Weiterbildung (9): Englisch lernen am Computer ist bequem und effizient - sofern man gut motiviert ist.
Als Senior Beraterin in einer Düsseldorfer Werbeagentur hat Leonie Sieber viel mit internationalen Kunden zu tun. Englisch lernte sie acht Jahre lang auf der Schule, und auch in ihrem Wirtschaftsstudium musste sie reichlich Fachliteratur in Englisch lesen. Aber erst im letzten Herbst merkte die 38-Jährige, dass Sprachkenntnisse die Tendenz haben, bei geringer Nutzung einzurosten. "Wenn man vor einer Präsentation steht oder einen Workshop moderiert, fehlen einem schnell die richtigen Worte oder man weiß nicht, wie man einen schwierigen Sachverhalt korrekt ausdrücken soll", sagt Sieber. "Es fehlen einem die Worte und das, wo in unserem Beruf jedes Wort richtig sitzen muss."
Leonie Sieber: Noch heute setzt sie sich abends, wenn die Kinder schlafen, zu Hause an den PC. (© Foto: oH)
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Dafür gibt es Lösungen, sagen die Sprachreiseveranstalter, die Volkshochschulen, die Privatlehrer. Allein den richtigen Kurs aus der Vielzahl der Angebote auszuwählen, ist nicht immer leicht. Wenn man außerdem, wie Leonie Sieber, zwei kleine Kinder zu betreuen hat und die Freizeit entsprechend eingeschränkt ist, wird es noch schwieriger. Für diejenigen, die auf den Druck und die Unterstützung von Mitschülern verzichten können, bietet sich als Ausweg ein Sprachkurs am Computer an. So wie "Tell me more", ein Auffrischungskurs in Geschäftsenglisch, bei dem der Tutor vom Bildschirm aus Lob und Tadel verteilt.
Für zeitknappe Lernwillige mit hoher Eigenmotivation und strenger Disziplin sind die etwa 100 Euro Anschaffungskosten gut angelegtes Geld. Und nach bestandener Abschlussprüfung gibt es sogar ein Zertifikat. Das macht sich gut im Lebenslauf. Interaktive Sprachkurse gibt es in allen gut sortierten Buchhandlungen. Zu den wichtigsten Auswahlfragen gehören: Trainiert der Kurs neben Hören, Lesen und Schreiben auch das Sprechen? Wenn wie bei "Tell me more" ein Headset in der Packung steckt, können Dialoge nach- und mitgesprochen und vom virtuellen Tutor solange geprüft und korrigiert werden - "I didn't understand, please repeat" -, bis Aussprache und Betonung stimmen. Das mag albern klingen, ist es aber nicht, solange man keine grinsenden Zuhörer in der Nähe des Computers duldet. Meist kommt der Satz nach ein paar Versuchen flüssig und unbeanstandet aus der Kehle. Dann freut sich der Lehrer am Bildschirm, spendet Lob und macht Lust auf die nächste Lektion.
Wissensstoff auf der Festplatte
Eines freilich muss klar sein: Sprachkurse am PC sind kein Ersatz für den gemeinsamen Unterricht im Klassenraum, bei dem man auch von den anderen Teilnehmern lernen kann. Sie sind, salopp ausgedrückt, eine Krücke, gedacht für unregelmäßig Vielbeschäftigte wie Leonie Sieber, in deren Wochenplan kein fester Zweistundentermin für einen Sprachkurs passt und die sich aus Zeitgründen keinen mehrwöchigen Sprachurlaub leisten können. Aber genau für diese Zielgruppe sind sie goldrichtig - wenn man die Software nach dem Kauf auch regelmäßig aufruft und die Lektionen konsequent durcharbeitet. Wer den Wissensstoff allerdings unangetastet auf seiner Festplatte liegen lässt, kann sich die Investition sparen.
Michael Cordes hat für die Stiftung Warentest die PC-gestützten Englischkurse untersucht. "Lernen wie von selbst funktioniert auch bei den von uns untersuchten Sprachprogrammen nicht", warnt der Erziehungswissenschaftler, "der Lernwillige braucht schon viel Motivation, um sich eine Sprache per Computer beizubringen."
Davon hatte Leonie Sieber eine gute Portion, als sie begann, sich mehrmals in der Woche eine halbe Stunde Zeit für ihre Englischlektionen zu nehmen. "Mir ging es vor allem um die Vokabeln", sagt sie, "die Phonetikübungen waren nicht so mein Ding." Den Kurs hat sie komplett abgeschlossen. Noch heute setzt sie sich abends, wenn die Kinder schlafen, zu Hause an den PC und trichtert sich eine Zeitlang neue Worte und Redewendungen ein. Besonders gut gefallen ihr die Videosequenzen, bei denen die Schüler eine sprechende Rolle übernehmen, und die eingestreuten Gitterrätsel, bei denen man aus einem Wust von Buchstaben sinnvolle englische Wörter heraussuchen muss. Das trainiert die Rechtschreibsicherheit. Im Augenblick bereitet sich die Werbefrau auf die Sprachprüfung vor, denn auf ein Abschlusszeugnis legt sie durchaus Wert. Ihren Kunden freilich reicht es, wenn sie sich von ihr gut verstanden wissen.
Wo lernt man das?
Wer seine Englischkenntnisse am Computer auffrischen oder verbessern möchte, trifft auf ein großes Angebot an Sprachlernsoftware, unter anderem aus den Verlagen Cornelsen, Digital Publishing, Klett, Hueber und Langenscheidt. Im vergangenen November hat die Stiftung Warentest 14 Programme getestet und in einem ,,Spezial Weiterbildung Sprachen lernen'' bewertet. Als Testsieger ging daraus die damals aktuelle Version von ,,Tell me more'' hervor. Über die jüngste Version 9 liegen noch keine Testberichte vor. Sie heißt ,,Tell me more. Performance Business English'' und enthält 1200 mündliche und schriftliche Übungen sowie Videos zu den Themen Einkauf, Verlauf, Controlling, Kommunikation und Personalwesen für PC oder kompatible Geräte wie MP3-Player, iPod oder CD und kostet etwa 100 Euro. www.tellmemore.eu
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(SZ vom 31.5.2008/bön)
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