Frage an den SZ-Jobcoach Wie finde ich einen geeigneten Coach?

Burn-out-Gedanken, dazu massive Probleme mit Mitarbeitern - Stefan H. würde sich gerne von einem Coach helfen lassen. Doch welcher ist der richtige? Und wer trägt die Kosten?

SZ-Leser Stefan H. fragt:

Ich befinde mich seit Monaten an der Grenze zu einem Burn-out und habe zusätzlich massive Probleme mit zwei Mitarbeitern. Ich brauche Unterstützung und möchte deshalb mit einem Coach zusammenarbeiten.

Ich weiß allerdings nicht, wie ich einen geeigneten Coach finde. Nebenbei interessiert mich auch, ob Unternehmen üblicherweise die Coaching-Kosten tragen beziehungsweise wie ich das nahelege?

Georg Kaiser antwortet:

Lieber Herr H., die Suche nach einem geeigneten Coach beginnt bei Ihnen selbst. Je mehr sie sich darüber bewusst werden, was genau sie klären und bearbeiten wollen, desto leichter wird es Ihnen fallen, aus der zunächst unübersichtlich erscheinenden Anzahl von Coaching-Angeboten mit den unterschiedlichsten Spezialisierungen die Spreu vom Weizen zu trennen. Inhaltlich lassen sich beim Führungskräfte-Coaching zwei unterschiedliche Herangehensweisen unterscheiden, die erst im Zusammenspiel das ganze Bild ergeben:

Aus einem systemisch-strategisch-taktischen Blickwinkel heraus setzt sich der Coachee - also der Klient des Coaches - mit seiner Rolle als Führungskraft und den damit verbundenen teilweise durchaus widersprüchlichen Anforderungs- und Verhaltensprofilen auseinander. Er analysiert das Kraftfeld, in dem er sich als Führungskraft bewegt, und entwickelt eine Erfolgsstrategie, wie seine Ziele im Geflecht von Einflussfaktoren unterschiedlicher Abteilungen, offiziellen und inoffiziellen Regeln, Tabus, informellen Meinungsführern, Mikropolitik und vielem mehr bestmöglich erreicht werden können.

Aus einem persönlichkeitsorientierten Blickwinkel heraus analysiert der Coachee seine Potenziale, seine handlungsleitende Motivationsstruktur sowie die Denk-, Handlungs- und Empfindungsmuster. Er sucht beim Coach Unterstützung bei der Steigerung der sozialen Kompetenz und Begleitung bei der Klärung innerer Ambivalenzen und der psychischen Verarbeitung von kritischen Lebenssituationen und Konflikten, mit denen er sich selbst im Wege steht.

Eine Burn-out-Thematik und Konflikte mit Mitarbeitern können persönlichkeitsbedingt sein, etwa wenn Sie sich nicht klar genug abgrenzen und zu wenig Forderungen stellen. Sie können aber auch dadurch verursacht sein, dass Sie Ihre Führungsrolle nicht konsequent genug umsetzen, weil Sie zu wenig delegieren, Schnittstellen nicht klar genug definieren oder Ihrem Team zu wenig Orientierung geben.

Viele Coaches haben sich spezialisiert. Wenn Sie für sich die inhaltlichen Schwerpunkte geklärt haben, die Sie im Coaching bearbeiten wollen, fällt es leichter, sich die vier bis sechs vielversprechendsten Angebote herauszusuchen und Erstgespräche zu vereinbaren. Das wichtigste Kriterium bei der Suche ist Ihr Gefühl, ob Sie sich bei einem Coach mit der Klärung Ihres Anliegens gut aufgehoben fühlen. Wenn dieser Eindruck im Kennenlerngespräch nicht entsteht, suchen Sie einen anderen! Ohne Vertrauen öffnen Sie sich nicht für die kritischen eigenen Themen.

Die Berufsbezeichnung Coach ist in Deutschland nicht geschützt. Auch ohne Ausbildung kann sich jeder so nennen. Achten Sie bei der Suche nach einem geeigneten Coach darauf, dass er eine qualifizierte systemische, therapeutische oder Coaching-Ausbildung nachweisen kann und Erfahrungen in der Arbeit mit Wirtschaftsunternehmen mitbringt. Viele Firmen arbeiten mit einem festen Stamm von Coaches zusammen, die hinsichtlich ihrer Qualität von der Personalabteilung ausgewählt worden sind, und übernehmen in der Regel die Kosten, wenn das Coaching vom entsprechenden Vorgesetzten gutgeheißen wird.

Betreten Sie mit Ihrem Wunsch nach einem Coach in Ihrem Unternehmen Neuland, können Sie das Coaching als spezielle, individuelle Form der beruflichen Weiterbildung oder Qualifizierung darstellen, die einem Seminar vorzuziehen ist. Denn neben der Vermittlung von fachlicher und sozialer Kompetenz werden auch dysfunktionale innere Muster analysiert und transformiert und persönliche Wachstumsprozesse initiiert.

So nicht, Chef!

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Georg Kaiser unterstützt Führungskräfte bei Konflikten im Arbeitsalltag und der Entwicklung ihres Personals. Er arbeitet als Wirtschaftsmediator, Managementtrainer, Coach, Supervisor und Gestalttherapeut in Bremen.

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