Führungskräfte Authentische Führung dank ständiger Rückkopplung

Bei Audi können Manager in Seminaren lernen, wie ihnen das gelingt, wie sie respektvoll mit Mitarbeitern umgehen und wie sie deren Vertrauen gewinnen. Seminare etwa zum 360-Grad-Feedback dienen dazu. Dabei erhalten Führungskräfte umfassende Rückmeldungen zu ihrem Führungsverhalten.

Authentische Führung ist demnach das Ergebnis einer ständigen Rückkopplung mit den Mitarbeitern. Karen Parkin, Personalchefin der Adidas-Gruppe in Herzogenaurach und Portland/Oregon, bestätigt das. "Authentische Führungskräfte wissen, wer sie sind, wie sie auf andere wirken und sie holen sich Feedback aus der Mannschaft", sagt Parkin. "Sie gehen auf ihre Spieler ein und können Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, Erfahrung und Persönlichkeit zu einem Team zusammenführen, das durch Leistung, Leidenschaft und Zusammenhalt überzeugt."

Die Aufgabe, nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellen

Ein authentischer Chef ist insofern jemand, der das Team zur Geltung bringt. "Führungskräfte", heißt es bei der Alfred Ritter GmbH, "stellen die Aufgabe und nicht sich selbst in den Mittelpunkt. Wir sind der Überzeugung, dass wir unsere Ziele nur gemeinsam erreichen können. Authentisch ist eine Führungskraft dann, wenn sie die Werte eines Unternehmens teilt und sichtbar lebt."

Bei dem Schokoladenhersteller in Waldenbuch geht es um das Vereinen von Stärken und um den gemeinsamen Erfolg. Das Familienunternehmen hat dazu einen Katalog mit ganz konkreten Handlungsanleitungen für Manager ausgearbeitet. Sie sollen unter anderem Aufgaben und Verantwortungen klar benennen, messbare Ziele vorgeben und Feedback konstruktiv formulieren.

Die Statements zeigen: Authentizität ist der Gegenentwurf zu Personenkult, Statusdenken und persönlicher Eitelkeit. Wenn es in Deutschland ein Unternehmen gibt, das in diesem Sinne authentisch ist, dann Miele. In Ostwestfalen weiß man das. Über vier Jahrzehnte hätten Rudolf Miele und Peter Zinkann diese Authentizität personifiziert, sagt ein Sprecher. Sie seien in ihren Zimmern hinter teilverglasten Wänden für alle jederzeit sichtbar und ansprechbar gewesen. Die daraus erwachsene Unternehmens- und Führungskultur habe sich bis in die unterste Ebene fortgesetzt.

Fairness, Offenheit und Respekt sind entscheidend

Um diese besondere Kultur zu erhalten, hat Miele die Latte noch ein wenig höher gelegt als andere Unternehmen: "Authentizität im Sinne von Ehrlichkeit, Klarheit und Berechenbarkeit sollte im Umgang selbstverständlich sein und ist daher kein eigener expliziter Bestandteil der Führungsgrundsätze bei Miele", sagt Personalchef Michael Bruggesser.

Die entscheidenden Werte sind für ihn vielmehr Fairness, Offenheit und Respekt. In Seminaren werden die Führungskräfte gezielt geschult, diese Werte zu leben.

Denn: "Für einen Markenartikler ist Authentizität unabdingbar für den langfristigen Markterfolg, da jedes ambitionierte Markenversprechen ohne Authentizität gar nicht einlösbar ist", sagt Bruggesser. "Und Authentizität in der Markenführung wiederum ist ohne Authentizität in der Unternehmens- und Führungskultur kaum leistbar." Kurzum: Für Miele ist Authentizität der Schlüssel zum Erfolg. Und der authentische Chef ist dessen Garant.

Das Anforderungsprofil an Chefs wandelt sich rapide

Schwierig macht die Sache allerdings, dass sich das Anforderungsprofil an den authentischen Chef derzeit rapide wandelt. Die Digitalisierung und die Generation Y treiben diesen Wandel voran. "In Zeiten der Digitalisierung verschieben sich die Aufgaben von Führungskräften, weil die IT immer mehr Aufgaben übernimmt", sagt Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand Corporates der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Huber-Straßer rät den Managern, die gewonnene Zeit damit zu füllen, sich ihren Mitarbeitern und der Kommunikation mit den Mitarbeitern zu widmen.

Denn vor allem die Generation Y, die jungen Mitarbeiter, fragten zunehmend nach dem Sinn ihres Tuns und wollten über den Tellerrand des Unternehmens hinausschauen. "Von der Führungskraft wird deshalb Empathie und Agilität erwartet. Sie muss die Mitarbeiter noch stärker in Entscheidungsfindungen einbinden. Dann wird sie als authentisch wahrgenommen."

Gemeinsamkeit wird großgeschrieben

Die KPMG-Managerin prophezeit zudem: "Die Führung der Zukunft baut auf einem mit den Mitarbeitern gemeinsam entwickelten Wertesystem auf." Selten wurde Gemeinsamkeit so großgeschrieben.

"Authentische Führung bedeutet mehr und mehr, Gruppen und Organisationen dazu anzuleiten, ihre gemeinsame kollektive Intelligenz zu finden", sagt Eberhard Schmidt, Change Leadership Experte der Beratungsfirma Growthriver in Mechernich in der Eifel. Leila Adjemi hat bemerkt, dass viele ihrer Klienten das Streben nach einem übergeordneten Sinn ihres Schaffens längst verinnerlicht haben. Sie wollen nachhaltig wirtschaften, Ressourcen schonen, lehnen Kinderarbeit ab.

Und sie seien bereit, zugunsten dieser ethischen Prinzipien Abstriche etwa beim Umsatz zu machen. Kienbaum-Geschäftsführer Kracht formuliert es so: "Im Kern geht es um Wahrheit und Klarheit" - den Mitarbeitern, dem Unternehmen und sich selbst gegenüber.