Von Nicola Holzapfel

Nach Jahren des Überangebots machen manche Firmen derzeit eine ungewohnte Erfahrung: Es mangelt an qualifizierten Bewerbern. Deshalb suchen viele Unternehmen mit außergewöhnlichen Veranstaltungen neue Mitarbeiter. Für Job-Suchende eine billige Möglichkeit, mal wieder etwas Schönes zu erleben.

Für Bewerber werden ausgefallene Events und Reisen veranstaltet. Ein schwedisches IT-Unternehmen lädt zu einer Sportwagen-Rallye, die die Teilnehmer mal schnell durch mehrere Länder führt. Ein Düsseldorfer Mode-Unternehmen organisiert zum wiederholten Mal Golfturniere. Und eine Unternehmensberatung bietet einen Mozart-Workshop in Wien inklusive Walzer-Tanzkurs.

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Jahrelang stöhnten die Personalabteilungen, weil Waschkörbe voller Bewerbungen eingingen. Jetzt stöhnen sie, weil es für die gerade zu besetzenden Stellen nicht die Wunsch-Bewerber gibt. Seit Monaten ist allerorten vom Fachkräftemangel die Rede, "händeringend" würde nach Personal gesucht, heißt es bei Unternehmen und Personaldienstleistern. Bei dieser Wortwahl sieht man förmlich vor sich, wie deutschlandweit Personalverantwortliche, mit den "Händen ringend", in ihren Büros auf und ab schreiten und über Methoden nachsinnen, wie sie diesem ungewohnten Phänomen begegnen.

Event-Recruiting, also die Personalsuche mit Hilfe einer ausgefallenen Veranstaltung, scheint zur Zeit die beliebteste Antwort zu sein. Plötzlich setzen nicht nur Unternehmensberatungen auf Luxus-Vorstellungsgespräche. Auch andere Firmen greifen tief in die Ideenkiste, um für den Nachwuchs interessant zu sein. Aus dem Wettkampf um Talente scheint ein Wettkampf um die originellste Veranstaltung entbrannt zu sein.

Am Ende geht es um etwas Ernstes

Ein Bewerber-Tourismus könnte jedoch nur unter wenigen Ausgewählten ausbrechen. Denn die Arbeitgeber haben mit ihren Luxus-Angeboten nur die Crème de la Crème der Jobsuchenden im Sinn. Nur "die Besten" werden gesucht, und sie sollen wahlweise Engagement mitbringen, Geschick und Persönlichkeit oder gleich alles zusammen. Schließlich geht es am Ende der ganzen Spaßveranstaltung doch um etwas Ernstes: um ein Jobangebot.

Generell neigen Personalchefs dazu, sehr streng mit ihren Bewerbern zu sein. Wie kürzlich eine Kienbaum-Umfrage zeigte, fehlt es Jobsuchern angeblich unter anderem an sozialen Fähigkeiten, an Mobilität und an Berufserfahrung sowieso. (Eine Unternehmensberatung hat für dieses Problem gleich die passende Event-Lösung gefunden: Sie lädt "Talente" erst mal zum Bewerbungstraining ein, in schöner Alpenlandschaft, versteht sich.)

Das rächt sich jetzt

Umgekehrt kritisieren aber auch viele Bewerber das Auftreten der Unternehmen. Der Personaldienstleister DDI befragte Jobsuchende nach ihren Erfahrungen. Viele fühlten sich von potentiellen Arbeitgebern verprellt. Offenbar hat auch mancher Personalchef einen außergewöhnlichen Event nötig. Titel: Wie gehe ich mit potentiellen Talenten um?

Dass hier Nachhilfebedarf besteht, wissen leidgeprüfte Mitarbeiter. Jahrelang haben sie erlebt, dass auf dem Arbeitsmarkt viel gefordert, aber kaum gefördert wurde. Während dieser Zeit haben viele Arbeitgeber die Talente im eigenen Haus vernachlässigt, wenn nicht gar verheizt. Das rächt sich jetzt. Denn zufriedene und überzeugte Mitarbeiter wären die beste Werbung für potentielle Kandidaten. Ganz ohne Event.

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(SZ vom 8.10.2007)