Frauensprache, Männersprache "War doch nur ein Vorschlag, kein Auftrag!"

Männer und Frauen reden im Job oft aneinander vorbei - sie haben unterschiedliche Kommunikationsstile. Aber lassen sich diese Missverständnisse tatsächlich durch das Geschlecht erklären?

Ein Interview von Silke Lode

Frauen und Männer reden oft aneinander vorbei - das ist zumindest eine weit verbreitete Ansicht. Helmut Ebert ist Professor am Institut für Germanistik der Universität Bonn, er hat überprüft, ob es tatsächlich verschiedene Sprachstile von Männern und Frauen gibt.

Ebert beschäftigt sich mit Organisationskommunikation - das ist die zum Beispiel Kommunikation mit Mitarbeitern, Kunden und Aktionären.

Zusammen mit Gabriele Dafft vom Amt für rheinische Landeskunde hat er das Sprachverhalten von Männern und Frauen in Arbeitsbesprechungen beobachtet und analysiert.

Im Sommer erscheint daneben Eberts "Handbuch Bürgerkommunikation", das sich an Verwaltungen wendet und aufzeigt, wie man verständliche Schreiben formuliert.

sueddeutsche.de: Herr Ebert, Sie haben jetzt wissenschaftlich belegt, dass es im Berufsalltag markante Unterschiede in der Sprache von Männern und Frauen gibt - wie haben Sie das herausgefunden?

Helmut Ebert: Wir wollten feststellen: Gibt es wirklich diese Unterschiede? Können wir unterschiedliche Stile identifizieren? Zu dem Zweck haben wir vier Arbeitsbesprechungen in der Zentrale des Landschaftsverbandes Rheinland aufgezeichnet. Das hat rund 100 Seiten Text ergeben, den wir anschließend ausgewertet haben.

Wir haben darauf geachtet, dass wenigstens eine Arbeitsbesprechung von einer Frau geleitet wurde. Drei Besprechungen führte ein Mann. Die Teilnehmer waren etwa zu gleichen Teilen Männer und Frauen.

sueddeutsche.de: Gab es ein Ergebnis, das Sie überrascht hat?

Ebert: Überraschend war die Bestätigung: Es gibt verschiedene Stile. Ich nenne das soziale Stile, weil natürlich auch Männer weibliche Stilzüge verwenden. Allerdings nicht so häufig.

sueddeutsche.de: Können Sie konkrete Beispiele nennen, wie Männer oder Frauen ihre Anliegen unterschiedlich zum Ausdruck bringen?

Ebert: Ein Beispiel sind Aufforderungen. Die werden von Frauen häufiger indirekt formuliert, Männer sind direkter. "Du gibst mir das dann jetzt, bitte!" - das wäre eine männliche Formulierung, "Könnte ich das vielleicht haben?" eine weibliche.

Die Folge: Eine Frau fordert einen Mann indirekt zu etwas auf. Wenn der Mann das Muster nicht versteht, kann es sein, dass er nicht auf die Forderung eingeht. Seine Tatenlosigkeit ist Folge eines Missverständnisses: "War doch nur ein Vorschlag, kein Auftrag."

sueddeutsche.de: Gibt es weitere markante Unterschiede?

Ebert: Lösungsvorschläge sind ein anderes Beispiel. Während der Entscheidungsfindung präsentieren Frauen offen und tolerant Lösungen als "Möglichkeiten". Männer bieten ihren Vorschlag eher als endgültig an.

Für Frauen ist die geäußerte Position also verhandelbar, für Männer nicht wirklich. Allerdings gehen Männer davon aus, dass auch die Lösungsvorschläge von Frauen nicht verhandelbar sind. Daher ist es schwierig, Entscheidungen im Konsens zu treffen.