Frage an den Jobcoach Darf ich meinen Lebenslauf abspecken?

Katja F. würde in einem neuen Job gerne weniger Verantwortung tragen. Potenzielle Arbeitgeber macht das aber misstrauisch. Daher bittet sie den SZ-Jobcoach um Rat.

SZ-Leserin Katja F. fragt:

Die letzten drei Jahre habe ich als Manager Human Resources (HR) in einem kleinen Unternehmen gearbeitet und die Personalarbeit geleitet. Zuvor war ich als Personalreferentin und Assistentin im gleichen Unternehmen tätig. Nun möchte ich den Job wechseln und künftig etwas weniger Verantwortung tragen. Soll ich offen damit umgehen und frei heraus sagen, dass ich etwas kürzertreten will? Oder soll ich versuchen, meinen Titel anzupassen (ich könnte mich ja auch Teamleiter oder HR Business Manager nennen), das Zeugnis abzuändern (zum Beispiel die Prokura rausnehmen) und den Lebenslauf etwas abzuspecken? Was empfehlen Sie mir?

Christine Demmer antwortet:

Liebe Frau F., um mit Ihren Vorschlägen anzufangen: Nein, die Angaben im Zeugnis dürfen Sie nicht verfälschen. Wem sage ich das? Als Personalerin wissen Sie doch selbst am besten, dass ein Arbeitszeugnis der Wahrheit entsprechen muss. Wenn man Ihnen Prokura erteilt hat, Sie also mit sehr weitgehenden Entscheidungsvollmachten ausgestattet hat, dann muss das auch im Zeugnis stehen. Ebenso wie Ihre letzte Funktionsbezeichnung, und die ist nun mal Manager Human Resources. Unter einem Teamleiter oder einem HR Business Manager stellt sich ein Unternehmen etwas anderes vor. Daher wäre auch Tiefstapelei ein Etikettenschwindel.

Der SZ-Jobcoach

Christine Demmer arbeitet als Wirtschaftsjournalistin in Deutschland und Schweden. Sie ist Managementberaterin, Coach und Autorin zahlreicher Sachbücher zu Kommunikations- und Personalthemen.

Das könnte im Übrigen böse Folgen für Sie haben. Stellen Sie sich vor, Ihr neuer Chef trifft zufällig auf Ihren bisherigen, schwärmt von seiner neuen Sachbearbeiterin und lobt, sie hätte das Zeug zu Höherem. Sagt der verwundert: "Wieso? Das war sie doch bei uns." Aufgeflogen, rausgeflogen. Es muss nicht, kann aber so kommen, wenn Sie bei der Bewerbung unwahre Angaben machen.

Ermüdende Selbstoptimierung ist kein Heldentum

Immer mehr Menschen melden sich wegen psychischer Erkrankungen von der Arbeit ab. Schuld daran sind Ehrgeiz und Leistungsdruck. Klare Regeln müssen her. Kommentar von Alexander Hagelüken mehr ...

Die Gründe, weshalb Sie künftig keine Verantwortung für das gesamte Personalressort mehr tragen wollen, spielen hier erst mal keine Rolle. Aber Sie wissen schon, dass Sie damit in unserer aufstiegsorientierten Arbeitswelt Erstaunen, Verständnislosigkeit, ja, Misstrauen auslösen, nicht wahr? Jeder Bewerbungsempfänger wird erst sich und dann Sie fragen, was Sie dazu bewogen hat, aus freien Stücken von der Karriereleiter herunterzuklettern. Bitte, wer tut so was schon?

Sie brauchen also eine plausible Erklärung, die - und das macht die Sache knifflig - gleichzeitig glaubwürdig ist und nicht an Ihrer Leistungsbereitschaft zweifeln lässt. Je ehrlicher Sie dabei sind, desto überzeugender werden Sie wirken. Umgekehrt: Je verkrampfter Sie um den heißen Brei herumreden, umso mehr Widerstand werden Sie auf sich ziehen.

Ein Tipp: Wenn Sie sich bei einem wesentlich größeren Unternehmen als Ihrem jetzigen Arbeitgeber bewerben, sinkt das Maß der zu erwartenden Skepsis enorm. Je größer und bekannter die Firma, desto selbstverständlicher gehen Personaler davon aus, dass selbst Chefpositionen gerne dafür aufgegeben werden.

Ihre Frage an den SZ-Jobcoach

Haben Sie auch eine Frage zu Berufswahl, Bewerbung, Etikette oder Arbeitsrecht? Dann schreiben Sie ein paar Zeilen an coaching@sueddeutsche.de. Unsere Experten beantworten ausgewählte Fragen. Ihr Brief wird anonymisiert.