Sieben von zehn Hochqualifizierten wollen ihr Unternehmen verlassen, weil sie unter Leistungsdruck leiden und mit ihren Aufgaben unzufrieden sind. Die Firmen kommt das teuer zu stehen.
Gerade Führungskräfte sollten ihr Unternehmen mit Ideen voranbringen, eine hohe Leistungsbereitschaft zeigen und Mitarbeiter anleiten - das erwarten zumindest ihre Arbeitgeber. Doch gerade die tun besonders wenig dafür, den Hochqualifizierten einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten, an dem sie all das umsetzen können. Dies legt eine aktuelle Studie nahe, die das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Lüneburg mit der Personalberatung Hapeko und dem Online-Jobportal StepStone durchgeführt hat. Demnach überlegen sieben von zehn Arbeitnehmern in der Leitungsebene, in den kommenden zwei Jahren ihre Stelle zu wechseln.
Frustrierte Führungskräfte: Besonders große Konzerne tun sich schwer damit, Hochqualifizierte zu binden. (© Foto: iStock)
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Als Gründe für ihre Unzufriedenheit nennen die Befragten vor allem hohen Leistungsdruck und Frustration über ihre Aufgaben: Viele Führungskräfte beklagen, in ihrem Beruf weit unter ihren Möglichkeiten eingesetzt zu werden und empfinden ihre Karriere als enttäuschend. "Der Glaube, Unternehmen stünden in einem ständigen Überlebenskampf, während Arbeitnehmer sich in einem abgeschirmten Raum geruhsam entfalten könnten, ist einigermaßen weltfremd", sagt Professor Albert Martin, Direktor des Instituts für Mittelstandsforschung. "Der Druck auf Führungskräfte steigt, doch Arbeitgeber und Firmen steuern nicht gegen."
Der Konkurrenzkampf tobt
So beklagen nahezu 30 Prozent der insgesamt 1650 befragten Fach- und Führungskräfte, die Unternehmensleitung forciere ganz bewusst den Wettbewerb der Mitarbeiter um attraktive Aufstiegspositionen. Immerhin ein Fünftel sieht sich auch von Kollegen unter Druck gesetzt, die aggressiv agierten. "Der Ton, in dem Vorgesetzte Leistung einfordern, hat sich verschärft", bestätigt Martin. "Das führt auch dazu, dass sich Einzelne auf Kosten anderer profilieren." Trotz des Fachkräftemangels und guter Konjunktur hat sich die Situation für Führungskräfte also nicht verbessert, der Konkurrenzkampf tobt weiter.
Der Wirtschaftswissenschaftler Martin erklärt dies mit einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren: Zum einen drängen immer mehr Abiturienten und Akademiker auf den Arbeitsmarkt. Dort fehlten jedoch adäquate Stellen. "Diesen Wandel haben die Unternehmen bislang verschlafen. Sie müssen ihre Stellenstruktur noch den Absolventen anpassen." Zum anderen begünstigen flache Hierarchien den harten Wettbewerb: Führungspositionen werden weniger, wenn alle gleich gestellt sind. "Doch Arbeitnehmer sind sehr statusbewusst. Das verstärkt die Unzufriedenheit", so Martin. Darüber hinaus gebe es auch unter den Fach- und Führungskräften immer noch Berufsgruppen, die es auf dem Arbeitsmarkt weiterhin schwer haben. Geistes- und Sozialwissenschaftler etwa haben anders als Ingenieure oder Informatiker nach wie vor schlechte Karten, wenn es um Aufstiegschancen im Unternehmen geht.
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Hallo,
warum denn auch Skrupel haben? Ein Arbeitsvertrag ist ein Vertrag, den ich genauso kündigen kann wie beispielsweise einen Telefonvertrag auch. Und bei beiden sollte ich im Anschluss etwas neues haben. Ich persönlich wechsele alle 5-7 Jahre, je nach Konjunktur, das bringt mehr Geld und eine Stufe in der Hierarchie.
Firmen wollten immer flexiblere Mitarbeiter. Nun bekommen sie Söldner.
Gruß,
Hardy
""In einer großen Firma bekommt der Einzelne schnell das Gefühl, so behandelt zu werden wie jeder andere auch", sagt Martin. Doch das Ego der Führungskräfte wolle eben auch mal gestreichelt werden."
Und das der "einfachen" Arbeiter nicht?
Bravo, wieder hat die Führungsetage dem kleinen Mann gezeigt, wo er steht!
Kann ich nur bestätigen.
Wenn man nur ausgenutzt wird, Überstunden ohne Ausgleich selbstverständlich werden und man dafür betteln muss, mal eine Stunde früher heimzugehen, wird man offen für neue Angebote.
Wenn dann ein neuer Job daherkommt, bei dem es menschlicher zugeht und vielleicht etwas weniger Gehalt, aber dafür mehr Leben drinsteckt, dann wechselt man - ohne Skrupel.
"Zum anderen begünstigen flache Hierarchien den harten Wettbewerb: Führungspositionen werden weniger, wenn alle gleich gestellt sind."
Jetzt müssen nur noch alle Arbeitnehmer einer Klasse quasi einen Einheitslohn bekommen, dann werden die alten Hasen mit Erfahrung und Effizienz richtig vergrault. Bei uns hat die Geschäftsführung alle Parkmarken einkassiert, für 100 Mitarbeiter (50% Ingenieure, davon die Hälfte promoviert) gibts nur noch 5 Einfahrtsmarken. Welche die Führung, dessen Sekretärin und ein paar Gehbehinderte haben. Der Rest darf 10 min vom "billigen" Außenparkplatz ins Werk/Büro marschieren. Es war kaum möglich, mit noch weniger Einsparpotenzial mehr Mitarbeiter zu demotivieren. Hut ab!