Frauen auf dem Arbeitsmarkt Gezwungen zur Teilzeit

Frauen scheuen die Belastung und wollen mehr Zeit für die Familie? Von wegen. Viele Arbeitnehmerinnen in Deutschland würden gerne länger arbeiten - wenn man sie ließe.

Von Thomas Öchsner

wei Drittel der Minijobberinnen und die Hälfte aller Teilzeitbeschäftigten will gerne länger arbeiten. Das ergibt sich aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Forscher kommen darin zu dem Schluss, "dass bei der Arbeitszeit Wunsch und Wirklichkeit häufig nicht übereinstimmen".

Nach Angaben des IAB, das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, hat sich seit der Wiedervereinigung die Beschäftitung bei Frauen und Männern sehr unterschiedlich entwickelt: Die Anzahl der beschäftigten Männer nahm zwischen 1991 und 2010 um acht Prozent ab, die der Frauen um 16 Prozent zu.

Zugleich ging die Vollzeitbeschäftigung insgesamt um 20 Prozent zurück. Die Verluste bei den Vollzeitjobs gehen mit starken Zuwächsen bei den Teilzeit- und Minijobs einher. Dies gilt vor allem für Frauen. So war 2010 bereits die Hälfte aller Arbeitnehmer weiblich. Der Anteil der Frauen am Arbeitsvolumen belief sich allerdings nur auf 43 Prozent.

Die Teilzeitarbeit ist nach den Erkenntnissen des Nürnberger Instituts aber "oft unfreiwillig": So gebe fast jede fünfte Frau an, "nur deshalb teilzeitbeschäftigt zu sein, weil sie keine Vollzeittätigkeit finden konnte". 1991 habe dieser Anteil noch bei sechs Prozent gelegen.

Aus der Studie geht hervor, dass sowohl männliche wie auch weibliche Teilzeitbeschäftigte ihre wöchentliche Arbeitszeit ausweiten und damit ihren Lohn aufbessern möchten. Regulär teilzeitbeschäftigte Frauen würden demnach gerne ihre vereinbarte Wochenarbeitszeit um vier Stunden erhöhen und Minijobberinnen sogar um neun Stunden.

Alle Verlängerungswünsche zusammengerechnet, ergibt sich ein Arbeitspotential von 40,5 Millionen Stunden pro Jahr. Das entspricht etwa einer Million zusätzlicher Stellen. Das IAB sieht darin auch ein beachtliches Arbeitspotential im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Das Forschungsinstitut räumt jedoch ein, dass es schwierig sei, die Wünsche in diesem Umfang umzusetzen. Außerdem sei eine flächendeckende Kinderbetreuung nötig, damit sich Frauen im Beruf stärker engagieren könnten.

"Wer nach oben will, muss Leistung bringen"

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