Frage an den Jobcoach Warum hat meine Bewerbung keinen Erfolg?

BWL-Absolvent Theo W. sucht seinen ersten Job. Weil keine Firma ihn bisher zum Vorstellungsgespräch eingeladen hat, fragt er den SZ-Jobcoach, was mit seiner Bewerbung nicht stimmt.

SZ-Leser Theo W. fragt:

Ich habe gerade meinen Bachelor in BWL gemacht und möchte in den Semesterferien endlich die Unternehmensrealität kennenlernen. Ich habe insgesamt acht Bewerbungen digital an interessante Unternehmen geschickt, unter anderem an BMW, Siemens und Allianz. Leider habe ich bisher nur Absagen beziehungsweise überhaupt keine Antwort bekommen. Was mache ich falsch? Muss ich bei Online-Bewerbungen auch ein Anschreiben mitschicken? Oder reicht eine PDF-Datei mit Lebenslauf? Ich habe gehört, ein Foto sei nicht mehr nötig, deshalb habe ich auch darauf verzichtet. Daher meine Frage: Wie wichtig sind solche Formalitäten?

Vincent Zeylmans antwortet:

Lieber Herr W., aus Ihrer Frage geht nicht ganz klar hervor, ob Sie sich für ein festes Angestelltenverhältnis bewerben, für einen Praktikumsplatz oder nur für einen Ferienjob. Da Sie von den Semesterferien sprechen, gehe ich von einer befristeten Tätigkeit aus, wobei die Prinzipien einer Bewerbung im Grunde identisch sind.

Der SZ-Jobcoach

Vincent Zeylmans war lange Abteilungsleiter in internationalen Konzernen und kennt deren Rekrutierungspolitik aus der Praxis. Heute lebt er als Buchautor, Karriere-Coach und Outplacement-Berater in Emmerich am Rhein.

Fast täglich erreichen uns Erfolgsmeldungen vom Arbeitsmarkt. Mit 44 Millionen Erwerbstätigen hat Deutschland einen Beschäftigungsrekord erreicht. Seit der Wiedervereinigung gab es noch nie so wenige Arbeitslose wie heute. Die Wirtschaft will weiterhin Hunderttausende Stellen schaffen. 50 Milliarden Euro Wertschöpfung können Firmen nicht realisieren, weil qualifizierte Mitarbeiter fehlen.

Da liegt der Gedanke nahe, dass jeder Jobsuchende mit offenen Armen empfangen wird. In der Praxis ist das Bewerbungsverfahren aber häufig kein Spaziergang. Warum? Neben allen Stärken, die Sie vorweisen, sollten Sie auch einen Perspektivenwechsel vornehmen. Welchen Herausforderungen sehen Sie sich gegenüber? Sie haben einen Bachelor in BWL. Das ist gut. Manche Unternehmen können den Abschluss aber nicht ganz einordnen und sehen darin, boshaft formuliert, nur ein besseres Abitur. Zweitens bringen Sie offensichtlich noch keine Berufserfahrung mit. Das teilen Sie mit vielen anderen Berufsanfängern.

Wenn Sie einen Ferienjob suchen, wägt ein Unternehmen natürlich das Kosten-Nutzen-Verhältnis ab. Wie lange sind Sie verfügbar? Ab wann können Sie produktiv eingesetzt werden? Lohnt sich der Aufwand für den Arbeitgeber? Viele Firmen sehen in solchen Maßnahmen eher einen Mitarbeiterbindungsprozess als einen Einsatz, von dem sie profitieren.

Sie haben Unternehmen wie BMW, Siemens oder Allianz angeschrieben. Diese gehören zu den beliebtesten Arbeitgebern Deutschlands. Sie erhalten jährlich einige Hunderttausend Bewerbungen und können normalerweise aus den Vollen schöpfen. Sie stehen also in einem scharfen Wettbewerb. Wenn in der Fach- oder Personalabteilung nun mehrere Bewerbungen vorliegen, einige mit Bild und Anschreiben, erhalten eher solche Kandidaten eine Einladung, die besser eingeschätzt werden können. Daher ermutige ich ausdrücklich zu einem Bild als Sympathiefaktor für den ersten Eindruck. Auch das Anschreiben ist wichtig. Es gilt als eine Art Arbeitsprobe, in dem Sie Ihre Individualität zum Ausdruck bringen können.

Ihre Erfolgschancen werden größer, wenn Sie nicht nur Arbeitgeber anschreiben, die im Top-Ranking aufgeführt werden. Häufig sind die sogenannten Hidden Champions, große Weltmarktführer mit unbekannten Namen, gute Anlaufstellen. Oft stellen sie Produkte her, die für den Endverbraucher nicht sichtbar sind, wie Bremsen, Lackieranlagen oder Steuerungselemente. Die Hidden Champions befinden sich meistens abseits der Metropolen. Solche Firmen erhalten weniger Bewerbungen. In einem Anschreiben könnten Sie kundtun, was Sie an diesen erfolgreichen Unternehmen begeistert.

Zu guter Letzt: Acht Bewerbungen sind eine überschaubare Anzahl. Es ist realistisch, dass Sie ein etwas größeres Volumen benötigen, damit Sie eine für Sie passende Stelle finden.

Ihre Frage an den SZ-Jobcoach

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