Frage an den SZ-Jobcoach Wie muss heutzutage eine Bewerbung aussehen?

Kathrin K. hat sich seit 23 Jahren nicht mehr beworben. Nun möchte Sie die Stelle wechseln. Doch ist eine postalische Bewerbung überhaupt noch zeitgemäß?

SZ-Leserin Kathrin K. fragt:

Ich war 21 Jahre als Disponentin/Prokuristin in einem Kameraverleih tätig und habe vor zwei Jahren den Arbeitgeber gewechselt. Damals klappte das mit Referenzen, ohne Zeugnisse, Anschreiben und Lebenslauf. Nun will ich zu einem führenden Kamera- und Scheinwerferhersteller wechseln. Ich bin 54 Jahre alt und habe keine Ahnung, wie heutzutage eine Bewerbung auszusehen hat. Was muss rein? Was kann ich eventuell weglassen? Wie ist die Reihenfolge? Was muss ich in meinem Alter beachten?

Vincent Zeylmans antwortet:

Liebe Frau K., mit einer Bewerbung stellen Sie den ersten Kontakt zum potenziellen Arbeitgeber her. Ihr Ziel: Sie wollen zu einem Gespräch eingeladen werden. Wenn es dazu kommt, entscheiden Fachkompetenz und Persönlichkeit. Daran hat sich in den letzten Jahren wenig geändert. Was sich verändert hat: Personaler haben immer weniger Zeit. Und mit moderner Computertechnik sehen Bewerbungen professioneller aus. Das bedeutet, dass Sie vielleicht zwei Minuten haben, um mit Ihrer Bewerbung zu überzeugen. Da zählt nicht nur die Qualifikation, sondern auch die Aufmachung.

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Wie muss ein Bewerbungsschreiben aussehen? | Darf ich im Lebenslauf schummeln? | Was gilt es im Vorstellungsgespräch zu beachten? | Wie läuft ein Assessmentcenter ab? Der Bewerbungs-Ratgeber von SZ.de gibt Tipps.

Gerade im Mittelstand freuen sich Personaler manchmal noch über eine Papierbewerbung. Für einen überzeugenden Gesamteindruck verwenden Sie am besten ein weißes Kuvert mit Kartonrückwand und Sondermarken. Für das Anschreiben wählen Sie schönes Papier, auf dem Sie mit blauer Tinte unterschreiben. Ihre Unterlagen stecken Sie in eine transparente Hülle.

Ob traditionell oder digital: Das Anschreiben sollten Sie immer an einen konkreten Ansprechpartner richten, den Sie gegebenenfalls telefonisch erfragen. Die Schriftgröße muss gut lesbar sein, Leerzeilen laden zum Weiterlesen ein. Wenn Sie sich für ein Deckblatt mit professionellem Bild entscheiden, individualisieren Sie es mit dem Namen des Arbeitgebers, der Zielposition und Ihren Kontaktdaten.

Natürlich muss auch der Inhalt überzeugen. Beim Anschreiben sollten Sie erwähnen, warum Sie sich ausgerechnet bei dieser Firma bewerben. Dann schildern Sie Ihre Fachkompetenz. Erzählen Sie nicht nur, über welche Berufserfahrung Sie verfügen, sondern auch, was Sie auszeichnet. Nennen Sie Erfolge, Leistungen, Ergebnisse.

Was unterscheidet Sie vom Mitbewerber, der die gleiche berufliche Eignung vorweist? Wer sind Sie als Mensch? Was sind Ihre Stärken? Die meisten Arbeitgeber würden außerdem gern Ihre Wechselmotivation verstehen.

Beim Lebenslauf beginnen Sie bei der letzten beruflichen Station. Dieses Format hat sich durchgesetzt. Hier ist noch einmal Platz für Ihre Erfolge: Die können Sie schwer alle im Anschreiben unterbringen. Gruppieren Sie diese unterhalb Ihrer jeweiligen Position. Sie haben dann zwei Kategorien mit Unterpunkten: "Hauptaufgaben" und "Erfolge". Wenn diese Auflistung zu umfangreich wird, können Sie die Ergebnisse auch auf einer separaten Seite dokumentieren, die Sie "Leistungsbilanz" nennen.

Gerade wenn Bewerber die fünfzig überschritten haben, sollten sie sich nicht nur auf ausgeschriebene Stellen bewerben. Auf dem verdeckten Arbeitsmarkt gibt es die meisten Jobs. Versenden Sie auch Initiativbewerbungen an ausgesuchte Unternehmen. Hinterlegen Ihren Lebenslauf bei führenden Karriereportalen. Und erstellen Sie ein professionelles Profil in den geschäftlichen Netzwerken, damit Sie kontaktiert werden können.

Vincent Zeylmans war jahrelang Abteilungsleiter in internationalen Konzernen. Deren Rekrutierungspolitik kennt er daher aus der Praxis. Heute lebt er als Buchautor, Führungskräftecoach und Managementtrainer in Emmerich am Rhein.

Haben Sie auch eine Frage zu Bewerbung, Berufswahl, Etikette, Arbeitsrecht, Karriereplanung oder Führungsstil? Schreiben Sie ein paar Zeilen an coaching@sueddeutsche.de. Unsere sechs Experten wählen einzelne Fragen aus und beantworten sie im Wechsel. Ihr Brief wird selbstverständlich anonymisiert.