Freundschaftsdienste im Job "Verbindungen sind das Wichtigste im Leben"

Die CSU hat gerade mal wieder eine Amigo-Affäre am Bein. Doch Beziehungen im Job müssen nicht zum Karriere-Killer werden - im Gegenteil. Berufscoach Monika Scheddin erklärt, was Sie bei der Zusammenarbeit mit Familienangehörigen und Freunden beachten müssen.

Von Johanna Bruckner

Bayerische Politiker - vornehmliche solche, die ihr Parteibuch bei der CSU haben - stehen aktuell in der Kritik, weil sie Familienangehörige bei sich angestellt hatten. Dabei geht es vor allem um den fragwürdigen Einsatz von Steuergeldern, aber auch um die Frage, inwieweit Freundschaftsdienste im Job zulässig sind. Monika Scheddin arbeitet als Karriere-Coach und hat einen Ratgeber zum Thema Netzwerken geschrieben. Ein Interview über den richtigen Umgang mit Familienmitgliedern und Freunden im Beruf - und über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Sachen berufliche Gefälligkeiten.

SZ.de: Frau Scheddin, haben Sie schon mal einem Familienmitglied oder Freund bei der Karriere unter die Arme gegriffen?

Monika Scheddin: Unbedingt und ständig. Ich habe kein Problem damit, mit Freunden Geschäfte zu machen. Verbindungen sind das Wichtigste im Leben - privat wie beruflich. Im Arbeitsleben haben wir immer weniger Rechte. Ein Netz, in dem wir um Gefallen bitten können, weil wir vorher eingezahlt haben, ist unsere einzige wirkliche Versicherung. Denn die Menschen dort helfen uns nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen.

Welche Vorteile hat es noch, mit Familienmitgliedern oder Freunden zusammenzuarbeiten?

Ein einfaches Beispiel: Wenn ich auf der Suche nach einer Putzfrau bin, kann ich natürlich jemanden nehmen, der seine Dienste in der Zeitung inseriert hat. Viel lieber werde ich aber jemanden ins Haus lassen, der mir von Bekannten empfohlen wurde. Denn in der Regel bin ich mit Menschen befreundet, denen ähnliche Dinge wichtig sind wie mir selbst. Dieses Beispiel lässt sich auf den Job übertragen: Auch hier spielen unter Kollegen gleiche Werte und Vertrauen eine entscheidende Rolle. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche berufliche Zusammenarbeit von Freunden sind ideal - Kompetenz immer vorausgesetzt.

Wenn ich einem guten Freund eine Stelle oder einen Auftrag zuschanze: Kommt da nicht schnell der Vorwurf von Vetternwirtschaft auf?

Mag sein, dass über solche Personalien am Anfang getuschelt wird. Und sicher wird jemand, der über Kontakte auf eine Stelle gekommen ist, kritischer beäugt. Aber man darf nicht vergessen: Beziehungen sind lediglich eine Eintrittskarte, eine offene Tür. Bin ich hindurchgetreten, ist es an mir, Leistung zu bringen. Und ich kann es trotz Starthilfe immer noch vermasseln, wenn ich die Jobanforderungen nicht erfülle. Insofern wird sich der Vorwurf der Vetternwirtschaft schnell auflösen: Entweder weil die Kollegen sehen, dass ich tatsächlich etwas kann. Oder weil der Chef merkt, dass ich zu wenig kann - und mich durch die Tür wieder hinausbefördert.

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Was muss ich beachten, wenn ich ein Familienmitglied oder einen Freund im eigenen Unternehmen unterbringen will?

Zunächst sollten die Rahmenbedingungen abgeklärt werden: Was erwarte ich vom anderen? Was sind umgekehrt die Erwartungen an mich? Wie gehen wir im Job miteinander um? Je klarer die Spielregeln der Zusammenarbeit ausgehandelt sind, desto weniger Probleme wird es geben. Ich habe meine Lehrstelle damals auch über meinen Onkel bekommen. Aber es war klar: Ich bin eine Mitarbeiterin von vielen und werde weder bevorteilt noch benachteiligt. Daneben ist es auch wichtig, die Personalie transparent zu machen. Mitarbeiter und Kollegen sollten von vorneherein wissen: Der neue Lehrling ist die Nichte vom Chef. Je offener man das kommuniziert, desto weniger Raum bleibt für Spekulationen. In der Regel hat man ja auch eine gute Argumentationsgrundlage, weil man nicht nur Onkel, sondern auch Unternehmer ist - und die Nichte nicht allein wegen der familiären Verbindung eingestellt hat.

Wie verhalte ich mich am besten, wenn sich meine Empfehlung als Flop herausstellt - und der Chef sauer ist?

Das hängt vor allem davon ab, wie sehr ich mich für die betreffende Person ins Zeug gelegt habe. So kann ich meinem Vorgesetzten von einem netten Freund erzählt haben, der gerade auf Jobsuche ist - ohne explizit auf dessen Qualifikation eingegangen zu sein. Das wäre die unterste und unverbindlichste Stufe einer Empfehlung. Etwas ganz anderes ist es, wenn ich gesagt habe: "Ich habe da diesen Freund, sympathisch und kompetent dazu. Den musst du dir angucken, der würde super ins Team passen!" In letzterem Fall würde ich meine Fehleinschätzung offen einräumen und mich entschuldigen. Auch wenn mir letztendlich kein Vorwurf zu machen ist, weil ich ja nur eine Empfehlung abgegeben, aber keine Personalentscheidung getroffen habe. Den Schuh muss sich der Chef anziehen.

Es kommt auch vor, dass einen jemand um einen Karriere-Kick bittet, von dessen Qualifikation man nicht überzeugt ist.

In so einem Fall sollte man erst einmal abklären, was konkret der andere von einem erwartet - oft ist das viel weniger, als man befürchtet. Wenn es beispielsweise nur darum geht, eine Bewerbungsmappe in der Personalabteilung abzugeben, kann man dieser Bitte problemlos nachkommen. Erhofft sich ein guter Freund, von dessen beruflicher Qualifikation oder Jobeignung man nicht überzeugt ist, dagegen eine persönliche Empfehlung beim Chef, muss man abwägen. Ich würde im Zweifelsfall auf eine Notlüge ausweichen und sagen: "Du, sei mir nicht böse, aber meine letzte Empfehlung ist gründlich in die Hose gegangen, deshalb mache ich das nicht mehr." Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie unterschiedlich die Bereitschaft von Männern und Frauen ist, Freunden bei der Karriere zu helfen.

Männer fahren die Ellenbogen aus und Frauen klüngeln eher?

Das Gegenteil ist der Fall! Ich bin immer wieder erstaunt, wie oft ich von männlichen Freunden weiterempfohlen werde, obwohl die mich noch nie als Referentin erlebt haben. Frauen dagegen scheuen eher davor zurück, den Namen einer Freundin fallen zu lassen. Weil sie sich nicht den Vorwurf gefallen lassen wollen, sie würden sich im Job von Subjektivität und Sympathie leiten lassen. Dabei sind diese Hemmungen unbegründet: Eine Empfehlung ist lediglich eine Chance. Und gegenseitige Gefallen sind die Grundlage jedes beruflichen Netzwerks.

Das Buch "Erfolgsstrategie Networking. Business-Kontakte knüpfen, organisieren und pflegen" von Monika Scheddin ist im Allitera Verlag erschienen.

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