Weniger Gehalt, kaum Top-Jobs, dafür häufiger arbeitslos: Warum Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen im Schnitt weniger erfolgreich sind als ihre männlichen Kollegen.
Sie haben die gleiche Ausbildung, doch bei der Karriere ziehen sie den Kürzeren: Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern sind beruflich im Schnitt weniger erfolgreich als ihre männlichen Kollegen. Sie tun sich beim Berufseinstieg und beim Stellenwechsel schwerer und hinken auch im Job den Männern hinterher: Sie haben seltener Führungspositionen und verdienen im Schnitt weniger.
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Und das obwohl Frauen die besseren Startbedingungen haben: Ihre Abi-Note ist in der Regel besser, sie waren öfters im Ausland und kommen häufiger aus einem Ingenieur- oder naturwissenschaftlich geprägten Elternhaus als Männer. Das zeigen erste Ergebnisse eines Projekts an der Technischen Universität Darmstadt, das noch bis Sommer nächsten Jahres läuft und vom Bundesbildungsministerium unterstützt wird.
Die Macht des Privaten
Die Forscherinnen wollen herausfinden, wie es zu diesen Ungleichheiten kommt. "Wir haben Hinweise, dass die Chancen für Frauen deshalb schlechter sind als die der Männer, weil sich diese Berufe an einer männlich geprägten Normalbiografie orientieren", sagt Yvonne Haffner von der TU Darmstadt. "Es liegt eben nicht nur daran, ob jemand Vollzeit oder Teilzeit arbeitet. Sondern bei dem, was Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern erwarten, spielt auch das Privatleben eine Rolle". Anforderungen wie beispielsweise Überstunden können Männer in der Regel leichter erfüllen. Denn zu Hause schaut es bei Kollegen und Kolleginnen ganz anders aus, wie die Studie zeigt: Während die berufstätigen Frauen meist mit karriereorientierten Partnern leben und bei der Kinderbetreuung auf externe Lösungen angewiesen sind, kann sich die überwiegende Mehrheit der befragten Männer auf eine nicht erwerbstätige Partnerin verlassen.
Für die Forscherinnen ist ein Weg zu mehr Chancengleichheit daher der "Umbau der traditionellen männlichen Arbeitskultur". Diese erkenne vor allem ungeregelte, überlange Arbeitszeiten als Indikator für Leistung an und lasse als Motivation für Leistungserbringung in erster Linie hohen Konkurrenzdruck gelten. "Die von einem traditionellen Verständnis von Männlichkeit geprägte Arbeitskultur im Bereich der Ingenieurtätigkeiten verhindert in vielen Fällen, dass die Kompetenzen und Potenziale von Frauen richtig wahrgenommen werden", heißt es in der Studie.
Was Er und Sie verdient
Dass die Frauen beim Gehalt Abstriche machen müssen, liegt nicht nur an den schlechteren Karriereperspektiven. Wie die Studie zeigt, verringert sich der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern zwar, wenn die Gehälter innerhalb der gleichen Positionen verglichen werden - "Das hebt ihn aber nicht komplett auf", sagt Haffner.
Auch die Umfragen des Kölner Recruiting-Dienstleister Access unter jungen Berufstätigen bestätigen immer wieder, dass die Kolleginnen in der Regel geringer vergütet werden. "Frauen verdienen tatsächlich weniger, auch wenn sie eine vergleichbare Position wie Männer haben", sagt Axel Keulertz von Access. "Ein Erklärungsansatz ist, dass Männer mehr Wert auf ein hohes Einkommen legen als Frauen."
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