Frauenquote in der EU Kampf um Vorbilder

Karriereorientierte Frauen finden in den Chefetagen ihrer Unternehmen nur selten weibliche Vorgesetzte. EU-Kommissarin Reding will dies durch die Einführung einer Frauenquote ändern - und scheitert an den Mitgliedsländern. Das ist ein enttäuschendes Signal.

Ein Kommentar von Caroline Ischinger

Frauen, die noch am Anfang ihrer Karriere- und Lebensplanung stehen und sich bei erfolgreichen Frauen gerne etwas abgucken würden, blicken viel zu oft ins Leere. Denn auf der Suche nach weiblichen Vorbildern begegnen ihnen in den obersten Etagen ihrer Unternehmen meist nur Anzugträger. So vorbildlich diese Chefs sein mögen, bei manchen Fragen - etwa zu Familie und Beruf - können sie nicht weiterhelfen.

Daher ist es falsch zu glauben, dass eine europaweite Quote für Aufsichtsräte nur ganz wenigen Frauen etwas bringen würde. Es ist wichtig, dass in den Kontrollgremien genug Frauen sitzen, weil sie mitbestimmen können, wohin ein Unternehmen steuert. Und weil sie auf diesem Weg Frauen im besten Fall fördern und motivieren können.

Es ist deshalb ein enttäuschendes Signal gerade für junge, karrierewillige Frauen, dass neun EU-Mitgliedsländer den Kommissionsentwurf für eine verbindliche Quote vom Tisch gewischt haben, bevor er überhaupt offiziell vorliegt. Mit dem Argument, Brüssel habe bei dem Thema nichts zu melden, ziehen sie sich in ihre nationalen Schneckenhäuser zurück. Wären sich diese Regierungen ihrer Verantwortung bewusst, bräuchte es die EU-Initiative ja nicht.

Doch es gibt Hoffnung: Die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding ist nicht dafür bekannt, dass sie sich schnell einschüchtern lassen würde. Sie wird kämpfen. Geradezu vorbildlich.