Frage an den Jobcoach Wie erkläre ich den Bruch im Lebenslauf?

Fragen zur Bewerbung? Der Jobcoach weiß Rat.

(Foto: Jessy Asmus)

Leser Fabian G. ist zweimal durch das juristische Staatsexamen gefallen. Jetzt fragt er sich, wie er damit bei einer Bewerbung umgehen soll.

SZ-Leser Fabian G. fragt:

Ich bin 33 Jahre alt und habe mich bis zu meinem 27. Lebensjahr dem klassischen Jurastudium gewidmet. Leider bin ich zwei Mal durchs Staatsexamen gefallen. Darum habe ich auf Wirtschaftsjura umgesattelt und zur Finanzierung des Studiums als Sales Consultant für eine große Modefirma gearbeitet. In Kürze werde ich das Studium mit dem L.LB, also dem Bachelor of Laws, abschließen und mit der Jobsuche beginnen. Meine Frage: Wie soll ich mit dem nicht bestandenen Staatsexamen umgehen? Und wie kann ich meinen nicht ganz geraden Lebenslauf möglichst geschickt verpacken?

Vincent Zeylmans antwortet:

Lieber Herr G., man kann seinen beruflichen Werdegang und das Leben im Allgemeinen auf unterschiedliche Weise betrachten. Die angelsächsische Betrachtungsweise konzentriert sich weitgehend auf die Stärken, während die vermeintlichen oder realen Schwächen eher als Randerscheinung wahrgenommen oder gar ignoriert werden. In Deutschland ist dagegen ein perfektionistischer Anspruch verbreitet, wir konzentrieren uns gern auf die Schwächen. Nicht selten befassen wir uns zu 80 Prozent unserer Zeit mit 20 Prozent unserer Defizite. Umgekehrt wäre es sicherlich gesünder.

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Beim Karrierecoaching höre ich oft die Klagen: Ich bin zu alt, ich bin zu jung, ich bin Spezialist, ich bin Generalist, ich habe nur Erfahrung in einer Branche, ich habe Erfahrung in zu vielen Branchen, ich war zu lange in einer Firma, ich habe zu oft gewechselt. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. In den meisten Fällen handelte es sich dabei nicht um Rückmeldungen von Unternehmen, sondern um die eigene Wahrnehmung.

Wenn Sie die Perspektive umdrehen, haben Sie Alleinstellungsmerkmale vorzuweisen, über die andere Bewerber nicht verfügen. Sie haben mehrere Jahre Jura studiert und sich anschließend für Wirtschaftsjura entschieden, was offensichtlich besser zu Ihnen passte, und hier weisen Sie heute einen akademischen Abschluss vor. Dabei ist Ihr Fachwissen - aufgrund beider Studiengänge - fundierter als das Ihrer Mitbewerber. Zusätzlich haben Sie als Student noch reale Berufserfahrungen gesammelt, da Sie als Sales Consultant für einen Modekonzern arbeiten konnten. Das ist keine esoterische Selbsthypnose - das sind Fakten.

Wenn Sie diese Posten auf die Haben-Seite Ihrer persönlichen Bilanz verbuchen, haben Sie Kompetenzen, Berufserfahrungen, aber auch Selbstreflexion und Kenntnisse über Ihre Motivation vorzuweisen. Hier können Ihnen andere Bewerber mit einem glatten Lebenslauf nicht das Wasser reichen.

Sie können Ihr Wissen offensiv vermarkten. Natürlich wollen Sie authentisch bleiben - aber es gibt wirklich keinen Grund für Entschuldigungen, Erläuterungen und Einwandvorwegnahmen. Wenn Ereignisse für Sie zum Problem werden, fallen diese auch Ihrem Gegenüber auf. Wenn Sie Ihre Stärken, Vorteile und Nutzen für den künftigen Arbeitgeber in den Vordergrund stellen, wird dieser Ihrer Linie mit großer Wahrscheinlichkeit folgen.

Bestimmt haben Sie gehört, dass sich Unternehmen mittlerweile am meisten darum sorgen, woher der Nachwuchs für ihre offenen Stellen kommen soll. Teilweise müssen schon Aufträge abgelehnt werden, weil Mitarbeiter fehlen. Auch Arbeitgeber, die gestern wählerisch waren, freuen sich, wenn sie heute überhaupt noch qualifiziertes Personal finden. Das trifft umso mehr zu, je unbekannter das Unternehmen und je weiter entfernt von den Metropolen es sich befindet.

Vincent Zeylmans war lange Abteilungsleiter in internationalen Konzernen und kennt deren Rekrutierungspolitik aus der Praxis. Heute lebt er als Buchautor, Karriere-Coach und Outplacement-Berater in Emmerich am Rhein.

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