Der Trainer bietet in seinem halbtägigen Workshop keine konkreten Lösungen an, wie es sich mancher Teilnehmer gewünscht hätte. Eine Verkaufsleiterin hätte beispielsweise gerne gewusst, wie man einen Chef unterstützt, der mit seiner Führungsrolle nicht zurechtkommt. Und der Produktmanager einer Biotechnologie-Firma fragte sich, wie man es schafft, dass Mitarbeiter wirklich ihre Meinung sagen. Mehr Fallbeispiele mit konkretem Bezug zur eigenen Situation wären schön gewesen, sagten andere. In dem Pilotseminar mit Teilnehmern verschiedenster Branchen war dafür keine Zeit. Das Hauptziel, Führungskräfte darin zu schulen, Verhalten objektiv zu beobachten, hat der Trainer aber erreicht.
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Bierchen statt Läuse
"Fremd- und Eigenwahrnehmung klaffen oft auseinander", sagt Sina Schillings. "Über das Verhalten der Affen kann man gut ins Gespräch kommen." Die Personalentwicklerin ist begeistert und will ihre Erfahrung in ihrer Werbeagentur weitergeben. Dass die Fallbeispiele mit den Affen auch mal ganz lustig sind und im Workshop eine lockere Atmosphäre herrscht, gefällt ihr genauso wie den anderen Teilnehmern.
Doch bei aller Lockerheit, Patrick van Veen meint es ernst mit seiner Methodik. Zum Beispiel wenn er mit Nachdruck schildert, wie wichtig das Lausen sei. "Lausen bedeutet Aufmerksamkeit, Respekt und Kumpanei. Das Alpha-Tier sichert sich so die Unterstützung", erklärt der Biologe. Außerdem trage es nach einem Konflikt zur Entspannung bei. Im Büro übernehme der Kaffeeklatsch diese Funktion, auch das Bierchen nach Feierabend schaffe Freunde und stärke das Team. "Das Lausen wird in Unternehmen oft vernachlässigt." Auf höherer Ebene entspreche Lausen dem Mitarbeitergespräch.
Die kuschelige Atmosphäre, die beim Lausen zu beobachten war, spiegele aber nicht den wahren Charakter der Schimpansen wider, verrät der Trainer. "Die sind wie Ihre Kollegen - in der Sitzung nicken sie alle und stimmen Ihnen zu, aber hinterher fallen sie Ihnen in den Rücken."
Schimpansen können lügen
Schimpansen können lügen und täuschen und scheuen selbst vor Manipulation nicht zurück, sagt der Affenexperte. Seine Sympathie für die Tiere ist dennoch groß: "Sie leben in Gruppen mit komplexen sozialen Beziehungen und Machtverhältnissen, die sie intelligent durchschauen und für sich nutzen. Dabei haben sie dem Menschen oft etwas voraus."
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(SZ vom 16.01.2010/holz)
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