Wo Frauen Karrieren machen und was ihren Aufstieg behindert.
Sechs Jahre ist es her, da vereinbarten Regierung und Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, freiwillig die Chancengleichheit von Männern und Frauen zu fördern. Passiert ist seitdem - zumindest was die Zahl der weiblichen Führungskräfte betrifft - wenig. Die meisten Betriebe in Deutschland kennen allein Männer an der Spitze. Bei nur jedem zehnten Betrieb teilen sich Männer und Frauen die höchste Verantwortung.
Großunternehmen, Betriebsräte und Kinder bremsen die Karrieren von Frauen. (© Foto: iStockphoto)
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Inwiefern sich die Zahl der Frauen an der Spitze verändert hat, in welchen Führungspositionen sie sich befinden und wie sie leben, das hat jetzt das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg in dem Buch "Frauen an der Spitze" zusammengetragen - und zwar erstmals auf einer derart umfassenden und repräsentativen Datenbasis.
Die vier Autorinnen Corinna Kleinert, Susanne Kohaut, Doris Brader und Julia Lewerenz nutzen dafür das IAB-Betriebspanel, eine Befragung von 16.000 Betrieben der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes, und den Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes von 2000 und 2004. Die Autorinnen konnten so die Entwicklung in diesen vier Jahren verfolgen. Sie geben aber auch Aufschluss darüber, wie die weibliche Karriere mit betrieblichen Strukturen zusammenhängt und wie sich die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen und Männern in hohen Positionen voneinander unterscheidet. Erst künftig, so verspricht Jutta Allmendinger, bis vor kurzem Direktorin des IAB, im Vorwort, wird man auch analysieren können, ob Frauen anders führen.
Jeder fünfte Chef ist weiblich
Der Vergleich der Jahre zeigt, dass es nur wenig Zuwachs von Frauen an der Spitze gibt, insgesamt waren es zwei Prozentpunkte. Der Anstieg bezog sich jedoch nur auf verantwortliche Positionen in Teilzeit und eher niedrige Führungsfunktionen. Bei den Führungspositionen in Vollzeit und denen auf höchster Ebene veränderte sich nichts. Der Anteil von Frauen mit Kindern in Leitungsfunktionen ging sogar noch zurück. So sind heute zwar fast die Hälfte aller Beschäftigten in der Privatwirtschaft Frauen, doch in der ersten Führungsebene machen sie nur noch ein Viertel aus. In der zweiten ist ihr Anteil mit 40 Prozent schon eher repräsentativ.
Insgesamt sitzen auf einem Fünftel der Chefsessel Frauen. Nicht allerdings in großen Betrieben: Bei mehr als 500 Mitarbeitern beträgt der Frauenanteil in der ersten Führungsebene nur vier Prozent. In Betrieben, die nur eine Person an ihrer Spitze kennen, ist diese bei einem Viertel weiblich. In Betrieben mit geringem Frauenanteil gelangen Frauen verhältnismäßig öfter in Verantwortungs-Positionen als in denen mit hohem Frauenanteil.
Welche Betriebsstrukturen Frauen begünstigen, kann die Studie nicht klären. Negativ für sie sind aber traditionelle Unternehmen: ältere Firmen sowie Betriebe, die einer Kammer angehören. Deutlich schlecht für die weibliche Karriere ist es, wenn Betriebe einen Betriebs- oder Personalrat haben. "Die betrieblichen Mitbestimmungsgremien haben demnach eher die Interessen aller Beschäftigten im Blick als die Förderung von Chancengleichheit von Frauen", schreiben die Autorinnen.
Führungsfrauen arbeiten in anderen Betrieben, Branchen, aber auch Abteilungen und Funktionen als Männer. Weniger Frauen als Männer erfüllen verantwortliche Funktionen mit umfassenden Personalführungsaufgaben oder als Geschäftsführer. Führungsfrauen arbeiten vor allem im Bürobereich und in den Personal- und Sozialbereichen.
Karriererisiko Alter
Weibliche Führungskräfte leben aber auch anders als männliche: Die Haushalte sind kleiner, sie leben häufiger allein, nur mit Partner oder sind alleinerziehend. Männer leben häufiger mit Partnerin und Kind oder Kindern. Führungsfrauen sind häufiger kinderlos als Männer in gleicher Funktion und haben viel seltener zwei oder mehr Kinder und noch seltener Kinder unter zehn Jahren. Dass Kinder und Führungspositionen offensichtlich nicht gut zusammenpassen, zeige sich bei Frauen ungleich deutlicher als bei Männern.
Und unabhängig davon, ob eine Frau Kinder hat oder nicht, stellen die Lebensjahre zwischen 30 und 44 ein Karriererisiko dar. Selbständige in leitenden Funktionen kennen diese Differenzen übrigens nicht so stark. Führungstätigkeiten und Kinder müssten sich also nicht zwangsläufig ausschließen - "zumindest nicht, wenn Führungskräfte selbständig planen und koordinieren können", so die Autorinnen.
Im dritten Teil des Buches geht es schließlich um Verbesserungsvorschläge. Die Autorinnen plädieren dafür, die Nachwuchsführungskräfte systematisch zu fördern und Arbeitsbedingungen zu schaffen, die den Bedürfnissen der Familien entgegenkommen.
(SZ vom 28.6.2007)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Kein Sondermülltransport ist so giftig, wie eine Abteilung, in der nur Frauen sind.
Im Artikel steht also, daß in Betrieben mit hohem Frauenanteil verhältnismäßig wenige Frauen in Führungspositionen gelangen...anders in Betrieben mit geringerem Frauenanteil.
darauf bezieht sich mein Beitrag
Im Artikel steht :
Wie sieht es denn in Abteilungen aus, in denen Frauenüberschuß herrscht?
Es wird gemobbt, getratscht und übereinanderhergefallen, bis endlich wieder eine "Gemeinschaft der Gleichgesinnten" geschaffen wurde.
Männer mit Fähigkeiten werden von den Frauen ja noch geduldet...aber sollte eine Frau ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen, ist sie eine Gefahr für ihre Kolleginnen und wird schnellstens rausgemobbt.
Ja, meine lieben Geschlechtsgenossinnen, so wird das nichts....
Hat eigentlich schon einmal jemand darüber nachgedacht, dass es auch andere Gründe geben kann, als eine permanent angebliche Diskriminierung.
Ein Institut an dem ich mal eine zeitlang war, hatte fachbedingt einen Frauenanteil von 90%, dementsprechend waren mit einer Ausnahme die Führungskräfte auch weiblich. Das ist aus meiner Sicht vollkommen ok. Aber warum musste der Personalrat dort permanent Veranstaltungen zur "Diskriminierung" der Frauen machen? Von der Stellenausschreibungen, dass im Zuge der Gleichstellung Frauen bei gleicher Eignung bevorzugt werden, mal ganz anzusehen.
Ich meine, bevor hier blind in Aktionismus verfallen wird, sollte man sich vielleicht auch mal die eigentlichen Gründe anschauen.
Da muss ich critico (ausnahmsweise mal) zustimmen: Frauenförderung ist diskriminierend!
Hat sich schon mal jemand die Frage gestellt, ob nicht einfach weniger Frauen sog. "Führungspositionen" haben wollen? Und bevor ich gleich als Macho beschimpft werde: Ich bin eine berufstätige Frau, mir macht mein Job bislang Spaß, aber wenn mein Chef mir sagt, er möchte meine "Karriere forcieren", dann packt mich das Grauen! Vielleicht geht es anderen Frauen ähnlich.
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