Von Julia Bönisch

Vor die Wahl gestellt, möchten Frauen lieber einen Chef, keine Chefin. Warum favorisieren Frauen Männer in Führungspositionen?

Könnten Frauen wählen, würden sich nur zwei von zehn für eine weibliche Führungskraft entscheiden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Ifak-Instituts.

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Die hessischen Markt- und Sozialforscher hatten dazu im Frühjahr dieses Jahres mehr als 2000 Erwerbstätige befragt.

Zwar bevorzugen auch nur neun Prozent der Männer eine Frau an der Spitze ihres Teams, doch da erklärt sich der Mann mit Seinesgleichen solidarisch. Warum aber funktioniert dieses Solidaritätsprinzip nicht auch bei Frauen?

In Großbetrieben sind heute weniger als fünf Prozent der Managementpositionen mit Frauen besetzt. Da sollte es doch im weiblichen Interesse liegen, dass es mehr Mitarbeiterinnen in die Entscheidungsebenen schaffen. Netzwerke und Verbindungen schaffen, könnte schließlich von Frau zu Frau leichter fallen.

Männer werden aus Gewohnheit bevorzugt

Zum einen spielt hier die mangelnde Erfahrung eine Rolle, so das Ifak-Institut: Da es so wenig Frauen in Führungspositionen gibt, waren die Befragten in der Mehrheit nur mit der Arbeit unter einem Chef vertraut. Aus Gewohnheit möchten sie auch weiterhin unter einem Mann arbeiten.

Doch das erklärt die Abneigung von Frauen gegen Frauen nur zum Teil. Gisela Mohr, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Leipzig, sieht noch einen weiteren Grund: Führung werde auch von Frauen als etwas Männliches betrachtet.

"Um eine gute Führungskraft zu sein, muss man bestimmte Qualitäten haben, wie etwa Durchsetzungskraft oder Entscheidungsfreudigkeit", sagt Mohr. "Diese Eigenschaften gelten nun mal als maskulin." Frauen selbst assoziierten mit ihrem eigenen Geschlecht eher Weichheit und Zurückhaltung.

Kein Unterschied im Führungsstil

Dabei hätten verschiedene Studien gezeigt, dass im Führungsstil von Männern und Frauen keine nennenswerten Unterschiede bestehen, so die Organisationspsychologin. Männer und Frauen verhielten sich nicht anders, sie würden nur anders wahrgenommen - auch von Frauen. Mohr zufolge beurteilen sie Chefinnen kritischer als Chefs.

"Macht eine Chefin einen Fehler, wird der automatisch mit ihrem Frau-Sein in Verbindung gebracht, sogar von ihren eigenen Geschlechtsgenossinnen", behauptet Mohr. Frauen seien also nicht in der Lage, bei ihrer Chefin zwischen der Rolle als Vorgesetzter und der Rolle als Frau zu differenzieren.

Dafür hat die Professorin eine provokante Erklärung: "Sobald eine Frau eine Chefin hat, muss sie sich fragen, warum sie nicht selbst in dieser Position sitzt." Ist ein Mann der Boss, könne sie sich einfach herausreden: "Dann heißt es, die Frau habe die Stelle nur nicht bekommen, weil Frauen eben generell benachteiligt werden."

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(sueddeutsche.de)