Warum der Frauenanteil in den IT-Ausbildungsberufen wieder sinkt und was Frauen motivieren könnte, Ingenieurinnen zu werden.
Fünf Jahre lang ging es aufwärts, doch seit dem Jahr 2002 sinkt der Frauenanteil in den IT-Ausbildungsberufen wieder - von 14 auf knapp elf Prozent. Dabei hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, dass 40 Prozent der Azubis weiblich sein sollen.
Esther Bebber ist eine Pionierin: Die Elektroingenieurin ist die erste Kfz-Sachverständige in Baden-Württemberg. (© Foto: dpa)
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Acht Ausbildungsberufe im IT-Bereich gibt es inzwischen in Deutschland. Bei Frauen fällt die Wahl vor allem auf die Ausbildungen mit kaufmännischer Ausrichtung. Sie werden eher Informatikkauffrau als Systemelektronikerin.
Ulrike Struwe vom "Kompetenzzentrum Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie" glaubt, dass das auch an den Berufsbezeichnungen liegt. "Das sind Berufe, die teilweise sehr technisch und kompliziert klingen." Die jungen Frauen würden vermuten, dass das Übergewicht auf der Technik liegt - zu Lasten der sozial-kommunikativen Kompetenzen. Die vielfältigen Möglichkeiten und Inhalte, die die IT-Berufe bieten würden, seien ihnen dagegen oftmals gar nicht bekannt.
Während auch bei den Informatik-Studiengängen die Studienanfängerinnen-Zahlen sinken (die Frauen stellen weniger als 17 Prozent der Studierenden im ersten Semester), haben es einige Ingenieurwissenschaften geschafft, kontinuierlich mehr Frauen anzuziehen. Über alle Fächergruppen hinweg liegt der Frauenanteil bei fast 22 Prozent. Nach Ansicht von Karl-Heinz Minks vom Hochschul-Informations-System (HIS) könnte es aber noch viel mehr sein. "Es ist paradox: Es gibt viele technikbegabte Frauen, die gar nicht auf die Idee kommen, Ingenieurwissenschaften zu studieren", sagt Minks.
Dem Hochschulforscher zufolge liegt das am Bild, das unsere Gesellschaft von Technik hat. "Da geht es nur um physikalische Rekorde: schneller, stärker. Das spricht männliche Jugendliche an", sagt Minks. Bestes Beispiel: Ein Handy mit 1000 Funktionen, die die wenigsten verstehen, geschweige denn brauchen. "Solche Protz-Elektronik interessiert junge Frauen nicht", sagt Minks. Technik-Symbole, die Frauen ansprechen, würden dagegen fehlen. "Technik ist kein Selbstzweck", sagt Minks. "Sie soll Bedürfnisse befriedigen, die außerhalb des Technischen liegen. Dort, wo Frauen einen solchen sozialen Sinn erkennen, entwickeln sie eher einen Bezug zur Technik."
Studiengänge, denen es gelingt, dies zu vermitteln, wie etwa Medizintechnik, wo der Zweck schon im Namen ersichtlich ist, haben in der Regel auch einen höheren Frauenanteil. Es gibt an mehreren Hochschulen außerdem Projekte, die sich auf den Studienalltag selbst auswirken. "Das klassische Ingenieur-Studium verlangt viel Frustrationstoleranz", sagt Minks. "Nicht nur für Frauen, weil sie Exotinnen unter den männlichen Kommilitonen sind, sondern auch wegen der Didaktik. Das Grundstudium ist viel Paukerei." Wofür gepaukt wirkt - außer für das Bestehen der nächsten Klausur - geht jedoch mitunter verloren. In neuen oder reformierten Studiengängen wird dagegen stärker projektbezogen, interdisziplinär und praxisorientiert gelehrt und gelernt.
Minks zufolge, der mehrere Modellversuche wissenschaftlich begleitet, sind die Erfahrungen damit sehr positiv. Einmal, was das Interesse der Frauen betrifft, aber auch seitens beteiligter Unternehmen. Und auch die Studienleistungen könnten sich sehen lassen. "Wichtig ist jetzt, dass solche Versuche wetterfest gemacht werden und im Studienalltag Wurzeln schlagen können", sagt Minks.
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