Frauen als Partner in Kanzleien Karriere als Anwältin - bitte ohne Kinder

In deutschen Großkanzleien saßen Frauen früher nur im Vorzimmer. Heute ist die Hälfte der Berufseinsteiger weiblich - doch nur jede siebte Anwältin schafft es zur teilhabenden Partnerin. Das wurmt inzwischen sogar die Kanzleien.

Von Anne-Ev Ustorf

Carolin Fischer hatte alle Chancen auf eine glänzende Karriere als Anwältin. Doch als sie mit Anfang dreißig nach einem Top-Studium, einem Top-Examen und einer Promotion endlich ihren Traumjob in einer Großkanzlei in Berlin ergattert hatte, wusste die zielstrebige Gesellschaftsrechtlerin plötzlich nicht mehr so recht, wie es weitergehen sollte.

Das Problem waren nicht die anspruchsvollen Mandate, die Zwölf-Stunden-Tage und häufigen Reisen, die Fischer absolvierte, um in der Kanzlei irgendwann von der angestellten Anwältin zur teilhabenden Partnerin aufsteigen zu können. Das Problem war, dass sie sich ein Kind wünschte. Doch Mutterschutz, Elternzeit und Feierabend um 18 Uhr waren als Partnerin nicht drin, schon gar nicht in der traditionsreichen Sozietät, in der sie arbeitete. Und ihr Ehemann wollte auch nicht zu Hause bleiben.

"Mein Mentor sagte mir klipp und klar, dass er mich unbedingt halten wolle, eine Partnerschaft in meinem Fachgebiet aber nur bei vollem beruflichen Einsatz möglich wäre", erzählt Fischer. Aber wie sollte das gehen, mit Baby? Sie entschied sich für einen Karrierewechsel. Nun ist sie Richterin und holt täglich um 16 Uhr ihre Zwillinge aus der gerichtseigenen Kita ab. "Es ist okay, aber inhaltlich vermisse ich meinen alten Job schon", sagt die 35-Jährige, "das Richteramt finde ich eher langweilig."

Für ambitionierte Junganwälte ist eine Position in einer großen Wirtschaftskanzlei noch immer das Nonplusultra. Interessante Mandate, internationale Kontakte, Einstiegsgehälter von mehr als 100.000 Euro locken die Jahrgangsbesten in Großkanzleien wie Hogan Lovells oder Hengeler Mueller. Die Arbeitsbelastung ist enorm, viele Junganwälte kommen locker auf 60 Wochenstunden. Doch wenn sie Karriere machen wollen, müssen sie sich richtig reinhängen. Denn nur wer ordentlich Umsatz macht, schafft nach fünf bis sechs Jahren den Schritt vom angestellten Anwalt - genannt Associate - zum Partner, also Teilhaber.

Just in diese Zeit allerdings fällt auch die Gründung einer Familie. Doch Auszeiten werden nicht gern gesehen, weder bei den Associates noch bei den Partnern, und manchmal auch bei den Mandanten nicht. Vor allem im Bereich Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, kurz M&A). "Wir sind Dienstleister mit Stundenhonoraren zwischen 300 und 500 Euro, da erwarten unsere Mandanten in Transaktionsphasen absolute Verfügbarkeit", sagt ein Associate aus München, der lieber anonym bleiben möchte. "Da kann man nicht um 22 Uhr nach Hause gehen."

Also kehren viele Top-Anwältinnen den Großkanzleien nach einigen Jahren den Rücken. Hervorragend qualifizierte Anwältinnen sind daher heute vor allem im öffentlichen Dienst, in der Justiz oder in Unternehmen zu finden, wo strukturierte Arbeitsformen und Familienverträglichkeit garantiert sind. In den großen Wirtschaftskanzleien machen sie nur fünf bis 15 Prozent der Partner aus. Die Führungsriegen deutscher Sozietäten sind nach wie vor eine Männerdomäne.

Das haben mittlerweile auch die Großkanzleien gemerkt. Und es wurmt sie. Denn guter Nachwuchs ist auf dem Arbeitsmarkt schwer zu finden. Trotzdem beginnt das Umdenken nur langsam. "Das ist ein Lernprozess und eine Herausforderung für uns alle", gibt Hubertus Kolster zu, General Managing Partner bei der Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle. Von 203 Partnern an neun Standorten in Deutschland kann CMS bislang 30 Partnerinnen verzeichnen, acht davon in Teilzeit. Denn Kolster ist fest entschlossen, das Steuer herumzureißen. "Wir brauchen die Frauen unbedingt", erklärt er, "also müssen wir uns der gesellschaftlichen Verantwortung stellen und mit den alten Mustern brechen."

Mehr Zeit für Mamis

mehr...