der Macht 17.09.2007
- Führungsspitzen Mut zum Fehler 03.09.2007
- Führungsspitzen Mein Chef, der Tyrann 12.08.2007
(SZ vom 8.10.2007)
65. Filmfestspiele Cannes
Merkwürdig, seit einem Jahrzehnt werden nur die "Besten" eingestellt und die Unternehmen gehen trotzdem pleite, der NSP wächst nur in minimalen Schritten und 80 % der Arbeitnehmer sind unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen und würden am liebsten auswandern, statt sich von diesen "Besten" Sklaventreibern ständig kojunieren zu lassen. Selten wird im Betriebsalltag konkret benannt, was eigentlich das Ziel der Operationen ist. Nur ein Ziel ist immer konkret: mit den geringsten Kosten des "überflüssigen" Betriebes den Kapitaleigner kurzfristig möglichst viel in die Tasche zu spülen. Man spielt in den Führungetagen Monopoly und leitet die Unternehmen nicht mehr nach den Prinzipien von Betriebswirtschaft und ordentlichen kaufmännischen Grundwissen. Wer hier als Bewerber die größten Scheuklappen hat und verspricht, möglichst effektiv zu sein (den Wohlstand der Kapitaleigner zu mehren) ist das gesuchte Talent und wird eingestellt. Erst sehr viel später merken dann einige, dass es in der Betriebswirtschaft nach wievor gilt, mehrere Hüte unter einen Deckel zu bringen, dass man in Zielkonflikten ein Optimum erreichen muss und die Prädominanz des Profits nur kurzfristig zu verwirklichen ist.
Die Besten: das waren nach den volkswirtschaftlichen Daten diejenigen, die aus dem Kriege zurückkehrten und diese Bundesrepublik aufbauten. Sie hatten die größten Steigerungsraten Jahr für Jahr. Sie hatten Erfolg. Viele von denen hatte, als sie eingestellt wurden, von ihrer Tätigkeit wenig Kenntnisse, das brauchten sie auch nicht, denn die noch Älteren leiteten sie an und gaben ihr Wissen weiter. Die damaligen Menschen hatten gesunden Menschenverstand und im Kriege mehr erlebt, als eine Seele aushalten konnte. So haben die die Bundesrepublik aufgebaut. Die heutigen bauten ihre Karrieren auf, aber zerstören das Land und das soziale Miteinander.
Früher nannte man diesen heute begehrten Typus "Schnösel".
Aber eben, auf "Talent"-Events der beschriebenen Art springen die reiferen und erfahreneren Mitarbeiter nicht an und das zeigt genau wo das Problem des deutschen Arbeitsmarktes liegt, im Jugendkult! Auch wenn heuchlerisch heute jeder Personaler bei Fragen nach dem Einstellungsalter vehement verneint, das dieses bei ihm eine Rolle spielt. Die Realität ist doch eine ganz, ganz andere!
Diejenigen Unternehmen die am lautesten "händeringend" nach Fachkräften suchen sind nach meiner Erfahrung übrigens auch die Unternehmen, die am schnellsten ihre einzeiligen Standardablehnungsschreiben zusammen mit den Bewerbungsunterlagen zurücksenden!
Einstein, Heisenberg, Fermi, Feymann, Kalutza, Klein, Chandrascheka, etc. aber auch viele erfolgreiche Unternehmer wären aus der Sicht eines Personalers von heute alle unbrauchbar, unqualifiziert und auszusondern! Die würden alle nicht in die heute herangezüchteten Strukturen aus aalglatten Schleimern und angepassten Karrieristen hineinpassen, die, im richtigen Elternhaus aufgewachsen, schon als Kleinkind gelehrt bekomme haben, wie sie ihre Sozialverhalten anpassen müssen um möglichst ein Maximum an Geld in möglichst jungen Jahren aus einem Unternehmen herauszuziehen! Solche Typen werden von den Personalern dann als "Talent" bezeichnet! Für mich z.B. aber ist und bleibt ein "Talent" wer sich durch eigene Hände Arbeit nach vorne gearbeitet hat anstatt durch aalglattes, stromlinienförmiges, heuchlerisches Anpassertum an Sozialnormen!
Übrigens, ein alter Schulkamerad von mir ist wegen mangelnder "sozialer Kompetenz" in seinen jungen Jahren wiederholt gekündigt worden bevor er in seiner Notlage dann ein Gewerbe anmeldete und ein Unternehmen mit heute ca. 200 Mitarbeitern aufgebaut hat. 200 Arbeitsplätze mehr dort wo "Talente" dank hoher "sozialer Kompetenz" schnell mal 8000 vernichten!
Die Frage ist, wie bei den deutschen Peronalern "der Beste" definiert ist? Und wie unter diesen Kreisen ein "Talent" definiert wird? Und wie die bezeichnete "Crème de la Crème" definiert wird?
Ich sag's aus eigener Erfahrung gleich vorneweg: in der Heucheleisprache der Personaler wird unter "der Beste" nicht wirklich der Beste verstanden, sondern ganz, ganz andere Eigenschaften! Und was Personaler unter "Talente" verstehen sind auch nicht die wirklichen Talente!
Beispiel gefällig? Gregori Perellmann ist der "beste Kopf der Welt". Er ist nämlich der zur Zeit beste Mathematiker weltweit und konnte im Alleingang (also ohne ein heute so schickes Team) die Poincaré Vermutung nach 100 Jahren beweisen. Er ist aber trotzdem arbeitslos. Er ist ein Talent und er ist der Beste. Er wäre aber aus der Sicht der übergeschnappten deutschen Personaler "unqualifiziert", "überqualifiziert", "falsch qualifiziert", er hätte "keine soziale Kompetenz", er wäre nicht vermittelbar, unbrauchbar, ausgeondert, er wäre überflüssig im Sinne der depperten deutscher Personaler.
Greogri Perellmann ist eben sehr, sehr gut - ein Talent , ein Individuum - und damit eben kein einfacher Charkter, kein einfach umgänglicher Mensch und so wäre er pures Gift für die Führungsinkompetenz in vielen deutschen Betrieben. Aber, ganz anders als die "Talente" im Sinne der deutschen Personaler, die die Unternehmen ruinieren und häufig gesellschaftschädigende Massentlassungen mit egoistischem monetären Eigennutzen als ihre persönliche Bilanz aufzuweisen haben, hat Gregori Perellmann in einer Einzelleistung die Menschheit ein Stück vorangebracht!
Der angebliche Fachkräftemangel ist bald nicht mehr zu hören.
Auch die SZ Redaktionen und Journalisten sollten beim "Fachkräftemangel" endgültig differenzierter berichten und die Wahrheit benennen, anstatt in die Heuchelei der Wirtschafts-Lobbyverbände einzustimmen. Es gibt nämlich keinen wirklichen Fachkräftemangel, es gibt einen Mangel an ganz JUNGEN Fachkräften, die von den Unternehmen - wie richtig erwähnt - verheizt werden können. Würde das Psychologen- und Personalerkraut in den großen und mittleren Unternehmen nämlich auch die über 35jährigen als "Talente" sehen, gäbe es weit und breit keinen Fachkräftemangel im Lande!
Aber eben, auf "Talent"-Events der beschriebenen