Laut Gesetz muss der Chef das Büro auf eine angenehme Betriebstemperatur heizen. Doch das hilft nichts, wenn die Teamatmosphäre eisig ist.
Eine Meldung in der vergangenen Woche machte den Bundesbürgern bewusst, in welch schrecklichen Zeiten sie leben: Im Kölner Dom ist das Weihwasser eingefroren. Wundern muss sich darüber niemand, bei Außentemperaturen von 20 Grad minus und mehr in der Republik. Das Heizen gehörte noch nie zu den Stärken der katholischen Kirche, das weiß jeder, der sich im Winter auf einer Kirchenbank schon einmal den Allerwertesten abgefroren hat. Die Kirchensteuer und das Geld aus dem Klingelbeutel reichen offenbar nicht aus, um das Gotteshaus angemessen zu heizen.
Eisige Atmosphäre: Frieren soll niemand im Job, und wenn es der Chef mit dem Heizen nicht so genau nimmt, kann der Arbeitnehmer nach Hause gehen. (© Foto: iStock)
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Arbeitnehmer haben es da besser als Kirchgänger. Schließlich verpflichtet das deutsche Gesetz den Chef, jeden Arbeitsplatz auf eine bestimmte Mindesttemperatur zu heizen. Für sitzende Tätigkeiten sind das 19 Grad, für schwere körperliche Arbeit immerhin noch zwölf Grad. Frieren soll niemand im Job, und wenn es der Chef mit dem Heizen nicht so genau nimmt, kann der Arbeitnehmer nach Hause gehen.
Einzelkämpfern mit Ellbogen
Was das Gesetz nicht vorschreibt, ist die richtige Temperatur für das Betriebsklima, und deshalb tun sich viele Firmen so schwer damit, sie zu finden. Bei den einen ist es so kalt, dass die Angestellten auf den Bürofluren jederzeit Eisstockschießen könnten. Aber dazu wird es nicht kommen, weil man dazu etwas gemeinsam unternehmen müsste, und das ist in einem Umfeld von Einzelkämpfern mit Ellbogen kaum möglich.
Interessant ist, dass manche Führungskräfte meinen, sie tun den Ihren etwas Gutes, wenn sie die Betriebstemperatur herunterfahren, einen gegen den anderen ausspielen, hier ihre Lieblinge auf den Schild heben, dort die weniger Gelittenen mobben. Schließlich, so meinen sie, fördere Konkurrenz das Geschäft. Das stimmt, aber nur bis zu einem gewissen Grad: Wo das Klima eisig ist, die Mitarbeiter nur noch gegeneinander arbeiten und nicht mehr fähig sind, Teams zu bilden, leidet die Kreativität.
Nussknacker und Orangenschälmesser
Das Gegenteil davon aber, das kuschelwarme Büro, ist genauso von Übel. Man kennt sie, jene Beschäftigten, die im Winter morgens bei Dienstantritt aus den Fellstiefeln heraus- und in die Birkenstocksandalen hineinschlüpfen und diese unter den Schreibtisch schieben, auf dem Nussknacker und Orangenschälmesser bereitliegen. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist ihr Büro überheizt, und fast möchte man ihnen einen Vorgesetzten wünschen, der von Zeit zu Zeit vorbeischaut, die Fenster weit aufreißt und laut ruft: "Wir sind hier keine soziale Wärmestube, betreutes Wohnen könnt ihr zu Hause machen."
Die ideale Betriebstemperatur liegt wohl irgendwo dazwischen, und es schadet auch nicht, wenn sich kalte und warme Phasen abwechseln: Dort, wo die Mitarbeiter einer Abteilung durchaus miteinander konkurrieren und sich gegenseitig anspornen, danach aber auch wieder miteinander eine heiße Tasse Kaffee trinken können, wo Warmluft und Frischluft in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, muss man auch nicht fürchten, dass irgendwann ein Orkan die gesamte Mannschaft hinwegfegt.
Dann nämlich, wenn die ganz oben gemerkt haben, dass die Abteilung nichts auf die Reihe kriegt, weil es in ihr zu kühl oder zu kuschelig zugeht. Und dann gnade ihnen Gott, dann hilft nämlich nur noch Beten, auf leider viel zu kalten Kirchenbänken, und selbst das Weihwasser ist eingefroren.
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(SZ vom 12.01.2009/tess)
Wettmanipulation im Fußball
Das mit dem fehlenden Heizen in der katholischen Kirche kann ich nicht bestätigen. Ich wäre sehr froh, wenn mein Po nicht jeden Sonntag gebraten werden würde (wegen der Sitzheizung)....
...wieso unpassender Artikeleinstieg?!
Da hätte die Kirche die Chance ein paar Kirchgänger mehr zu gewinnen, aber was macht sie: Unser armer Autor wird auch noch verschreckt und rennt frierend aus der Kirche hinaus.
Man könnte es auch wieder wie nach dem Krieg machen: Jeder bringt ein paar Kohle-Briketts zum Heizen mit in die Kirche. Zum Ausglkeich dafür wird die Krichensteuer erlassen.
Was soll eigentlich so ein bösartiger Artikeleinstieg: "Das Heizen gehörte noch nie zu den Stärken der katholischen Kirche, das weiß jeder, der sich im Winter auf einer Kirchenbank schon einmal den Allerwertesten abgefroren hat. Die Kirchensteuer und das Geld aus dem Klingelbeutel reichen offenbar nicht aus, um das Gotteshaus angemessen zu heizen."
Selbst wenn man viel Geld in die Hand nähme (und das wären Kirchensteuermittel, im Klingelbeutel wird nämlich zweckgebunden meist für bestimmte soziale Zwecke gesammelt), kann man ein Gebäude wie den Kölner Dom von seinem gewaltigen Volumen und mit dem Wärmedämmwert einer Blechgarage nicht angenehm beheizen (was der Autor mit "angemessen" meint, ist unklar). Es wäre auch nicht zweckmäßig (Kosten, Energieverschwendung, Wahrscheinlichkeit von Bauschäden). Das einzige, was man tun kann und soll, ist die Orgel vor zu tiefen Temperaturen zu schützen. Für das Publikum gilt: Mantel anbehalten, eine Kirche ist keine "Wärmestube, betreutes Wohnen könnt ihr zu Hause machen".
Schreibt ein Protestant...